Erdogan der Genozidexperte

Wenn Politikern die Sicherungen durchbrennen, dann schmeißen sie auch dann mit Steinen, wenn sie in einem Glashaus in einer Stadt aus Glas leben. So etwa der türkische Premier Recep Tayyip Erdogan. Der droht damit, 100.000 Armenier ausweisen zu lassen, da die „armenische Diaspora“ die edle Türkei schlecht mache. Hintergrund ist, dass bekanntlich zwischen 1915 und 1817 bis zu 1,5 Millionen Armenier Selbstmord begangen haben, um der Türkei eine schlechte Nachrede anzuhängen. Seither kämpfen bedauernswerte türkische Politiker gegen diese Unterstellungen, die manchmal sogar von türkischen Intellektuellen kommen, die dann ganz zu Recht ein wenig gefoltert und eingesperrt werden…

Wenn Edogan  über Völkermord spricht, dann ist ein echter Experte am Wort. Der Islamist hat etwa brennscharf erkannt, dass in Darfur keineswegs ein Genozid stattfindet, auch wenn das der Rest der Welt das anders sieht, denn: „Ein Muslim kann keinen Völkermord begehen“. Und daraus ist logischerweise zu folgern, dass auch kein Völkermord an den Armeniern stattgefunden haben kann, denn Muslime sind zum Völkermorden schlicht nicht in der Lage, da sie moralisch perfekte Wesen sind. Andersgläubige aber, die kennen kein Pardon. Israels Militäraktion „Gegossenes Blei“ war für den frommen türkischen Premier nichts weniger als ein „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, und „wirklich Mord“. Auch den gottlosen Chinesen warf Erdogan einen „Völkermord an den Uiguren“ vor – obwohl bei den Ausschreitungen in der Unruheprovinz mehr Han-Chinesen als Muslime ums Leben kamen.

Ein Schelm könnte nun unterstellen, dass für Erdogan ein Völkermord nur dann einer sein kann, wenn dessen Opfer Muslime sind, weil er Anders- oder Ungläubige nicht als Menschen sieht und der Mord an ihnen daher auch nicht weiter ins Gewicht fällt. Ein weiterer Schelm könnte Erdogan schlicht vorhalten, zu doof zu sein um zu wissen, was ein Völkermord eigentlich ist, denn wer in der gezielten und hunderttausendfachen Ausrottung von schwarzafrikanischen Männern, Frauen und Kindern in Darfur keinen Genozid erkennen kann, die zivilen Opfer des von der Hamas provozierten Militärschlags Israels aber als Opfer eines solchen zu sehen vermeint, der ist entweder blind für die Realität, ein Hassprediger oder einfach nur bescheuert.

Und ein dritter Schelm könnte Erdogan flüstern, dass nicht nur Armenier, sondern auch Hunderttausende Türken in der Diaspora leben, weshalb er also ein wenig vorsichtiger mit Ausweisungsdrohungen und Verschwörungstheorien sein sollte, denn wie sagte schon der Prophet? „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andrem zu“...

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4 Gedanken zu “Erdogan der Genozidexperte

  1. „dass für Erdogan ein Völkermord nur dann einer sein kann, wenn dessen Opfer Muslime sind“ – nicht ganz, schliesslich sind die Darfuris ja selbst Muslime. Farbige zwar, aber ein Muslim kann natuerlich auch kein Rassist sein, schon klar…

  2. Richtig, in Darfur geht es – neben den wirtschaftspolitischen Interessen der Zentralregierung und Chinas – auch um den Rassismus der Araber gegen die Schwarzafrikaner. Die arabischen Reiterbrigaden brüllen ja, bevor sie ein Dorf niedermetzeln, ihren Kampfruf „Tod den Sklaven“. Dass diese „Sklaven“ großteils auch Muslime sind, scheint sie nicht weiter zu stören…

  3. Sehr einseitige Darstellung, Lindwurm. Im Standard-Artikel steht doch auch: „Die meisten von ihnen haben keine offizielle Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis, werden aber geduldet und in der Regel von der Polizei in Ruhe gelassen.“

    Ohne Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung siehts auch bei uns nicht gut aus für Immigranten.

    Die Darfur- und Völkermords-Aussagen von Erdoğan sind natürlich Schwachsinn, aber selbst er betont, daß Armenier mit türkischer Staatsbürgerschaft natürlich keine Ausweisung fürchten müssen.

  4. Wie gnädig ist der Muslim Erdogan doch das er Armeniern die schon in der Region gelebt haben, ein Bleiberecht einräumt. Eine offizielle Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis verlangen die Behörden nicht unbedingt, viele Völker der ehemaligen Sowjetrepubliken leben in der Türkei und können natürlich ohne rechtliche Grundlage besser ausgebeutet werden. Erdogan sagt ja nicht das er Illegale per se ausweisen will, sondern nur Armenier.
    Man stelle sich vor Deutschland erwägt nur Türken sunnitischen Glaubensrichtung auszuweisen.

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