Holocaustgedenktag 2010

Heute ist der Internationale Holocaustgedenktag. Heute vor 65 Jahren befreite die Rote Armee die letzten Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau und die Soldaten, die nach den Gräueltaten, die die Wehrmacht in Russland begangen hatte, dachten, sie hätten bereits in den Abgrund der Hölle geblickt, gingen voller Entsetzen durch diese Ermordungsfabrik, dieses Satanswerk des deutschen Vernichtungsantisemitismus. Gedacht werden soll heute auch der anderen Opfergruppen, der Zigeuner, der Homosexuellen, der politischen Gegner der Nazis, der Kriegsgefangenen, der Behinderten, all jener, die von der braunen Brut gequält und ermordet wurden. Doch aus guten Gründen ist dies vor allem der Tag, an dem wir der millionenfachen Vernichtung jüdischen Lebens gedenken, denn der mörderische Antisemitismus der Nazis kannte keine Grenzen, keine Gnade, und die Nazis hätten nicht aufgehört zu morden, bis der letzte Jude im Krematorium verbrannt wäre, hätte man dieses vom Abschaum der Menschheit regierte Deutschland nicht mit aller Kraft militärisch bekämpft und schließlich besiegt.

Heute werden viele Reden gehalten werden in vielen Parlamenten und an vielen Stätten des Horrors, in Israel wird das Leben wird kurz innehalten, eingedenkend des Unfassbaren. In Europa werden sich etliche Politiker wortreich, aber wirkungsarm in dem ergehen, was sie Vergangenheitsbewältigung nennen, und allerortens wird das „Nie Wieder“ beschworen werden, doch im wirklichen Leben ist Essig mit „Nie Wieder“, da müsste es richtig heißen: „Schon wieder“. Denn schon wieder greifen antisemitische Faschisten in Ungarn nach der Macht, schon wieder gibt es in Deutschland und Österreich gleich mehrere Naziparteien, die zu verbieten man trotz der formelhaften Beschwörung des Antifaschismus nicht in der Lage, oder schlimmer, nicht willens ist. Jüdinnen und Juden sowie  Antifaschisten werden auf Internetseiten der neuen Nazis zum Abschuss freigegeben, man veröffentlicht ihre Fotos und ihre Privatadressen, doch die Politiker, die das „Nie Wieder“ beschwören, können oder wollen diesem Treiben nicht Einhalt gebieten. Und während der Opfer des letzten Holocausts wort- und tränenreich gedacht wird, sieht Europa tatenlos zu, wie der Iran die nächste Shoa vorbereitet. Während deutsche und österreichische Politiker in Trauerhaltung über den Massengräbern von einst stehen, sind deutsche und österreichische Firmen die Haupthandelspartner eben dieses Iran, dessen Präsident  die baldige Vernichtung des Staates der Juden angekündigt hat. Österreichische Rechtsaußenpolitiker dürfen einen EU-Bürger jüdischen Glaubens öffentlich als „Exiljuden“ beschimpfen und bleiben dennoch in Amt und Würden. Hitlers Erben marschieren auf Europas Straßen Hand in Hand mit Islamisten und Linksextremen und skandieren „Tod Israel“. So genannte „Israelkritiker“, die ihre ganze dürftige intellektuelle Energie darauf verwenden, den Staat der Holocaustüberlebenden zu dämonisieren und zu delegitmieren, können aus ihrem Wahn einen Brotberuf machen, denn ihre Texte sind heiß begehrt in den Zeitschriften zwischen Athen und Hammerfest. Alle Staaten dieser Welt, eingeschlossen die USA, lassen kaum einen Tag verstreichen, um den Israelis nahe zu legen, endlich die Waffen zu strecken und sich wieder vor der Schlachtbank anzustellen, schön ruhig und ordentlich in Zweierreihen. Niemand weit und breit, der es den Juden nicht übel nähme, wenn sie ihr Leben verteidigen gegen jene, die Hitlers Werk vollenden möchten. Dies ist die Realität am Internationalen Holocaustgedenktag 2010.

6 Gedanken zu “Holocaustgedenktag 2010

  1. Eine kleine Anmerkung: In Israel findet der Holocaust-Gedenktag nicht heute statt, sondern erst im April, das heisst, dass heute hier keine Sirenen heulen werden.

    Ansonsten danke für den lesenswerten Beitrag.

  2. Ich hab deinen Text mit nickender Zustimmung gelesen, bis zu diesem Satz.
    Und während der Opfer des letzten Holocausts wort- und tränenreich gedacht wird, sieht Europa tatenlos zu, wie der Iran die nächste Shoa vorbereitet.
    Was für eine infame Scheiße, dass du einen derartigen Gedenktag für infame Hetze missbrauchst, ohne auch nur den geringsten Beweis dafür. Das ist einfach nur mies, dass ist nichts anderes als die Ausbeutung des Holocaust-Gedenktags für politisches Kleingeld. Einfach nur mies von dir, Lindwurm. Und zu den unmittelbaren Problemen unserer nächsten Umgebung, nämlich z.B. dass in Deutschland derzeit der Antifaschismus an sich durch die derzeitige Regierung _kriminalisiert_ wird, darüber verlierst du kein Wort, weil man da ja nicht gegen den Iran hetzen kann.

  3. @ foo: Ich bin halt ein mieser Typ, was soll ich machen? 🙂

    Im Ernst: Zur rechtlichen Situation der AntiFa in Deutschland schreibe ich was, wenn mir danach ist oder es einen entsprechenden Anlass gibt. Es ist halt heikel, da es „die“ AntiFa ja nicht gibt, sondern viele versprengte Haufen, von denen sich einige Methoden bedienen, die nun mal am Kriminal entlangschrammen oder kriminell sind. Dass „der Antifaschismus an sich“ in Deutschland kriminalisiert würde, wäre mir aber völlig neu. Oder wird demnächst ganz Köln samt Oberbürgermeister eingesperrt?

  4. Linksextremisten als die Erben Hitlers und Kritik an Israel ist antisemitische Hetze?!
    Ich verstehe sehr gut, weshalb der Staat Israel gegründet wurde – um einem Volk, das nach der Diaspora vor ~2000 Jahren überall unterdrückte Minderheit war, einen Staat zu geben, in dem es sicher ist.
    Und dafür darf man den Palästinenserinnen und Palästinensern ihren Staat einfach wegnehmen, weil in der Bibel steht, dass das jüdische Volk dort vor 2000 Jahren mal war? Rechtfertigen die Verbrechen, die in diesen Jahrtausenden an Juden und Jüdinnen begangen wurden, die Verbrechen der Israelis an den PalästinenserInnen? Weil ihre Großeltern im NS verfolgt, entrechtet, gefoltert und ermordet wurden, dürfen die Juden und Jüdinnen von heute Schiffe mit Hilfsgütern versenken, damit die Menschen, die vor ihnen „ihr“ Land bewohnt haben, elend verecken, ihre Häuser anzünden und ihre Kinder umbringen?
    Natürlich, von palästinensischer Seite werden ebenso Verbrechen begangen, beide schaukeln den Konflikt immer mehr auf. Und deshalb ist es einfach nur lächerlich, inkompetent und unglaubwürdig, für eine Seite Partei zu ergreifen und IsraelkritikerInnen als AntisemitInnen abzustempeln.

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