Zum Tod von Hans Dichand

Hans Dichand, Herausgeber von Österreichs auflagenstärkster Tageszeitung „Krone“ , ist heute im 90.Lebensjahr verstorben. Er war, nimmt man die Verbreitung der „Krone“ in Relation zur Einwohnerzahl Österreichs, einer der erfolgreichsten Zeitungsmacher der Welt, prägte über Jahrzehnte die Medienlandschaft des Landes und versuchte immer wieder auch, den reichweitenbedingeten Einfluss seines Blatts für direkte politische Interventionen zu nutzen, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Die Macht der „Krone“ und damit jene von Dichand war nämlich vor allem deswegen eine, weil viele Politiker sie für real hielten und sich daher bemühten, dem Mann, der sich selbst „im Vorhof der Macht“ verortete, zu gefallen. Es gelang Dichand beispielsweise, durch eine reichlich aggressive Kampagne den ehemaligen SPÖ-Innenminister Caspar Einem aus dem Amt zu schießen. Gegen den SPÖ-Kulturminister Rudolf Scholten hetzte die Krone ebenfalls und schreckte dabei selbst vor antisemitischer Stimmungsmache nicht zurück. Und als der ÖVP-Politiker Wolfgang Schüssel gegen den Willen Dichands eine Koalitionsregierung mit der FPÖ bildete, eröffnete die „Krone“ ein mediales Sperrfeuer dagegen, was Schüssel aber nicht daran hinderte, zwei Legislaturperioden lang zu regieren. Mit der Macht der „Krone“ verhielt es sich also wie mit des Kaisers Neuen Kleidern – sie existierte nur, wenn man fest daran glaubte. Dichand war sehr launisch bei der Vergabe seiner Gunst und er entzog so manchen politischen Schützlingen seines Blattes die Liebe schneller, als es diesen recht sein konnte. Das jüngste und letzte Beispiel dafür war wohl die FPÖ-Kandidatin für das Amt der Bundespräsidentin, Barbara Rosenkranz, welche Dichand eine Zeit lang von seinen Redakteuren in den Himmel schreiben ließ, bloß um sie dann zutiefst zu demütigen, indem er sie zu einer eidesstattlichen Distanzierung vom NS-Gedankengut zwang. Das Beispiel zeigt wie kaum ein anderes die ganze Ambivalenz der Dichand´schen Persönlichkeit. Einerseits fuhr er mit seiner Zeitung eine konsequent xenophobe, teilweise auch antisemitische Linie und ließ es zu, dass manche seiner Kolumnisten und vor allem der berüchtigte Reimeschmied Wolf Martin immer wieder knapp am Verbotsgesetz entlangschrammten, andererseits waren ihm eindeutige Nazitöne und offener Rechtsextremismus zuwider. Wie Dichand nun persönlich wirklich politisch tickte, kann man nicht mit letztgültiger Sicherheit sagen. Er hatte sicherlich eine verdächtig große Toleranz für weit rechts stehende Positionen und ließ in seiner Zeitung immer wieder sehr rechte Stimmen zu Wort kommen, weit mehr und öfter, als es für den Erfolg der „Krone“ als populistisches Boulevardblatt nötig und nützlich gewesen wäre. Er war aber daneben auch, zumindest privat, ein Philantrop und stets auf der Suche nach Anerkennung seitens der demokratischen, kulturellen und wirtschaftlichen Eliten und versuchte überdies, ein gutes Verhältnis zur jüdischen Community und zum Staat Israel aufzubauen, was aber wegen der Blattlinie, die er zu verantworten hatte, auf wenig Gegenliebe stieß. Was den Mann aber vor allem anderen umtrieb, war sein extrem ausgeprägter Zug zum persönlichen ökonomischen Erfolg,  so dass er letztlich stets die Verkaufszahlen und das Inseratenaufkommen in der „Krone“ vor alle anderen Dinge stellte. Kurz: Hans Dichand war eine bedeutende Persönlichkeit der österreichischen Nachkriegsgeschichte, ein extrem erfolgreicher Vollblutmedienmacher, ein geschickter Geschäftsmann und eine vielfach schillernde Figur. Sein Tod macht Österreich um eine große, nicht unbedingt immer positive zu sehende Persönlichkeit ärmer. Das muss man zugeben, auch wenn man den Mann und seine Zeitung nicht gemocht haben sollten.

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3 Gedanken zu “Zum Tod von Hans Dichand

  1. gut geschrieben. mit der freude über den tod eines menschen -zb im lachsrosa blatt- macht man sich unmöglich.
    eines, das mir an der krone (nicht mehr lange) gefällt: sie gehört nicht zum rai-ka-moloch

  2. Dafür ist sie ein eigener Moloch 😉 Die größten Zeitungen und Magazine hängen in diesem Land ja alle zusammen.

  3. R.I.P.! Bin gespannt wie´s jetzt weitergeht-Wolf Martin fristlos entlassen? Wie heisst der andere rechte Nebochant, der täglich seine „Briefe“ an irgendjemand schreibt…auch gefeuert? 🙂 Laut Mittagsmagazin in Ö1 vom 18. Juni wäre es jedenfalls möglich dass die „Krone“ in Zukunft eine liberale Tageszeitung werden könnte. Es wäre aber auch möglich dass ich einen Lotto Sechser tippe, so gesehen….

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