Die „Feuermauer“ formiert sich

Es tut sich was in das Sache Rosenkranz. Die von Bundespräsident Heinz Fischer beschworene „Feuermauer“ gegen Kräfte, die den Grundkonsens der Republik aushebeln wollen, nimmt Gestalt an. Mit Kardinal Christoph Schönborn hat sich eine gewichtige Stimme gegen die Wahl von Barbara Rosenkranz erhoben. „Wenn sich jemand für ein hohes Amt in diesem Land bewirbt und in der Frage des NS-Verbotsgesetzes oder in der Frage der Shoa einen Spielraum offen lässt, dann ist so jemand für mich persönlich nicht wählbar“, so Österreichs höchster katholischer Geistlicher in einer Presseaussendung. Das sind für einen Kardinal ungewöhnlich deutliche Worte, die untermauern, wie ernst die Lage ist. Auch der Klubchef der ÖVP im Nationalrat, Karlheinz Kopf, rät der Wählerschaft der Volkspartei, nicht für Rosenkranz zu stimmen. Der ehemalige Chef der Grünen, Alexander van der Bellen, ruft direkt zur Wahl von Heinz Fischer auf, denn: „Wenn jemand aus einem Neonazi-Umfeld kommt, ist allein schon die Aussicht darauf unerträglich, dass sie die höchste Repräsentantin des Staates werden könnte“.

Die Anständigen im Lande beginnen sich zu formieren, und das ist auch notwendig. Noch fehlen die Statements der obersten Führungsriege der Grünen und der ÖVP, aber man darf annehmen, dass diese nun nicht mehr darum herumkommen werden, zumindest gegen eine Wahl Rosenlranz` aufzurufen. Okay, ein paar schwarze Provinzpolitiker wie der niederösterreichische VP-Landtagsklubobmann Klaus Schneeberger („Ich habe Frau Rosenkranz in den vergangenen 18 Jahren kennen und schätzen gelernt“.) wollen noch nicht einsehen, dass es hier nicht um parteipolitischen Zank, sondern ums Ganze geht, doch wird man dem Herren hoffentlich noch den Kopf zurechtrücken.

Die demokratischen und antinazistischen Kräfte in Österreich müssen zusammen ein eindeutiges Signal setzen, dass nämlich schon die Kandidatur einer Dame, die auf Fragen zur Shoa ausweichend antwortet und das Verbotsgesetz abschaffen möchte, eine rote Linie überschreitet, und  dass eine Bundespräsidentin Rosenkranz schlicht intolerabel wäre. Von den Kirchen über die demokratischen Parteien bis hin zu NGOs und einzelnen Bürgerinnen und Bürgern muss eine große Absperrkette gebildet und die klare Parole verkündet werden: „Bis hierhin und nicht weiter!“ Es muss jedem Wähler verdeutlicht werden, wer hinter Rosenkranz steht, nämlich der Abschaum der Menschheit, unbelehrbare Nazis und Menschenfeinde. Leute, die an eine Ideologie glauben, die nichts als Leid, Krieg und Völkermord über die Welt gebracht hat. Leute, die aus gutem Grund das Tageslicht scheuen und sich in konspirativen Zirkeln bewegen, dumme Leute, gefährliche Leute.

Falls die Feuermauer hält, wird die Bundespräsidentenwahl auch für FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache zum Waterloo, denn er wird durch seine Unterstützung für Rosenkranz sogar für politisch Desinteressierte in all seiner ideologischen Hässlichkeit kenntlich. Wenn die Menschen sehen, dass alle relevanten gesellschaftlichen Gruppen außer der FPÖ ganz klar „nein“ zu Rosenkranz sagen, dann werden sie sich möglicherweise auch von Strache und ähnlichen Extremisten abwenden.


					
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4 Gedanken zu “Die „Feuermauer“ formiert sich

  1. Was ich erstaunlich finde ist dieses Kommentar von Dichand:

    Cato zu Hofburg-Kandidatin Barbara Rosenkranz

    Unabhängig

    Als unabhängige Tageszeitung hat die „Kronen Zeitung“ stets versucht, Außenseitern eine faire Chance zu geben, sie nicht auszugrenzen.

    So ist es auch im gegenwärtigen Präsidentschafts-Wahlkampf, wo wir Barbara Rosenkranz Gelegenheit geboten haben, ihre Ideen und Einstellungen darzulegen. Darunter waren allerdings auch solche, die Zweifel aufkommen lassen.

    Daher ist es ein Gebot der Stunde, dass sich Barbara Rosenkranz von allen nationalsozialistischen Gedanken eidesstattlich distanziert. Alles andere würde sie als Präsidentschafts-Kandidatin disqualifizieren.

    Cato

    zu lesen hier:
    http://www.krone.at/krone/S32/object_id__188550/hxcms/index.html

    Der Chefredakteur der Presse ist gestern hingegen in der ZIB 24 gegen das Verbotsgesetz aufgetreten.
    Alles eigenartig.

  2. Ja, das habe ich heute gelesen-groß gedruckt auf Seite 3. Das finde ich großartig und das habe ich dem Dichand auch geschrieben-man darf sich niemals vor den Nazi-Karren spannen lassen, besonders nicht als größte Tageszeitung Österreichs.

  3. der dichand hätte sich aber auch schon vorher über die rosenkranz informieren können, schliesslich war ihre gesinnung niemals ein geheimnis. nicht mal ein offenes.

    so gesehen hätte die firewall bereits bei der nominierung dieses kellernazis aufgezogen werden müssen und nicht erst tage später. vielleicht interessiert in Ö aber auch niemanden politik so sehr, dass er/sie „rosenkranz“ in google eintippt? was wäre gewesen, wenn die RK geschwiegen hätte? wäre sie für die meisten Ösis eine philosopha geblieben?

    man kann ja echt froh sein, dass nazis (intrinsisch bedingt) solche erbsenhirne haben, dass sie sich meistens (leider nicht immer) selbst rechtzeitig demaskieren.

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