Braune Rosenkränze in der Hofburg?

Die FPÖ treibt die Renazifizierung Österreichs voran. Mit Barbara Rosenkranz hat sie nun eine Person aus dem äußersten rechten Eck der Partei für die Wahl zum Bundespräsidenten nominiert. Rosenkranz, zehnfache Mutter, die ihre Kinder mit den streng germanischen Namen Hedda, Ute, Alwine, Sonnhild, Volker, Hildrun, Mechthild, Arne, Horst und Wolf gestraft hat, hält das Inzweifelziehen der Gaskammern in den Vernichtungslagern der Nazis für „Meinungsfreiheit„, prangert das NS-Verbotsgesetz als „verfassungswidrig“ an und ist mit dem Rechtsextremisten Horst Jakob Rosenkranz verheitratet, ehemaliges Mitglied der wegen neonazistischer Umtriebe verbotenen Parteien NDP und „Nein zur Ausländerflut“ (letztere gründete er gemeinsam mit dem Neonazi und Holocaustleugner Gerd Honsik) sowie Herausgeber des antisemitischen Nazi-Schmierblattes „fakten“, in dem unter anderem zu lesen stand: „Der alte Traum der Kosmopoliten, mithilfe des Geldes den Bibelauftrag, die ganze Welt zu beherrschen, zu verwirklichen, scheint mit dem Instrument der Globalisierung in greifbare Nähe gerückt zu sein“.

Barbara Rosenkranz hat sich niemals von den Ansichten ihres Gatten distanziert. Ganz im Gegenteil hat sie sogar einmal stolz verkündet, sie würde dessen Ergüsse vor der Veröffentlichung auf Rechtschreibfehler hin redigieren. Das Ehepaar veranstaltet Sonnwend- und Julfeiern, bei denen immer wieder das Who-is-Who der braunen Szene zugegen ist. Auf einer dieser Feiern hatte der damalige FPÖ-Politiker Ewald Stadler die berüchtigte Aussage von der „angeblichen Befreiung von 1945“ getätigt. Wes Geistes Kind die Dame ist, hat sie heute bei einer Pressekonferenz bewiesen. Angesprochen auf die Kritik der Israelitischen Kultusgemeinde an der Kandidatur von „Kellernazis“ für das höchste Amt im Staate sagte sie, süffisant grinsend: „Das ist eine bedauerliche Aufregung. Die Österreicher werden bestimmen, wer gewählt wird“. Das bedeutet nichts anderes, als dass Frau Rosenkranz österreichischen Juden das Österreichersein abspricht. Das ist eine geradezu klassische neonazistische Haltung, geprägt von tiefstem Antisemitismus.

Die „Kronen Zeitung“, deren täglich von Wolf Martin verfasste ausländerfeindliche und am Verbotsgesetz knapp vorbeischrammende Hetzgedichte mittlerweile von der radikalsten österreichischen Neonazi-Interneplattform begeistert nachgedruckt werden, hat sich bereits pro-Rosenkranz positioniert. Das überrascht nicht allzu sehr, könnte aber der Dame wenn schon nicht den Wahlsieg, so doch einen erschreckend hohen Stimmenanteil bescheren.

Die FPÖ schickt Rosenkranz nicht zufällig ins Rennen um das höchste Amt im Staate. Dieser Partei geht es darum, rechtsradikales bis  neonazistisches Gedankengut in die innersten Machtzentren der Republik zu tragen und nazistische Gesinnung zu enttabuisieren. Mit dem Mitglied der rechtsextremen Burschenschaft Olympia, Martin Graf, stellt die FPÖ bereits jetzt den Dritten Nationalratspräsidenten. Mit Barbara Rosenkranz soll nun eine noch eindeutiger rechtsextreme Gallionsfigur gar an die Staatsspitze getragen werden. Wer meint, dies sei nicht allzu ernst zu nehmen und ein Anlass für Scherze, irrt gewaltig. Der Bundespräsident/die Bundespräsidentin hat den Oberbefehl über das Militär und kann das Parlament auflösen. Es ist untragbar, dass eine Person wie Rosenkranz dieses Amt bekleiden könnte. Es wäre wohl in keiner anderen entwickelten Demokratie möglich, dass so eine Figur überhaupt nur in die Nähe eines politischen Amtes gelangen, geschweige denn als Kandidatin für das Amt des Staatsoberhauptes aufgestellt werden könnte. In Österreich geht das, hier ist das kein Problem.

Die Bundespräsidentenwahl wird so etwas wie eine Nazizählung werden, denn man sollte sich nichts vormachen: Wer Rosenkranz wählt, tut dies nicht aus Protest. Er oder sie weiß ganz genau, wen und was er da wählt. Dies ist überhaupt das große Missverständnis im Umgang mit Wählerinnen und Wählern extremer Parteien: Man dichtet ihnen an, sie würden bloß ihrem Frust Ausdruck verleihen. Nichts könnte falscher sein. Wer FPÖ wählt, stimmt nicht gegen die anderen Parteien, sondern für Xenophobie und Antisemitismus. Der Lindwurm ist alt genug und hat mit genügend FPÖ-Wählern gesprochen, um das aus eigener Erfahrung mit diesen Leuten bestätigen zu können. Die protestieren nicht, die wollen eine andere Republik. Die haben keinen Frust, sondern sie wollen anderen Menschen weh tun, auch physisch. Die wählen die FPÖ nicht trotz ihres Naheverhältnisses zum Neonazismus, sondern wegen dieser Nähe. Gewiss, es ist schmerzhaft, das zu realisieren, doch man sollte aufwachen, bevor es zu spät ist – falls der Zug nicht ohnehin bereits abgefahren ist.

6 Kommentare zu „Braune Rosenkränze in der Hofburg?

  1. Zur „Krone“ sei noch zu sagen, dass das pro-Rosenkranz-Kommentar von „capo“ höchstpersönlich kam. „capo“, das ist ein Pseudonym von Hans Dichand. Somit wird diese Bundespräsidentenwahl eine besonders wichtige, nämlich nicht nur gegen das österreichische Kellernazitum, sondern auch gegen die Meinungsdiktatur der „Krone“ und des „Onkel Hans“.

  2. Guter Artikel, direkte Ansprache ohne drumherumzureden und zu verharmlosen.

    Danke!

  3. Schade auch das der Fischer ein dermaßen blasses Lamperl ist und ein Sozialist der den Namen nicht verdient. Oder vielleicht doch? Ist der Sozialismus so konturloss und weich geworden das Fischer eigentlich der ideale Stellvertreter der neuen immer zahnloseren „Bewegung“ ist?Ich denke das diesmal wieder die Partei der Nichtwähler den Wahlausgang wieder entscheidend mitgestalten wird. Nur um Rosenkranz nicht zu bekommen Fischer wählen zu müssen ist halt auch ein bisserl ein Armutszeugnis für die SPÖ. WO bleiben die Linken Galleonsfiguren im Sinne eines Bruno Kreisky? War der wirklich nur ein Jahrhundertereigniss?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s