Antifa vs. Antifaschisten

Der Wiener Journalist Karl Pfeifer schreibt seit Jahrzehnten bestens recherchierte Artikel und Kommentare über und natürlich gegen den Neofaschismus in Europa. Wenn einer ganz sicher ein Antifaschist ist, dann er. Das hinderte aber ein paar Mitglieder einer Bielefelder Antifa-Gruppe nicht daran, einen Vortrag des 81jährigen Holocaustüberlebenden über den in Ungarn wütenden Rechtsextremismus zu verhindern, indem sie ihn zunächst ohne jeden Beweis beschuldigten, er habe als Mitglied der Palmach im israelischen Unabhängigkeitskrieg bei „Massakern“ an Arabern mitgewirkt. Als dies nicht verfing und die Brüder keine Beweise vorlegen konnten, beharrten sie einfach darauf, dass Pfeifer ein Zionist sei, und man Zionisten ebensowenig als Sprecher haben wolle wie Mitglieder des „Schwarzen Septembers“. Pfeifer selbst durfte sich vor dem „Antifa-Tribunal“ nicht äußern, er wurde einfach ausgeladen. Später gelang es dann, den Vortrag an einem anderen Ort doch noch zu halten. Doch die bittere Erkenntnis bleibt: Für einflussreiche Mitglieder der Antifa ist Zionismus ein Vergehen, das sie gleich mal mit Rassismus und Faschismus auf eine Stufe stellen (so wie sie groteskerweise die Freiheitskämpfer der Palmach mit den Terroristen des Schwarzen September gleichsetzen). So kam es also, dass einer der engagiertesten Antifaschisten, die mir bekannt sind, ein Mann, der die Shoa überlebte und seither den Faschismus bekämpft, wo auch immer er ihn wirken sieht, dass also dieser 81jährige Wiener Jude sich bizarre Anschuldigungen von selbst ernannten Antifas anhören musste und, wie ich die Antifaszene kenne, noch froh sein durfte, neben den Verleumdungen nicht auch noch körperlich attackiert zu werden. Ich frage: Was für ein Antifaschismus ist das, der einen Vortrag über die extrem gefährliche Neofaschistenszene in Ungarn mit fadenscheinigen „Argumenten“ verhindert? Was sind das für „Antifaschisten“, die im Zionismus, also dem Wunsch nach einem jüdischen Staat und der Verteidigung dessen Existenz, ein Verbrechen sehen? Für mich sind solche Leute keine Antifaschisten, sondern entweder kleine Idioten ohne Geschichtskenntnisse, die die Parolen ihrer Vorväter nachbeten, oder gefährliche Querfrontler. Jedenfalls ist diese Sache ein weiterer bräunlicher Fleck auf der in der Selbstwahrnehmung der Akteure ach so sauberen Weste der Antifa-Milchbuben.

ps: Wer gegen den Zionismus ist, also den Juden nach Jahrhunderten der Verfolgung, die im Holocaust kulminierten, ihren Staat wegnehmen und sie damit wieder zu wehrlosen Opfern machen möchte, ist ein Antisemit. Punkt.

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