Drittes Lager und die Medien

Lukas Kapeller beschreibt im „Standard“ die für Demokraten beängstigende Stimmung beim „BZÖ-wird-FPK-Parteitag“ in Klagenfurt. Das ist schon okay, aber mich überrascht die Überraschung des Autors. Die Verachtung für die Presse, die die Delegierten und die blau-orangen Politiker im Konzerthaus an den Tag legten, ist wahrlich nicht neu, sondern integraler Bestandteil  des Kampfes der Erben Hitlers gegen „das System“. Das in deren Augen zu bekämpfende System ist für diese Herrschaften die rechtsstaatliche Demokratie westlicher Prägung mit freien Medien, Meinungsfreiheit, unabhängiger Justiz und dem Konsens, antidemokratische Kräfte zu bekämpfen. Spätestens seit Jörg Haider sich 1986 zum Führer des Dritten Lagers geputscht hatte häuften sich die offenen Attacken gegen die Medien nicht nur in Form verbaler Ausfälle, sondern auch in einer Flut von Anzeigen und Prozessen, die gegen Zeitungen und einzelne Journalisten angestrengt wurden. Und es war noch bei JEDEM FPÖ-Parteitag so, dass man als Berichterstatter den Hass und die Verachtung, die diese Leute gegenüber der Presse empfinden, zu spüren bekam, so man nicht blind und taub war. Wenn man einen starken Magen hatte und sich unter die mit Bier abgefüllten Kärntneranzugsträger mischte, wurden diese auch stets deutlich und ließen die Euphemismen bleiben. Dann war die Rede von der „verjudeten Presse“ oder der „Systempresse der Siegermächte“. So ist nun einmal deren Gedankenwelt, die meinen das ernst, und das nicht erst seit Uwe Scheuch, sondern in Wahrheit seit 1945. Die Braun-Blau-Orangen sehen in – den meisten – Journalisten tatsächlich Feinde, Vollstreckungsgehilfen eines in ihren Augen „aufgezwungenen“  Systems, das sie aus tiefstem Herzen verabscheuen und daher abschaffen möchten. Schon die originalen Nazis wetterten in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts fast wortident gegen die „Systempresse“ und führten Kampagnen gegen Medien und Journalisten, die sie als Teil der von ihnen verhassten Demokratie sahen. Ihre geistigen Erben machen es ihnen nach.

2 Kommentare zu „Drittes Lager und die Medien

  1. RICHTIG! Der Parteiname ändert sich, das Prinzip bleibt gleich. Wer erinnert sich noch an den Spruch des teuren(!) Verblichenen, er würde dafür sorgen, daß in den Redaktionsstuben hinkünftig nicht mehr so viel gelogen wird? Auf, ihr Journalisten! Sorgt durch genaue Rechereche dafür, dass hinkünftig auch in den Parteizentralen nicht mehr so viel gelogen werden kann.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s