Scheiß Vuvuzela, Teil 4

die Website http://www.laut.de beweist, dass sie weder von Musik, noch von Fußball Ahnung hat und vergleicht die Vuvuzelas mit Punkrock. Natürlich vergisst der Autor oder die Autorin nicht auf die im Bobo- und Möchtegernautonomenmilieu vorgeschriebenen Pflichtfloskeln wie „Kulturchauvinismus“, „kulturbeflissene Bildungsbürger“, „Spießbürger“ usw., um die Kritiker des Vuzuela-Getöses allesamt als engstirnige Fortschrittsfeinde und postkoloniale Gartenzwergherrenmenschen darzustellen, die mit „fremden Kulturen“ nix anfangen könnten. Garniert wird das aufgesetzte Rebellengehabe mit den Dämlichkeiten, die für die dummlinke Szene typisch sind. Kostprobe:  Viel lieber sähe (bzw. hörte) manch kulturbeflissener Bildungsbürger sein Hippie-Klischee vom trommelnden Afrikaner bestätigt. Aber die Vuvuzela ist nicht Hippie sondern Punkrock. Das demokratische, weil spotbillige Plastikinstrument erfordert keine Virtuosität, keine Musikschule. Selbst Berufstrompeter vermögen ihm kaum mehr als zwei Tonlagen zu entlocken. Nur: wer sich auf den WM-Tribünen umsieht, wird erkennen, dass man auch zu repetitivem Tröööt und Möööp tadellos tanzen kann. Wenn man tanzen kann. Hauptsache tanzen, tanzen ist ganz wichtig für Leute, die noch den derbsten Schwachsinn mit tapsigem Gehopse begrüßen, solange er nur irgendwie hübsch exotisch ist und/oder die bösen spießigen Eltern nervt. Das ist genau die unkritisch-begeisterte Schwärmerei  der Hippies, die zu kritisieren der laut.de-Text vorgibt. Da ist wohl jemand in den 70er Jahren stehengeblieben, als man den Strand unter dem Straßenpflaster vermutete und Punkrock für eine Sekunde lang musikalischer Ausdruck der Rebellion war. Kurz: Bei laut.de ist man zu blöd um zu realisieren, dass kritikloser Exotismus objektiv genauso bescheuert ist wie europäisches Überlegenheitsgehabe und bornierte Fortschrittsfeindlichkeit.

Advertisements

5 Gedanken zu “Scheiß Vuvuzela, Teil 4

  1. Als „Linker“ -auch mit ein wenig 70er Feeling- muss ich beim Lesen schon die Augen etwas zukneifen, aber die Zustimmung überwiegt

    Die Tröten sind einfach Mist und beweisen, dass viele Menschen zu viel Unsinn fähig sind

  2. Höhö… zuerst ich so: Och menno, er kann doch wohl nicht ein Jugendmagazin ernst nehmen.

    Und dann musste ich plötzlich ziemlich laut(.de 🙂 lachen. So ein billiger Mist in dem Artikel – „Hauptsache es geht jemandem auf die Nerven“ kommt da bei mir an. Insofern hat das sogar eine innere Logik: Spießig ist jemand, der Dinge genießen will. Und nihilistisches Kaputtmachen ist voll Punk. Hauptsache dagegen, Hauptsache Anti. Und wenn alle anderen auch Anti sind, dann sind wir anti-Anti.

    PS: Das wird dir gefallen: http://www.surfpoeten.de/tube/vuvuzela_filter

  3. Liest sich ja lieb, dieser Text auf laut.de.
    Wollen wir mal was von der Seite des Vuvuzela-Orchesters zitieren?
    „Watching on TV all you can hear is just noise so most people see the vuvuzela as a noise-maker rather than a musical instrument,…“
    http://www.vuvuzelaorchestra.co.za/?page_id=2

    Probehören?
    [audio src="http://www.vuvuzelaorchestra.co.za/wp-content/uploads/2009/11/abafana-30-2.mp3" /]

    Schöne Grüße aus „Athen“ an alle lärmenden „Spartaner“ 😉

  4. Hahaha, das „Musikinstrument“, dem „selbst Berufstrompeter nur 2 Tonlagen entlocken können“. Einfach peinlich.

    Und ein Plastiktrichter der in touristischen Ballungsräumen für 10-15€ verkauft wird als „demokratisch weil spottbillig“ zu bezeichnen ist eigentlich nur mehr zum schreien komisch.

    Apropos, wussten Sie dass man zu rythmischem Schreien tadellos tanzen kann?…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s