„Standard“ + Berichterstattung über Juden = Vollidioten im Kommentarbereich

Die Userkommentare im „Standard“ sind immer gut dafür, den Blutdruck in die Höhe zu treiben – zumindest bei Menschen mit Ver- und Anstand. Immer, wenn ich mich schlaff und müde fühle, werfe ich daher gerne einen Blick in die einschlägigen Foren. Stets gut für ein bisschen Hypertonie sind die Kommentare der Leser zu den Themen Nahost, Israel, USA und Judentum. Als ich heute, beinahe unter Hypotension leidend, im Online-Standard das Interview mit der Präsidentin der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, las, wurde ich von den Userbeiträgen nicht enttäuscht und schon kurz nach der Lektüre war mein Blutdruck wieder weit oben.

Dr. Lindwurm ist natürlich gerne bereit, die Blutdruck anregenden Ergüsse der Standard-user mit euch zu teilen.

Der Judenmafiajäger:

Wie ist die Mafia entstanden? sie haben den menschen in der region das wasser gestohlen…  wie kontrolliert israel seine nachbarn? uuups- antisemitismus…

Der Ängstliche, dem von den bösen Juden das Maul verboten wird:

War ja nicht anders zu erwarten. Israelkritik = Antisemitismus . und jetzt is a ruah, goj*m!

Der persönliche werdende Hosenscheißer:

Schöne Perücke (ist das antisemitisch?)

Der unfassbar dämliche Vergleiche Ziehende:

Bind zwar schon lange aus der kirche ausgetreten, aber angenommen ich wäre noch dabei und mein thailändischer Nachbar beschimpft mich wieder mal, weil ich zu laut Musik hör. Ist er dann ein Antichrist?

Der sich mit allen Mitteln wehrende Punkti-Punkti-Macher:

mehrmals darauf hinzuweisen, wie Kritik gefälligst auszusehen hat, damit sie angenommen und ernstgenommen wird, sagt schon recht viel über diese Dame aus, finde ich… Ich wehre mich mit allen Mitteln dagegen, dass es ein Land auf dieser Welt geben soll, das (zumeist berechtigte) Kritik an seinem einseitigen Vorgehen ganz einfach als Antisemitismus vom Tisch wischen kann…  Diese Selbstgerechtigkeit beleidigt die Millionen Menschen, die im Holocaust ihr Leben ließen…

Der Geruchsempfindliche, der es nötig hat:

Kritik an israel und seiner Politik ist berechtigt und nötig! auch wenn Frau Knobloch od. einige User hundertmal sagen dass dies Antesemitisch ist. Wenn mir stinkt was im Nahen Osten passiert sage ich es! Wenn mir stinkt dass Deutschland Israel modernste U-Boote schenkt sage ich es. usw. usf.

Der in keinem Israel-Forum fehlen dürfende Rassentheoretiker:

soweit ich informiert bin sind die palestinenser genauso semiten, so wie viele andere volksstämme in der region…

Ein Gerechter unter den Völkern:

Genauso wie jeder „gerechte“ Mensch das Schicksal der Juden in der Vergangenheit beweint, genauso muss er heute blind sein, um in diesem ungleichen Konflikt nicht Palaestina zu unterstuetzen.

Ein indirektes Holocaust-Opfer:

Wie praktisch, das man schreckliche Dinge, die vor langer Zeit passiert sind immer und immer und immerwieder hervorziehen kann, um den anders denkenden des Antisemitismus zu zeihen.

Der, der den Juden ihren Staat wegnehmen möchte, aber ansonsten nix gegen Juden einzuwenden hat:

Ich bezeichne mich als Antizionist, habe aber NICHTS gegen Menschen jüdischen Glaubens! Und wenn man das Massaker an der Palästinensichen Zivilbevölkerung in Gaza anfang 2009 kritisiert ist man noch lange KEIN Antisemitist!

4 Kommentare zu „„Standard“ + Berichterstattung über Juden = Vollidioten im Kommentarbereich

  1. Der Müll, der von diesen heuchlerischen „Nicht-Antisemiten“ hingerotzt wird, ist immer wieder aufs Neue brechreizerregend. Ich bewundere die (wenigen) Poster, die tapfer dagegen halten, ich selbst habe – leider – nicht die Nerven dazu.

  2. „Wie ist die Mafia entstanden? sie haben den menschen in der region das wasser gestohlen… wie kontrolliert israel seine nachbarn? uuups- antisemitismus…“

    meine Antwort hat es nicht durch die Standard-Zensur geschafft:

    „Wie ist Antisemitismus entstanden? die Antisemiten haben den Juden Brunnenvergiftung unterstellt.
    Was werfen Israelkritiker dem Juden-Staat vor? uuups Antisemitismus…“

    http://aron2201sperber.wordpress.com/2009/11/02/sonntags-in-der-krone/

  3. Möcht nicht warten bis das endlich im Standard freigeschalten ist, oder auch nicht, hier meine Meinung dazu:

    Es verhält sich hier ähnlich wie mit der „Nazikeule“: Es sind soviele Antisemiten laut geworden, dass einer gemäßigtem und vernünftigen Kritik nur zu gerne unterstellt wird, antisemtitisch motiviert zu sein.

    Das Problem besteht aber nicht darin, dass solche Kritik als Anitsemitismus abgestempelt wird, sondern darin, dass Antisemiten ihre Unterstellungen, Lügen und Hasspredigten mit diesem Umstand legitimieren wollen.

    Und es ist beinahe witzig zuzuschauen wie die Judenhasser sich darum abstrampeln ihre Aussagen als solche Kritik zu legitimieren, und wie ebenso Blinde jedes Wort der Kritik an Israel als Anitsemitismus abstempeln. Beinahe eben – denn witzig ist das ganz und gar nicht.

    Und wenn mans genau betrachtet, verhält es sich wirklich wie mit der „Nazikeule“: Ein paar wenige müssen sich furchtbar über jeden Hauch von Kritik echauffieren, zur Profilierung oder weil sie nicht fähig sind über ein Problem zu reflektieren – und jeder Antisemit beruft sich darauf, um zu versuchen Vernunft vorzugaukeln. Eine bekannte, aber dadurch nicht minder ekelhafte Taktik, die sich in so gut wie jeder rechten Gruppierung wiederfindet.

  4. @ Piet: Eigentlich ist die Sache ganz einfach. Wer sachliche Kritik an der israelischen Politik übt, auch sehr harte Kritik, muss noch lange kein Antisemit sein. Wer aber andauernd NUR Israel kritisiert, den Staat dämonisiert und zu delegitimieren versucht, völlig einseitig IMMER den israelis die Schuld zuschiebt und – wichtig – an keinen anderen Staat der Erde ähnlich strenge Maßstäbe ansetzt, der ist ein Antisemit, ob er es nun selber weiß oder nicht.

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