Zur Bundespräsidentschaftswahl

Heinz Fischer wurde heute laut ersten Hochrechnungen mit deutlichen 78,8 Prozent in seinem Amt als Bundespräsident bestätigt. Die FPÖ-Kandidatin Barbara Rosenkranz erreichte bloß 15,56 Prozent, der skurrile Rechtskatholik Rudolf Gehring fuhr ein Achtungserbenis von 5,8 Prozent ein. Die Wahlbeteligung war mit nur knapp 50 Prozent sehr niedrig.

Zu Fischer: Er hat seine erste Amtszeit so gestaltet, wie es den österreichischen Politgepflogenheiten und auch dem Gusto der meisten Wähler bezüglich des Bundespräsidenten entspricht – konsensorientiert, staatsmännisch, repräsentativ, in Grundfragen geradlinig.

Zu Rosenkranz: Die FPÖ muss mit dem Ergebnis unzufrieden sein, da kann Parteichef Strache noch so laut „Hexenjagd“ schreien (und seine Kandidatin damit ganz nebenbei als Hexe bezeichnen, lol). Sie war nur ein Angebot für den harten rechtsextremen bis neonazistischen Kern in Österreich, der in etwa acht Prozent ausmacht, und für weitere acht Prozent Dauerprotestwähler, die auch einem Baumstamm ihre Stimme geben würden, solange sie meinen, der würde gegen „die da oben“ sein. Die von Strache herbeifantasierten 35 Prozent hat die rechte Barbara jedenfalls trotz der Unterstützung durch die „Kronen Zeitung“ meilenweit verfehlt. Interessant ist, dass diesmal auch die Jungwähler, die ansonsten besonders FPÖ-anfällig sind, sich nicht übermäßig für Rosenkranz erwärmen konnten. Die streng blickende Dame, die im Modestil der 40er Jahre auf- und Weltbilder von vorgestern vertritt, hat wohl das „Disco-Gratissaufen-Strache zahlt-leiwand“-Publikum verschreckt.

-Zu Gehring: Der politisierende Radikalkatholik konnte vermutlich ein paar ÖVP-Wähler vom rechten Rand der Partei für sich gewinnen und so ein achtbares Ergebnis erzielen. Eine ernstzunehmende politische Kraft werden er und seine Partei  „Die Christen“ wohl nicht werden.

Alle Welt diskutiert nun über die erschreckend niedrige Wahlbeteiligung. Doch diese ist einfach zu erklären.

1. Die ÖVP hat es verabsäumt, einen bürgerlichen Gegenkandidaten aufzustellen. Weder Rosenkranz, noch Gehring sind auch nur irgendwie „bürgerlich“. Also sind jene Wählerinnen und Wähler, die für keinen SPÖler stimmen würden, selbst wenn es um ihr Leben ginge, aber auch nicht für Kellernazis oder Polit-Christen, einfach zuhause geblieben.

2. Die schändliche Empfehlung vieler ÖVP-Funktionäre an ihre Sympathisanten, bei dieser Wahl ungültig zu wählen, hat das zu erwartende demokratiepolitisch bedenkliche Resultat erzielt. Wer dermaßen schamlos den demokratischen Prozess delegitimiert, der braucht sich nicht zu wundern, wenn die Leute dann gleich drauf pfeifen und gar nicht erst in die Wahlzelle gehen, bloß um dann „weiß“ zu wählen.

3. Viele waren nicht ganz zu Unrecht der Meinung, dass Fischer ohnehin das Rennen machen werde, die Sache also bereits entschieden sei. Außerdem war heute herrliches Frühsommerwetter.

Interessant ist, dass Fischer bei den Frauen um fast zehn Prozentpunkte besser abgeschnitten hat als bei den Männern. Und bei Rosenkranz war´s umgekehrt. Das zeigt wohl, dass das Frauenbild der FPÖ bei den Wählerinnen nicht allzu toll ankommt und Rosenkranz nicht als Identifikationsfigur für die Frau von heute taugt.

Kärnten musste natürlich wieder einmal aus der Reihe tanzen, denn hierzulande wählten 2o Prozent die Dame aus dem  zweifelhaften Dunstkreis. Das ist zwar auch mager, liegt aber deutlich über dem Bundesschnitt und zeigt, dass die Kärntner nach wie vor ein wenig rechter ticken als die Bewohner der anderen Bundesländer. Aber wirklich zufrieden können FPÖ/FPK/FIK nicht sein, denn der Trend zeigt für sie in Kärnten nach unten. Steil nach unten sogar.

ps: LOL, gerade papageit Rosenkranz im TV wieder und immer wieder den Strache-Sager von der „Hexenjagd“. Die scheinen echt nicht zu kapieren, wie unfreiwillig komisch der Begriff in diesem Zusammenhang wirkt…

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6 Gedanken zu “Zur Bundespräsidentschaftswahl

  1. Himmler wollte beweisen, dass die altgermanischen Hexen durch eine jüdisch-christliche Verschwörung ausgerottet worden waren:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Hexenkartothek#Heinrich_Himmlers_Interesse_an_der_Hexenverfolgung

    in Wahrheit fanden die Hexenverfolgungen jedoch erst ab dem Spätmittelalter/Neuzeit (also nach hunderten Jahren Christentum statt) und richteten sich nicht gegen den alten heidnischen Glauben, sondern gegen die Ideen der Neuzeit bzw. waren sie eine Reaktion auf die Verunsicherung der alten christlichen Welt durch diese neuen Zeiten und den damit verbundenen gesellschaftlichen Umwälzungen

  2. Natürlich ist Fischer klarer Sieger, wie ja auch nicht anders zu erwarten war, aber ich finde 16 Prozent für eine Ultra-Rechte und 5 Prozent für einen religiösen Fanatiker immer noch erschreckend viel – und eine Wahlbeteiligung um die 50 Prozent ist jämmerlich.

  3. Es ergeben sich nun herrliche Gemeindestatistiken.
    Zum Beispiel:
    Stell dir vor du bist einer der 15,5% Nazis wohnhaft in Judendorf-Straßengel in der Steiermark. Was machst du dann mit deiner Ortstafel?
    Oder die Gemeinde Sonntag in Vorarlberg mit 40,5% Stimmenanteil für Rudolf Gehring. Nächstes Ziel für eine Regenbogenparade.
    Und wieso haben in Sankt Georgen am Fillmannsbach nahe Braunau 43,9% die Rosenkranz gewählt? Sollte die Nähe zum Geburtsort des Führers nicht abschreckend sein?
    Fragen über Fragen…

  4. Schöne Story, Danke dafür! Aber „Gehrer“ stand nicht zur Wahl, die geniesst ihre wohlverdinte Frühpension… das war „Gehring“- ist aber vollkommen egal, so schnell wie der Name aufgetaucht ist verschwindet er auch wieder. Kärnten macht mir einerseits Sorgen mit dem Wahlergebnis, andererseits gibts hier eine sehr starke Gegenbewegung zu blau/orange/braun.
    Nachsatz:Heute morgen lachte zum tausendstenmal der Dörfler aus der Kronenzeitung, (die nun endgültig den blau-orangen zu gehören scheint) bei der Stimmabgabe in Himmelberg wo die Rosenkranz glaube ich 33 %gemacht hat…. REIHER

  5. bei uns in der gegend lag fischer teils sogar bei über 80%. wobei FPÖ-plakate deutlich überwogen (kurioserweise häufig strache statt rosenkranz zu sehen…)

  6. Rosenkranz?
    Perchau am Sattel: 40,78%
    Kulm am Zibitz: 31,58%

    Jetzt weiß ich, wo Pinkelpausen im Bezirk Mu(h)rau am besten hinpassen.

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