Die „Feuermauer“ wirkt

Barabara Rosenkranz rudert heftig zurück und hat dermaßen viel Kreide gefressen, dass die niederösterreichischen Schulen schon Nachschub bestellen mussten. In einem Interview mit der „Presse“ sagt sie, es sei „völlig inakzeptabel“ zu behaupten, es habe keine Gaskammern in den NS-Vernichtungslagern gegeben. Weiter könne „Kein Zweifel daran bestehen“, dass in der Nazizeit schwerste Verbrechen verübt wurden. Es sei außerdem „unbestritten“, dass man in den Gaskammern Millionen ermordete. Freilich, wer genau ließt, der findet sie wieder, die typischen Relativierungen und Verrenkungen, wie etwa diese: „Die Meldungen, wonach ich für eine Aufhebung des Verbotsgesetzes wäre, sind falsch und irreführend. Ich habe auf Nachfragen festgehalten, dass jene Teile, die die Meinungsäußerung betreffen, in einem Spannungsverhältnis zum Grundrecht auf Meinungsfreiheit stehen.“ Dennoch: Der Versuch von Heinz-Christian Strache und seinen Kameraden, den Grundkonsens der Republik zu sprengen, ist gescheitert.

Die „Feuermauer“ wirkt also, und das tut sie nur deswegen, weil diesmal das antinazistische Österreich wirklich geschlossen aufgetreten ist und laut „stopp“ gesagt hat. Hier sei ausdrücklich der Herausgeber der „Krone“, Hans Dichand, lobend erwähnt, denn seine heute erschienene Kolumne, in der er eine eindeutige, ja „eidesstaatliche“  Distanzierung Rosenkranz´ vom NS-Gedankengut forderte, war der Moment, an dem die Anti-Nazi-Firewall endlich fertig installiert war. Würde Dichand jetzt auch noch den immer wieder mal am Verbotsgesetz knapp vorbeidichtenden Wolf Martin rauswerfen, könnte mit der alte Mann in der Muthgasse direkt noch sympathisch werden.

Aber schauen wir mal genauer hin! Was brachte Dichand dazu, Rosenkranz, der er noch kurz zuvor den Weg in die Hofburg ebnen wollte, zur Räson zu rufen?  Ich behaupte, es waren zwei Faktoren: Zum einen dürfte dem Medienmogul bewusst geworden sein, dass sein persönlicher Ruf auf dem Spiel steht, wenn er weiterhin eine Politikerin unterstützt, die sich nicht klar von neonazistischen Tendenzen distanziert, denn Dichand mag zwar ein Rechter sein, er ist aber kein Nazi und möchte auch nicht als solcher wahrgenommen werden. Zum anderen hat der „Krone“-Chef in den vergangenen Tagen gesehen, wie breit die Ablehnungsfront gegen Rosenkranz wirklich ist. Diese reicht nämlich von der SPÖ, der ÖVP, den Grünen, dem BZÖ (!), vielen Vertretern der Zivilgesellschaft, etlichen Meinungsmachern in Print- und Internetmedien über Künstler wie Udo Jürgens (der es „bei Rosenkranz mit der Angst zu tun bekommt“ und vor „faschistischen Tendenzen“ warnt) bis hin zur Katholischen Kirche in Gestalt von Kardinal Christoph Schönborn. Gegen eine so breite Allianz wäre sogar die auflagenstarke „Krone“ machtlos und stünde dann gemeinsam mit Rosenkranz auf verlorenem Posten im Schmuddeleck. Und ein Dichand verliert nicht gern. Dichand möchte ein angesehenes Mitglied der Oberen Zehntausend sein und kein gesellschaftlicher Außenseiter.

Für kommenden Montag hat Barbara Rosenkranz eine Erklärung zu den Themenbereichen Nationalsozialismus, Verbotsgesetz und Holocaustleugnung angekündigt. Man darf ohne Risiko vorhersagen, dass sie sich zum Verbot der NS-Wiederbetätigung bekennen und sich von der Leungung der Shoa distanzieren wird. Freilich sollte sich davon keiner, der sich politisch auch nur ein bisschen auskennt, in seiner Ablehnung von Rosenkranz beirren lassen, denn sagen kann die Dame vieles und Papier ist geduldig. Dass sie tatsächlich binnen weniger Tage ihre über Jahrzehnte verinnerlichten politischen Ansichten ändert, können nur sehr naive Menschen glauben. Leider wird der Rosenkranz-Auftritt am Montag wohl dazu führen, dass die „Krone“ Frau Rosenkranz wieder ins Herz schließt, doch hier hat dann erneut die „Feuermauer“ einzugreifen. Man darf es der Dame nicht durchgehen lassen, sich mit ein paar schönen und vor allem kostenlosen Worten aus der Affäre zu ziehen. Kurzum: Es ist noch nicht vorbei und es besteht immer noch die theoretische Möglichkeit, dass eine Vertreterin des äußersten rechten Flügels der FPÖ Bundespräsidentin wird. In Wahrheit dürfte sich niemand mit ein paar dahergeredeten Entschuldigungen abspeisen lassen. Man muss weiterhin und immer wieder darauf hinweisen, dass diese Kandidatur ein Skandal ist, und zwar so lange, bis sich außer Nazis niemand mehr ernsthaft vorstellen kann, diese Frau zu wählen.

Trotzdem: Es bringt eine gewisse Genugtuung mit sich, zu erleben, wie rasch die extreme Rechte den Schwanz einzieht, wenn ihr nur die anständigen Menschen mit Ent- und Geschlossenheit entgegentreten. Beinahe, aber wirklich nur beinahe bedauere ich die Frau Rosenkranz ein bisschen, da sie nun Tag für Tag ihren Gesinnungsgenossen erklären wird müssen, dass ihr Zurückrudern eh nur Taktik sei und sie nach wie vor eine verlässliche Vertreterin der „deutschen Sache“ sei…

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3 Gedanken zu “Die „Feuermauer“ wirkt

  1. Die Frau Rosenkranz brauchst Du nicht zu bedauern,die hat 10-20 Kinder um die sie sich kümmern kann wenn´s ihr fad ist.;-) Alles in allem finde ich daß um die Kandidatur der Frau R. in letzter Zeit ein wenig zu viel Aufhebens gemacht wurde, denn wir wissen:Auch Negativwerbung ist schlussendlich Werbung und allein die Tatsache daß sie so oft in den Schlagzeilen steht wird vielen tumben Staatsbürgern als Grund dafür dienen ihr Kreuz ins „rechte“Ringerl zu malen.
    Ich darf an die Kandidatur/Wahl des Kurt Waldheim erinnern, die international einen wahren Aufschrei verursacht hat und uns Österreicher als Naziwitzfiguren in den Tageszeitungen/Medien rund um den Globus etablierte. Ich weiß nicht ob es nicht das Beste wäre die Kandidatur der Mutterkreuzanwärterin in Zukunft einfach totzuschweigen.

  2. Klar, die Möchtegern-Volksmutter tritt gegen Fischer an und ist ohnehin chancenlos.
    Die Kandidatur hat wohl damit zu tun, dass eine Partie im Gespräch bleiben will und sich vom Wahlkampf etwas Rückenwind erhofft. Sicher wäre es schön sie genau deshalb totzuschweigen, nur werden die Jünger eines Strache und seiner geistigen Vorfahren deswegen nicht verstummen und weiterhin probieren, wie weit sie gehen können. Wenn kein Widerspruch kommt, werden mit der Zeit Dinge als ganz normal gelten, die alles andere als normal sind. Außerdem kann wirklich keiner, der sich hinter Rosenkranz und ihre Kollegen stellt, mehr behaupten er wüsste nicht, wen und was er unterstützt. Selbst der faulste Sack muss das schon irgendwo gelesen oder gehört haben und die Ausrede von nix gewusst zu haben fällt somit flach.

    Einen Waldheim-Effekt wird es bei dieser ehrenwerten Dame (zum Glück) eher nicht geben, dafür ist die Feuermauer zu breit. Das Stoppschild wird ja von so gut wie allen gesellschaftlich relevanten Kräften getragen, wer „Jetzt erst recht“ hinter Rosenkranz steht, ist somit Teil einer ganz bestimmten „Kraft“.

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