Loan Sharks

Der Lindwurm ist seit 15 jahren Kunde der BAWAG, der ehemaligen Gewerkschaftsbank. Als wenig verdienender Freiberufler schwankte sein Kontostand stets zwischen rotem und schwarzem Bereich hin und her. Dann wurde der Lindwurm krank, sehr krank sogar, und war fast ein jahr lang außer Stande, Geld zu verdienen. Er leidet immer noch unter den Nachwirkungen der Krankheit und der Therapie, und unter diesen Umständen beweist die BWAG nun echte Menschlichkeit: Sie fordert Kohle, und zwar ultimativ und binnen weniger Tage. Das überzogene Konto soll ausgeglichen  werden, zumindest eine (recht üppige) Anzahlung muss geleistet werden. Natürlich muss so eine darbende Bank, die von Typen wie dem Lindwurm gnadenlos ausgesaugt wird, auch schauen, wo sie finanziell bleibt, und dazu reichen die heftigen Überziehungszinsen natürlich nicht aus, nes pas? In einem kurzen Schreiben, in dem die Einzahlung einer bestimmten Summe verlangt wird, heißt es: „(…) berechnen wir ihnen für unsere Aufwendungen zusätzlich 36 Euro“. 36 Euro! Für die „Aufwendung“, in ein Standardformular meinen Namen und eine Summe einzutragen! Kein schlechter Stundenlohn, muss ich sagen. Wer hat das Mahnschreiben verfasst? Der Aufsichtsratsvorsitzende? Jedenfalls hat die „Bank für Arbeit und Wirtschaft“ in den vergangenen 15 Jahren gut an mir verdient, hat über Zinsen mehr hereingeholt, als ich von ihr bekommen habe, und will jetzt bei einem Krebspatienten Druck machen. Ein feiner Zug. Nur um die Dimensionen zurechtzurücken: ich schulde denen kein Vermögen, sondern mein Konto ist mit 700 Euro im Minus. Habe denen einst 3.000 geschuldet und habe den Schuldenberg, nunja, eher Schuldenhügel, immer weiter abgebaut. Natürlich ist mir das Rückzahlen nicht so uhrwerksartig möglich wie einem Beamten mit Fixgehalt, denn ich bin von Honoraren abhängig, die oft reichlich lange auf sich warten lassen, und das sollte die Bank inzwischen wissen, die weiß ja auch sonst alles über ihre Kunden. Es ist ihr aber scheints egal. So wie es ihr egal ist, dass ich monatelang eine Chemotherapie obersten Härtegrades durchmachen musste und in dieser Zeit naturgemäß nichts verdient habe. Meine Kundenbetreuerin vor Ort in Klagenfurt war, das muss ich erwähnen, stets hilfsbereit und ist es immer noch, doch offenbar gelten neue Direktiven, die diese Vor-Ort-Betreuer weitgehend entmündigen und das „Schuldeneintreiben“ zentralisiert haben.

Anderen Leuten geht es ähnlich wie dem Lindwurm.  Ich habe allein schon in meinem Bekanntenkreis von mehreren Fällen gehört, in denen verschiedene Bankinstitute plötzlich einen auf Loan Shark machen und wegen teils lächerlicher Kredit- oder Überziehungssummen sich aufführen, als wären diese Kunden schuld daran, dass die Herren und Damen Manager nicht ordentlich gewirtschaftet haben. Ist das der Dank dafür, dass der Staat, also wir alle, die Banken durch Milliardenfinanzspritzen vor dem Bankrott gerettet haben? Dankbar können jedenfalls Populisten wie Strache sein, denn hier tut sich für diese ein neues Propagandafenster auf.

7 Gedanken zu “Loan Sharks

  1. „Dankbar können jedenfalls Populisten wie Strache sein, denn hier tut sich für diese ein neues Propagandafenster auf.“
    Ich glaube nicht, dass es so ablaufen wird, Strache hat bis jetzt nicht gegen die Banken gewittert.

  2. finde das Vorgehen der Bank schäbig.

    die Verrechnung der 36 € ist eine Betrügerei, die sich die Banken bei Leuten, die sich scheinbar eh nicht wehren können, herausnehmen…

    ein weiterer Mißstand, der mich wahnsinnig ärgert, sind die Kosten, die zahlungsunfähigen Schwarzfahreren aufgehalst werden.

    zuerst geht es zum Inkassobüro, dann zum Anwalt – am Ende sind aus einer für sozial Schwache – und das sind die meisten Schwarzfahrer – ohnehin viel zu hohen Strafe von 70 € Schulden von 500 € geworden.

    wer 70 € nicht zahlen kann, kann am Ende natürlich auch keine 500 € zahlen – so zahlt der Steuerzahler für die „Leistungen“ des Inkassobüros, der Anwälte und natürlich die Gerichtskosten.

    zurück bleiben verschuldete Leute, die falls sie doch einmal einen Job finden, ihr Gehalt gepfändet bekommen – zufriedene Inkassobüros, zufriedene Anwälte…

    und das ganze in einem roten Wien…

    auch bei diversen betrügerischen Lockangeboten, auf die gerade Habenichtse leicht hereinfallen, machen sich die Gerichte zu Erfüllungsgehilfen der Betrüger, anstatt die Betrüger zu bestrafen.

    ganz zu schweigen vom „kleinen Glückspiel“ – eine der größten Schweinereien der letzten Jahre…

    Mißstände gibt es genug – aber die Linke ist zu sehr mit der Bekämfung des Neoliberalismus beschäftigt, um sich mit diesen banalen Auswüchsen des Kapitalismus zu beschäftigen

  3. Hallo Lindwurm!

    Ich empfehle dir die Bank sofort zu wechseln! Ein altes Sprichwort sagt: „Wenn ein großes Gebäude einstürzt, erschlägt es viele „Kleine“.

  4. Ich empfehle Dir zur Bank zu gehen und mit denen ein Gespräch zu führen, Deine Situation zu erklären und einen (weiteren) Zahlungsaufschub zu fordern. Solche Schriftstücke kommen immer relativ böse rüber,das ist ja auch deren Sinn. Ich war vor kurzem in einer ähnlichen Situation und habe mit meiner Bankberaterin gesprochen,woraufhin meine Dispo-Zinsen von 9,5 auf 5,5%gesenkt wurden, was ich Dir übrigens auch empfehle. Das sind alles nur Menschen und mit Menschen kann man reden. man kann sie als Knechte des Kapitalismus sehen die nach dem Blut des kleinen Sparers gieren, des nächtens von der Decke hängen und heimlich Jungfrauen opfern, oder einfach als Menschen die einen Job ,aber auch Spielraum zum eigenständigen Handeln haben und JEDER,dem Du deine Situation erklärst wird Dir entgegenkommen,soviel steht fest. Geh´heute noch ´rein oder vereinbare einen Termin!

  5. Freiberufler, wie der Lindwurm, sind halt Freiwild auf dem Finanzdienstleistungssektor und passen in kein pauschales Kunden-Rating mehr hinein. Die Kreditinstitute versuchen doch schon sein Jahren, „notleidende“Kredite einzutreiben, bevor das ganze Kartenhaus zusammenfällt. Dem Tingler kann ich nur zustimmen. Bankmitarbeiter haben immer noch gewissen, und zugegebenermaßen reduzierten, Handlungsspielraum. Jetzt heißt es, in der Personalhirarchie den zu finden, der die notwendige Kompetenz hat, die Misere zu lindern. Und da heißt es, „dickes Fell anziehen und unten anfangen“. Wobei Schimpfen u. Zetern nix nutzt. Perspektiven müssen angeboten werden und realistische Zahlungspläne vorgelegt werden, dann läßt sich auch mit solch einer Bank weiter arbeiten.
    Gebühren, wie die für ein solches Mahnschreiben, lassen sich mit Hilfe des Konsumentenschutzes überprüfen.

  6. Bei einer Bank, die für ihre Postlermethoden bekannt ist, möchte ich ohnehin kein Konto haben. Zu spaßen ist natürlich mit den anderen auch nicht, wenn ich aber lese, wegen welcher Lappalien die sich aufführen, fühle ich mich darin bestätigt. Auf die zu treten, die unten sind, ist FPÖ-Niveau liebe Bawagler.
    Ich bin mir übrigens nicht sicher, ob das Freiberuflertum jetzt nicht ein „Pluspunkt“ ist? Irgendwo habe ich mal gelesen, dass ehemalige Krebspatienten, die wieder richtig ins Arbeitsleben zurückkehren wollen, dabei mit erheblichen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, weil Arbeitgeber Angst vor dem Wiederausbruch der Krankheit haben sollen. Der Freiberufler ist diesbezüglich ja weniger abhängig von einer Gesellschaft, die Kranke abschreibt.

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