Ist die Linke noch zu retten?

Wundert das noch jemanden? Jürgen Elsässer und seine Phantomarmee „Volksinitiative“ wollen gemeinsam mit der islamistischen, pro-iranischen und vom Verfassungsschutz beobachteten Gruppe „Quds-AG“ und der eigenartigen Organisation „Neue Mitte“ in Berlin demonstrieren. Das Motto des Deppenaufmarsches: „Kein Steuergeld für Israels Kriegspolitik“.

Bei Elsässer, der die Demokratiebewegung im Iran als Ansammlung von „Disco-Miezen und NATO-Yuppies“ diffamierte, wundert einen ja gar nichts mehr. Der gelernte Lehrer und ehemalige „K-Gruppler“ schrieb noch in den 90er Jahren gut recherchierte und gar nicht mal dumme Artikel, war einer der Vordenker der neuen kritischen Linken, der so genannten „Antideutschen“, machte sich um den Kampf gegen linken und rechten Antisemitismus verdient und verließ sogar seinen Posten als Chefredakteur der „Junge Welt“, als diese begann, inhaltlich auf Nationalbolschewismus umzuschwenken. Er war dann Mitbegründer der „antideutschen“ Zeitschrift „Jungle World“ und schrieb immer wieder für das Flaggschiff der linken Publizistik, die „konkret“. Doch irgendwann um die Jahrtausendwende herum scheinen dem Mann einige Glühbirnen im Hirn durchgebrannt zu sein, und es wurde finster in Elsässers Kopf. Nach seltsamen und unreflektiert antiamerikanischen und antiwestlichen Artikeln und seiner Parteinahme für Saddam Hussein wurde er schließlich als Redakteur der „konkret“ entlassen. Auch die „Jungle World“ wollte seine immer rasender werdenden anti-internationalistischen und immer mehr in Richtung einseitigen Antiimerperialismus, Nationalismus und Kulturrelativismus tendierenden Beiträge, die bereits eine erschreckende antiemanzipatorische Schlagseite hatten,  nicht mehr drucken. Seither schreibt er für das publizistische und ideologische SED-Überbleibsel „Neues Deutschland“, für die „Islamische Zeitung“, das Verschwörungstheorien-Internethauptquartier „Telepolis“ und für den boulevardesken  irgendwie-linksliberalen-oder-auch-nicht „Freitag“. Bei der „Jungen Welt“, mit der er mittlerweile ja auf einer Linie liegt, ist er nun auch wieder willkommen. Und er betreibt ein Blog. Seine Lieblingsthemen sind heutzutage Israel-Dämonisierung und die Legitemierung der iranischen Klerikalfaschisten, Berührungsänsgte mit extrem antiemanzipatorischen, frauenfeindlichen, schwulenhassenden und den Fortschritt bekämpfenden Ideologien/Religionen hat Elsässer nicht. Ganz im Gegenteil sucht er aktiv deren Nähe und biedert sich bei den Mullahs an. Der nächste Schritt, nämlich ein Kooperationsversuch mit Neonazis, ist wohl nur eine Frage der Zeit. Immerhin hat er bereits Artikel veröffentlich, in denen er, ganz im Stil der Faschisten, gegen die Abtreibung wetterte und wahnhaft die „Zerstörung der Familie und der Nation“ als finsteren Plan sinistrer kapitalistischer Verschwörer beschrieb. Er schreckte nicht einmal davor zurück, Hetze gegen Homosexuelle zu betreiben und die patrachalische islamische Großfamilie als Vorbild abzufeiern. Nationalismus toll finden, Imperialismus immer und ausschließlich als von den USA und ihren Verbündeten ausgehend sehen, ideelles wie auch praktisches Paktieren mit den reaktionärsten Strömungen unserer Zeit, Familienideale von katholischen und islamischen (und neonazistischen) Fundis mittragen, das antisemitische Machwerk „Tal der Wölfe“ verteidigen, bei jeder antiisraelischen Aktion ganz vorne dabeisein – das ist heute die Welt des Jürgen Elsässer.

Elsässer kann man stellvertretend für einen leider allzu großen Teil der heutigen Linken sehen. Wie er scheint ein guter Teil der Menschen, die sich selbst als links einstufen, den Bezug zur Realität und zur marxistischen Kritik völlig verloren zu haben und klammert sich ängstlich an alles, was auch nur im Entferntesten an die „gute alte Zeit“ der Systemauseinandersetzung erinnert. Wie schon damals rennen diese Leute jedem blutrünstigen und/oder lächerlichen Irren hinterher, solange der sich nur als Feind des Westens geriert und links klingende Floskeln wie „Revolution“ (zB Iran) oder „Sozialismus“ (siehe Venezuela) im Mund führt. Die historischen Parallelen sind übrigens nicht zu übersehen: So wie in den Zeiten Stalins die westliche Linke bis auf wenige Ausnahmen trotz der allgemein bekannten Verbrechen in der Sowjetunion, des Verrats am Internationalismus und sogar trotz des Hitler-Stalin-Paktes weiterhin auf das Wohl des Mega-Verbrechers trank, so wie in den 70er Jahren etliche europäische und amerikanische Linksintellektuelle das massenmordende Wirken Pol Pots verteidigten, so armselig und in der Wahl ihrer Verbündeten debil ist auch der Großteil der heutigen Linken. Man ist in diesen Kreisen nicht nur unfähig zur kritischen Analyse, man ist auch kritikresistent und gehirngelähmt wie das Mitglied einer Sekte, bei der die Abgabe des Denkzentrums an der Garderobe Pflicht ist.

Fazit: Die Linke, vor allem der Großteil der radikalen Linken, hat moralisch und intellektuell Bankrott angemeldet. Das merken die Menschen und bescheren den orientierungslosen und visionslosen Linksparteien europaweit Wahlniederlagen (mit Ausnahme von Parteien wie der deutschen „Die Linke“ oder den französischen Trotzkisten, die als populistische Protestwortführer  Wähler einfangen). Grundsätzlich muss sich die Linke, von den Sozialdemokraten bis zu den diversen kommunistischen Gruppierungen, von Grund auf erneuern, wozu meiner Meinung nach vor allem die Befassung mit den konkreten sozialen und ökonomischen Problemen VOR ORT gehört, anstatt die gesamte Energie auf fruchtlose und natürlich auch dumme Projektionen auf die USA oder Israel zu verschwenden. Die Musik, die für europäische Linke relevant sein sollte, spielt vor allem in Europa. HIER werden Minderheiten wie die Sinti und Roma verfolgt und ermordet, HIER formiert sich der Neofaschismus und Neonazismus zu einer gefährlichen Schlagkraft, HIER gibt es die 1-Euro-Jobs und Hartz IV und andere soziale Sauereien. Und was die viel besungene „Internationale Solidarität“ betrifft: Die Welt beteht aus mehr als nur Amerika und Nahost. Eine Linke, die diese Bezeichnung verdiente, würde sich außerdem ganz genau ansehen, mit wem sie sich solidarisch erklärt, bevor sie mit Hamas-Leuten oder Hisbollah-Tarnorganisationen, die das genaue Gegenteil von echtem Linkssein darstellen, gemeinsam auf die Straße rennt. Das ist nämlich unter keiner rationalen Betrachtungsweise links, das ist nur dumm, beziehungsweise die Folge von Verblendung auf Grund unkritischer und damit ins Nichts oder in den politischen Abgrund führender pubertärer Radikalität.

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11 Gedanken zu “Ist die Linke noch zu retten?

  1. Da kann man nur jeden einzelnen Satz unterstreichen!

    Die Entwicklung des Elässer-Typen ist mir ein völliges Rätsel. Der Mann hat doch mal durchaus gescheites Zeug über Antisemitsmus usw. geschrieben. Was ist da passiert?

  2. Herzlichen Dank für diesen tollen Beitrag! Insbesondere folgender Satz ist einfach genial:

    „Doch irgendwann um die Jahrtausendwende herum scheinen dem Mann einige Glühbirnen im Hirn durchgebrannt zu sein, und es wurde finster in Elsässers Kopf.“

    LOL

  3. Nur scheinen sich die (linken) Antisemiten untereinander uneins zu sein. neben Elsässers Zusammenrottung wird es eine separate Kundgebung und Demo geben vonPalis und deren Freunde, siehe „Palästinaportal“ des Afterkünstlers aus dem Ruhrpott.

    Wer kann, sollte am 13. Dezember nach Hamvburg fahren, Demo und Vorführung des Films „Warum Israel“ im B-Movie,

  4. Nachtrag: Zur Elsässer Monsterschau mobilisieren auch die Pimpfe und Maiden der „Antiimperialistischen Koordination“ Wien nebst der „Initiative e.V.“ Duisburg.
    Das zweite „Bündnis“ hingegen scheint eher auf Paligruppen und deren deutsche Helfer beschränkt zu sein und rottet sich an andeer Stelle zusammen.

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