Sie kommen aus den Kellern

Kaum als Präsidentschaftskandidatin der FPÖ nominiert, spricht Frau Barbara Rosenkranz auch schon braunen Klartext: Das NS-Verbotsgesetz gehöre abgeschafft, denn: „Ist man für Meinungsfreiheit, dann wird es nicht anders gehen, als dass man absurde, skurrile, verwerfliche Meinungen zulässt.“ Klingt sehr liberal, was? Das Problem ist bloß, dass die Neugründung der NSDAP und das Leugnen des Holocausts  weder absurd, noch skurril sind, sondern verbrecherisch. Befragt, ob es in den Nazi-KZ Gaskammern gegeben hätte, antwortet Rosenkranz so, wie es typisch ist für Nazis, die nicht vor dem Richter landen wollen: „Ich habe das Wissen, dass ein Österreicher, der zwischen 1964 und 1976 in österreichischen Schulen war – das ist also mein Wissen von der Geschichte, und ich daran habe ich überhaupt keine Änderung vorzunehmen.“ Blöd nur, dass Frau Rosenkranz Geschichte studiert hat, wenn auch nicht bis zum Abschluss, da ihr unbändiger Wunsch, Germanen zu gebären, übermächtig wurde. Dummstellen als Taktik, das hat man oft genug bei FPÖ-Politikern gesehen, und es ist ein Armutszeugnis für den österreichschen Journalismus, dass man dies immer wieder durchgehen lässt. Aber so ist das hierzulande: Recherchieren und kritisch nachfragen, bis man eine klare Antwort bekommt, gilt als unfein, Poltiker, auch Kellernazis, werden traditionell äußerst zuvorkommend behandelt und niemals in echten Erklärungsnotstand gebracht oder zum ideologischen Offenbarungseid gezwungen.

Ein weiterer Skandal in der Causa Rosenkranz ist das Verhalten der ÖVP und der Grünen. Die ÖVP hat die Lehren der „Lagerstraße“ wohl endgültig vergessen und trägt immer noch einen dermaßen großen Hass auf die SPÖ in sich, dass sie sich nicht dazu durchringen kann, im Sinne eines großen antinazistischen Konsenses eine Wahlempfehlung entweder für Heinz Fischer oder zumindest eine gegen Barbara Rosenkranz abzugeben. Auch die Grünen geben keine Wahlempfehlung ab, da sie ihre „Wählerinnen und Wähler für mündig genug“ halten. Es geht aber nicht um mündige Wähler, sondern um eine klare antifaschistische Positionierung der grünen Partei. Oder ist es etwa mit dem Antifaschismus der Grünen ebenso wenig weit her wie mit jenem der ÖVP? Gibt es teilweise gar ideologische Überschneidungen? Immerhin ist Barbara Rosenkranz ja eine große Tierschützerin…

Die Braunen kriechen aus den Kellern und es braucht einen Schulterschluss der Demokraten!

11 Gedanken zu “Sie kommen aus den Kellern

  1. „Immerhin ist Barbara Rosenkranz ja eine große Tierschützerin…“

    Ja, und die „Tierrechts“-Ideologie ist in linken Kreisen (zu denen die Grünen ja gehören) durchaus salonfähig.

  2. Es gibt natürlich KEINEN Schulterschluss mit den Grünen, nicht in diesem Leben. Auch Hitler war ein großer Tierfreund und Vegetarier- ich kann mir deshalb aber nicht vorstellen daß er für die Grünen kandidiert, resp. das Glawischnig eine Wahlempfehlung für ihn ausgesprochen hätte. 😉
    Wichtig ist das allen mündigen Österreichern klargemacht wird, daß dieses rechte Gesindel eindeutige FEINDE der Demokratie sind und es keine sogenannte“Meinungsfreiheit“ für diese Art von Politik geben DARF. Für mich bedeutet daß, das ich im Ernstfall den Fischer wählen gehe. Ein passender Wahlslogan für Fischer wäre: „Wer Rosenkranz nicht will muß sein Kreuzerl bei mir machen“. 😦

  3. Rosenkranz heißen u. den Holocaust leugnen. – Welche kranken Synapsen haben sich da gebildet.

  4. Hej Volks!Was soll hier dieser Aufschrei wegen der Rosenkranz?Nehmt euch ein Beispiel an Ihr und geht Kinder zeugen!!

  5. Mein Grossonkel – der im Krieg gegen die Deutschen kämpfte – pflegte, wenn in irgendeinem Heurigen diverse Kriegsromantiker von Stalingrad schwärmten, sich an den Tisch so einer „Kameradschaft” zu stellen und laut, für alle im Lokal vernehmlich zu schreien:
    „Vaterlandsverräter! Ihr habt Euer Vaterland, Österreich, verraten! Pfui Teufel!”
    Erstaunlich: Das wirkte! An solchen Tischen wurde dann nur mehr gemurmelt, jedenfalls, von dort kam kein lautes Wort mehr.
    Ich hab das auch ausprobiert, ist schon einige Zeit her, ich war in der Nähe von Linz in einem grösseren Lokal, wo über diverse Heldentaten – so unter 60..80jährigen geschwärmt wurde und dem Rest des Lokales unüberhörbar mitgeteilt wurde, dass die vor Madagaskar die Pest an Bord usw. Ich war verblüfft: Die hielten einfach die Schnauze! Tatsächlich, kein Wort mehr!
    Denn das ist die Tragik hier in Österreich: Wo leben wir denn eigentlich?! Die meisten Österreicher, die von Deutschland nicht viel hielten, wurden nach der Affen-Römer-Bananengleichung abgestraft: Du bist gegen Deutschland, die Russen sind gegen Deutschland (das mit den Russen liess sich hervorragend „demokratisch” verkaufen, wer gegen die anderen Alliierten war, geriet schnell in den Verdacht, undemokratisch zu sein), also: Du bist ein Russenfreund.

    Der Deutschnationalismus war das allergrösste Übel in Österreich, schon beginnend, mit der (deutsch-)österreichichen Sozialdemokratie im Reichsrat gegen die tschechische Sozialdemokratie aufzutreten… Und schon Kewell bemerkt in seinem Tagebuch 1848, dass zu den ersten demokratischen Regungen des dazumals grossteils deutschnational gestimmten Pöbels ein Pogrom – ganz demokratisch – gehörte. Hat sich also nicht viel geändert…
    oas

  6. Danke! Ein sehr guter Beitrag! Vollkommen richtig, der Deutschnationalismus war die Wurzel allen Übels.

    Ich kann mich auch noch an alte Nazis erinnern, wie sie so ca zwischen 50 und 60 waren. Die haben, wenn sie sich begrüßt haben, die Hacken zusammengeschlagen und die Rechte zum Gruss erhoben, dabei aber dumm grinsend nach links und rechts geschaut. Wie Schüler die wissen, dass sie einen Blödsinn machen und irgendwie nach Beifall heischen. Feig waren diese Drecksfiguren immer. Vor dem Krieg, im Krieg und nach dem Krieg.

  7. meistens sind es ausgerechnet Anhänger totalitärer Ideologien, die anderen selbst keinerlei Grundrechte gewähren würden, die für sich selbst vom demokratischen Verfassungsstaat eine Gewährung von Grundrechten bis zur Selbstaufgabe einfordern.

    Auch vom demokratischen Verfassungsstaat können Rechte nur gewährt werden, solange sie sich nicht gegen die eigene Existenz wenden. Trotzdem ermöglicht der demokratische Verfassungsstaat ein höheres Maß an Freiheit und Partizipation als alle anderen jemals erprobten Staatsordnungen.

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