Einfach bescheuert, einfach grün

Die österreichischen Grünen haben sich eine Deluxe-Schnapsidee einfallen lassen: Sie möchten gerne auf jeden Internetanschluss eine Zusatzgebühr von zehn Euro draufpacken, die sie dann der armen Contentindustrie schenken wollen. Wer denkt sich sowas aus? Der interne grüne Arbeitskreis „Wir wollen niemals an die Macht“?

Advertisements

8 Gedanken zu “Einfach bescheuert, einfach grün

  1. Die Idee der „Kulturflatrate“ ist weder neu (sie wurde in Europa das erste Mal 2004 in einem breiteren Umfeld diskutiert und die zu dem Thema richtungsweisende „Berliner Declaration“ veröffentlicht), noch ist sie eine „Schnapsidee“. Einer der Effekte wäre etwa das Schaffen von besserer Rechtssicherheit im Bereich URV/“Privatkopie“ bei gleichzeitiger finanzieller Kompensation der Rechteinhaber ohne die Notwendigkeit, für ehrliche Endkunden lästige bzw. hinderliche, aber für professionelle „Raubkopierer“ praktische irrelevante „Digital Rights Management“-Systeme umzusetzen.

    Um die Relevanz des Ganzen mal auf dich umzulegen: du konsumierst ja, wie man deinem Blog entnehmen kann, häufiger Musik, u.a. auf Youtube. Ein großer Teil der Musik dort wird von der Musikindustrie nur geduldet, immer wieder werden Musikvideos mit dem Hinweis „removed due to copyright claims by “ entfernt. Mit der Kulturflatrate würden die Rechteinhaber Kompensation erhalten, hätten damit keinen Grund mehr, die Videos von Youtube entfernen zu lassen, und auch für den, der das hochgeladen hat, wäre Rechtssicherheit geschaffen. Analog gilt das auch für sämtliche andere „Raubkopierer“ (was für ein Unwort).

    Ich finde es auf jeden Fall mutig, dass die Grünen sinnvolle, wenn auch nicht unbedingt populäre („zawos brauch ma des?“, „Schnapsidee“) Ideen für relativ neue Herangehensweisen an noch ungelöste Spannungsfelder in der digitalen Welt präsentieren und diskutieren.

  2. @foo: Das muss sich die Content-Industrie mit Youtube ausmachen.

    Wie ich im Kommentarbereich bei zurpolitik.com ausgerechnet habe, sollen hier wahnwitzige 336 Millionen Euro eingehoben werden, die nach “gerechten” Kriterien vergeben werden sollen.

    Hier profitiert lediglich die Minderheit von „Raubkopierern“, falls diese Rechtssicherheit dadurch überhaupt gewährleistet wäre und jene politisch motivierten Musikkommissare, die für die Verteilung der Gelder zuständig wären.

    Wir zahlen bereits solche Abgaben auf DVDs, Druckerpatronen, Festplatten?, Kopiergeräte? usw., ohne, dass dadurch ein rechtlicher Freibrief für Raubkopierer erwirkt worden wäre.

  3. In der Theorie klingt die Idee einer ‚Kultur-Faltrate‘ ja gar nicht schlecht, allerdings frage ich mich, wie man sie praktisch umsetzen möchte. Mal davon abgesehen, daß eine Sondergebühr für die Internetnutzung sicher nicht gerade Wählerstimmen generiert frage ich mich, nach welchem Schlüssel man das anfallende Geld eigentlich verteilen möchte und an wen? Wenn ich mir auf Youtube massig Lieder von Ludwig Hirsch anhöre (was ich zur Zeit mache), wie wird gesichert, daß Hirsch dann auch meinen Obulus bekommt und nicht vielleicht die Plattenfirma von Madonna, von der ich mir a) nichts im Internet anhöre und der ich b) auch gar kein Geld geben möchte, denn die ist reich genug (die Plattenfirma Madonnas sowie Madonna). Der bürokratische Aufwand würde doch eine vertretbare Summe, die ärmere menschen nicht vom Internet ausschließt bereits auffressen, von den Datenschutzproblemen ganz zu schweigen.
    Hat Hirsch nicht mehr davon, wenn auf Youtube für die Qualität seiner Werke geworben wird und ich mir demnächst mal die CDs zulegen werde? Ich denke, wer qualität abliefert, wird auch zukünftig um seine Einnahmen nicht fürchten müssen. (An dieser Stelle ein Danke an den lindwurm, der mich als Bundesdeutscher auf den hier kaum bekannten Ösi Hirsch überhaupt erst aufmerksam machte)

  4. Man könnte die Telekom auch zwingen die 10€ selbst zur Verfügung zu stellen.

  5. na ja – der Gummistiefelsepperl ist gerade dabei, jedem Österreicher eine Zusatzgebühr von ein paar tausend Euro zugunsten von Onkel Konrad und Co. drauf zu packen. So gesehen, stören mich die 10 € nicht wirklich.

  6. Hm, 10 Euro für jeden, egal ob er saugt oder nicht ?
    Ich zahl doch nicht für euren p0rn !

    Ausserdem:
    Wer 10 Euro pro Monat für Downloads ausgeben will, kann dies schon heute machen, ganz ohne Kultur-Flatrate. Entsprechende Webshops gibt’s ja schon.

    Und wenn ich daran denke, das Bürokraten das Geld der Flatrate verteilen sollen weis ich nicht ob ich lachen oder kotzen soll.
    Ziemlich schnell werden da Verteilungskämpfe ausbrechen, die vermutlich über eine Schmutz- und Schundkampange geführt würden.
    Ein Großteil des Downloads würde dann vermutlich zu Schund erklärt werden ( porn, amerikanische Serien, Killerspiele ) damit das Geld an echte „Künstler“ weitergereicht werden kann.
    Siehe die Forderung nach Deutschquoten im Radio, welche auch damit begründet wurde dem amerikanischen Schund und Schmutz zu bekämpfen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s