SPÖ: Mit Seifried in die „Volksgemeinschaft“?

Ich möchte auf einen hervorragenden Kommentar von  Hans Rauscher im „Standard“ hinweisen, in dem er den zunehemenden Verfall der politischen Kultur und des Rechtsstaates in Österreich zutreffend beschreibt. Vor allem was Kärnten betrifft, hat der Mann vollkommen recht. Wenn etwa der Wolfsberger Bürgermeister Gerhard Seifried, der immer wieder mit Jörg Haider gekungelt hat, Wahlempfehlungen für Haider ausgesprochen und  „seiner“ Partei, der SPÖ, stets eine enge Zusammenarbeit mit den Politgangstern ans Herz gelegt hat, die neue Hoffnung der kärntner Roten sein soll, dann ist Hoffnungslosigkeit angebracht. Wie soll der Mann glaubhaft gegen das System Haider, das sich durch Aushöhlung des Rechtsstaates, durch Korrupution, Attacken auf die Meinungsfreiheit, das Ignorieren von Höchstgerichtsurteilen und die Bereicherung kleiner Cliquen auszeichnete und immer noch auszeichnet, auftreten können? Und Seifried ist kein Dummkopf, er hat ganz genau gewusst, wer und was Jörg Haider war und wie dessen politische Erben moralisch aufgestellt sind. Trotzdem hat er immer der Zusammenarbeit mit diesen Halunken das Wort geredet, während er die kärntner SPÖ boykottierte, indem er es nicht einmal für Wert befand, an Parteisitzungen teilzunehmen. Selbst wenn Seifried, sollte er tatsächlich neuer SPÖ-Chef werden, plötzlich den pointierten Oppositionspolitiker gäbe, würde man ihm das nur schwer abkaufen können. Sein Credo war doch stets „wir können und sollen mit allen, und seien es die ärgsten Schurken“, und es fällt nicht schwer, da genau den Sound der „Volksgemeinschaft“ heraus zu hören, den auch Haider immer wieder angestimmt hatte. Kurz: Mit Seifried an der Spitze kann sich die SP-Kärnten gleich auflösen und sich den Gebrüdern Scheuch anschließen. Das Deprimierende: Es ist kein überzeugender anderer Kandidat in Sicht. Dem Peter Kaiser würde ich zumindest noch soviel politische Bildung und weltanschauliche Festigkeit zutrauen, dass er das demokratische System nicht durch ein Vorantreiben in Richtung „Kärntner Einheitspartei“ an die Wand fährt. Allein: Ihm scheint der Mut zu fehlen aufzustehen und zu sagen „ja, ich mach´s“. Bleibt noch der Spittaler Bürgermeister Gerhard Köfer. Der ist zwar eine ideologische Nullnummer und ein Populist, hat sich aber immerhin nicht allzu sehr bei Haider und dessen Erben eingeschleimt. Doch ob der Mann intellektuell in der Lage ist, eine Landespartei anzuführen, darauf traue mich nicht zu wetten. Es ist zum Mäusemelken! Die Bevölkerung ist angewidert von den blau-orange-schwarzen Skandalen, die Popularitätswerte von Uwe Scheuch gleichen jenen von Frankensteins Monster, aber die große Oppositionspartei schafft es nicht, eine solche zu sein.

Ein Gedanke zu “SPÖ: Mit Seifried in die „Volksgemeinschaft“?

  1. Volltreffer!
    Wie so oft in seinen Glossen zur Innenpolitik bringt der Lindwurm die Dinge auf den Punkt, ist er einer jener raren Journalisten die es wagen Klartext zu schreiben, die nicht herumeiern. Auf so einen warten Noch-Leser der KTZ vergeblich. Da kann ja nicht klar Stellung genommen werden, da steht ja die Landespresseförderung vor, die dann womöglich gekürzt würde, bei anderen Medien gibt es vielleicht die Furcht vor einem Inseratenboykott. Gut dass es das Internet gibt und Journalisten vom Schlage eines „Lindwurms“, danke.

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