Schwarzbraune Akademiker

Der Wiener Akademikerbund, eine Vorfeldorganisation der Österreichischen Volkspartei (ÖVP), hat in einem Schreiben die „ersatzlose Aufhebung des NS-Verbotsgesetzes“, eine „generelle Beendigung der Einwanderung“ sowie die „Streichung des Gleichbehandlungsgesetzes“ gefordert. Ja, richtig gelesen: Die Wiener ÖVP-Akademiker plädieren für die rechtliche Möglichkeit einer Wiederzulassung von NSDAP, SS, SA und Gestapo und wollen nationalsozialistische Propaganda straffrei stellen. Immerhin wurde der Vorsitzende der Wiener Landesgruppe dieses Vereins sofort nach Bekanntwerdung des Briefes aus der ÖVP ausgeschlossen und die Spitzen der Volkspartei distanzierten sich eindeutig. Schon ein wenig zweideutiger wird da Franz Fiedler, ehemaliger Rechnungshofpräsident, Vorsitzender des Bundesakademikerverbandes und Beinahe-Präsidentschaftskandidat von ÖVP und FPÖ. Fiedler will den Fall „diskutieren“. Als ob es da noch was zu diskutieren gäbe!

Die schwarzbraunen Akademiker aus Wien argumentieren genau wie Neonazis und naive Liberale mit der „Meinungsfreiheit“. Als akademisch gebildete Menschen sollten sie aber wissen, dass das NS-Verbotsgesetz genau gar nix mit der Einschränkung der Meinungsfreiheit zu tun hat, aber alles mit dem Schutz der Gesellschaft vor Verbrecherorganisationen und deren Stimmungsmache. Den Holocaust zu leugnen ist keine Meinung, sondern eine  politische Taktik von Neonazis. Ich denke, dass dies dem Wiener Akademikerbund sehr wohl bewusst ist. Ich meine, im Wiener Akademikerverbund treiben sich antisemitische, fremden- und frauenfeindliche Neonazionalsozialisten herum.

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9 Gedanken zu “Schwarzbraune Akademiker

  1. „Immerhin“ hat die ÖVP schnell reagiert und den Verfasser des Briefs ruck-zuck aus der Partei geworfen sowie dem Akademikerbund verboten, sich ÖVP-Vorfeldorganisation zu schimpfen: http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20100324_OTS0229/akademikerbund-kaltenegger-josef-mueller-aus-der-oevp-ausgeschlossen

    Nichtsdestotrotz bezeichnend, dass sich immer wieder auch im ÖVP-Umfeld rechte Recken herumtreiben, die mit einer unglaublichen Freiheitsdemagogie agieren. Noch dazu: der Brief dürfte ÖVP-intern schon einige Zeit bekannt gewesen sein (auch Fiedler kannte ihn schon seit Monaten), erst jetzt nach dem öffentlichen Aufschrei wurde gehandelt.

  2. Der „öffentliche Aufschrei“ war ja selbst gemacht. Die ÖVP hat den mit 1. November 2009 (!) datierten Brief über die Bande an die Öffentlichkeit gespielt, um angesichts der Aufregung über Rosenkranz einen trifftigen Grund zu haben, die Wahnsinnigen loszuwerden. Übermorgen ist zufällig Hauptversammlung des Akademikerbundes, da wird die Wiener Nazi-Fraktion entsorgt. Schwarzer Pragmatismus, unterm Strich positiv zu bewerten.

  3. „im Wiener Akademikerverbund treiben sich antisemitische, fremden- und frauenfeindliche Neonazionalsozialisten herum.“

    Du musst deren Eigenschaften doch nicht nennen, die kennt jedes Kind.

  4. „Als akademisch gebildete Menschen sollten sie aber wissen, dass das NS-Verbotsgesetz genau gar nix mit der Einschränkung der Meinungsfreiheit zu tun hat, aber alles mit dem Schutz der Gesellschaft vor Verbrecherorganisationen und deren Stimmungsmache. Den Holocaust zu leugnen ist keine Meinung, sondern eine politische Taktik von Neonazis.“

    Da ich kein akademisch gebildeter Mensch bin, kann ich folglich nur ein dummer Mensch sein, der auf die politischen Tricks der Neonazis herreinfällt. Auch alle Amerikaner sind dumm und naiv; haben das falsche Bewusstsein – Nur der Lindwurm ist im Besitz der Wahrheit, durchschaut das infame Spiel, fällt nicht auf politische Propaganda herein und meint uns Dummen und Minderbemittelten die Welt erklären zu müssen.

    Diese anmaßende und arrogante Haltung ist mir bestens von gutmeinenden Linken bekannt. (http://www.youtube.com/watch?v=OPNin0-dLVE)

  5. @ Uwe Richard: Wenn man anfangen muss, zu erklären, weshalb Österreich und Deutschland ein NS-Verbotsgesetz haben und brauchen, die USA hingegen nicht, dann wird es ärgerlich, weil das eigentlich jeder halbwegs historisch und politisch Gebildete wissen müsste.

  6. @ Uwe Richard:
    Jeder sollte das wissen, Akademiker erst recht, so wie sie normalerweise dazu fähig sein müssten über den Tellerrand zu schauen, dabei festzustellen, dass die Amis weniger naive Dummköpfe sind, als unsere „Eliten“, die Europa für (arisch?) überlegen halten.

  7. @Lindwurm

    Wer Menschen Gedankenverbrechen wegen wegsperrt, ist selbst ein Verbrecher. Das wirklich Ärgerliche ist doch, dass man so etwas auch noch erklären muss!

    Uwe Richard

  8. @ Uwe: Gesetzlich die Wiedergründung der NSDAP zu verbieten, ist vernünftig. Wenn du „Gedanken“ über die Wiedergründung der NSAP hast, dann sind das deine Gedanken, und sie werden auch nicht strafrechtlich verfolgt. Wenn du aber eine Nazipartei gründen möchtest, dann ist das verboten. Also: Die Gedanken (auch die dreckigsten) sind frei, was soll dein Gejammer?

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