Viva Espana!

Mich persönlich freut es, dass Deutschland heute von Spanien aus der WM geschossen wurde. Obwohl ich ganz offen zugebe, dass die deutsche Elf in den meisten Spielen wirklich guten Fußball gespielt hat – schnell, originell, diszipliniert, hübsch anzusehen. Aber beim Gedanken an die blöden „Schland, Schland“-Chöre und die Autokorsi und Zehntausende in die Nationalfarben gehüllte, von Alkohol und Chauvinismus besoffene Fans bin ich sehr froh, dass aus dem Titel nichts geworden ist. Außerdem kann sich die deutsche Politik jetzt nicht mit der Leistung der Nationalelf schmücken und ihre erbärmliche Performance durch vorgetäuschten Sportenthusiasmus aufhübschen. Viva Espana!

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15 Gedanken zu “Viva Espana!

  1. Du sagst es!
    Gestern in einer Bibliothek hatten alle Mitarbeiter Deutschlandtrikots an, Deutschlandfahnen auf den Wangen und T-Shirts, auf denen stand, „Um 20:30 schicken wir Spanien nach Hause“ (warum nicht: „Um 20:30 ziehen wir ins Finale ein“?)

  2. Komisch, die Spanier fahren wahrscheinlich mit Kutschen davor gespannten Stieren, Rosenkranz betend, Orangensaft schlürfend …

    Sicher aber nicht mit Autos, und O-Gott-bewahre, deutschen Flaggen!
    Das machen nur die Nazi-Deutschen!

    Das mit der Politik, da gebe ich dir recht – das ewige Getöns um die Multikulti-Truppe um Özil, Caucau, Klose etc. nervt echt …

  3. Hauptsache, die Spanier hauen nun die Holländer weg. Ansonsten ertrage ich das nicht… 😀

  4. Aus der WM geschossen – das stimmt ja so nicht ganz. Immerhin winkt noch das Spiel um den 3. Platz. Freilich ist dieses kleine Finale weniger als ein Trostpreis, aber doch noch mal eine Gelegenheit, schönen Fußball zu zeigen.
    Mich als ehemaligen (im DFB organisierten) Jugendkicker freut der deutsche Misserfolg nicht. Trotzdem muss ich natürlich anerkennen, dass das spanische Team absolut verdient gewonnen hat.
    Im Übrigen kann ich nicht nachvollziehen, was an spanischen oder holländischen Fans, die sich in Party-Patriotismus ergehen, besser oder schlechter sein soll als an deutschen Autocorsisti, die spätestens zwei Tage nach dem (kontrafaktisch unterstellten) WM-Titel gleichwohl statt „Schland“ wieder „Drecksland“ gerufen hätten. Vielleicht müsste ich mich noch ein bisschen mehr in die antideutsche Dogmatik eindenken, um diesem (meines Erachtens hanebüchenen) Raisonnement folgen zu können.
    Nach deren Triumph gegen Brasilien stand die holländische Mannschaft für mich als Ersatzfavorit fest. Dabei bleibt’s.

  5. Der Lindwurm hat doch Recht. Diese nationale, deutschtümelnde Hystherie, die hier ausgebrochen ist war einfach nur noch zum kotzen. Da entblöden sich Eltern tatsächlich, ihren Babies die Nationalfarben ins Gesicht zu malen und irgendwelche Trottel ziehen „Deutschland! Deutschland!“ rufend durch die Straßen und blockieren den Verkehr. Wenn man sich nicht über den Sieg seiner Mannschaft freuen kann ohne dabei jedwede zivilisatorische Errungenschaft abzulegen, dann hat man den Sieg auch nicht verdient.

  6. Und ich dachte ernsthaft, dass „Schland“ seinen Ursprung darin hatte, dass man übereifrigen Patriotismus karikieren wollte.

    Damals habe ich auch hin und wieder „Schland“ gerufen.

    Und weil ich meinen Senf dazugeben muss:

    Ulf: Was ist so schlimm daran, seine Manschaft anzufeuern?

    Dass es a) die Mannschaft nicht im Geringsten bemerkt, sondern b) unbeteiligte Dritte, die lieber in Ruhe gelassen worden wären. Es ist mehr eine Frage des „wie“ anstatt des „ob“.

    Ralph: „… ohne dabei jedwede zivilisatorische Errungenschaft abzulegen …“

    So habe ich früher auch oft gedacht. Das basiert aber auf falschen Annahmen.

  7. Kann es sein, daß die deutschen Fans sich die Feiergebaren von Italienern, Spaniern, Brasilianern und anderen südlichen Fußballnationen abgeschaut haben? Vor Jahren war es der sauertöpfige, schwer zu begeisternde, ewig meckernde Deutsche, der Euch aufgeregt hat, jetzt ist es der, dank multi-kulti lernfähiger gewordene, begeisterungsfähige, der Euch abstößt.

    Wenn man ein Haar in der Suppe sucht, wird man auch eins finden.

    Seid doch froh, daß ein Thema gefunden wurde, sich trotz aller Mängel u. Unzulänglichkeiten, trotz des immer härter werdenden Alltags mit seinem Land zu identifizieren und sich zu freuen.

    Weder Holländer, noch Spanier, Franzosen oder Italiener benehmen sich in ihrer Heimat anders, wenn die „Helden des Fußballs“ Erfolge feiern. Nur, da störts keinen. Nur, wenn der deutsche Fan ausgelassen wird, dann hat das natürlich Kloaken-Niveau und ist rechtsradikal zu hinterfragen.

    Daß es überwiegend friedlich abgegangen ist, kann man aus allen TV-Reportagen erkennen.

    Laßt sie friedlich feiern! Das ist etwas, das ihr hier in Österreich nicht könnt! Ihr habt die EM vor 2 Jahren schon der Gastronomie kaputtgeredet mit der Panikmache über die Legionen der Hooligans, die angeblich über Österreich herfallen werden.

    Wenn ich im Rundfunk höre, Public-Viewing sei gaaanz gefährlich, nur Taschendiebe u. Schläger unterwegs, kann mir nur der Hut hochgehen.

  8. Kann es sein, daß die deutschen Fans sich das von Italiener, Spaniern, Brasilianern und anderen südlich-temperamentvollen Fußballnationen abgeschaut haben?

    Vor Jahren war es der sauertöpfige, ewig meckernde deutsche Fan, der euch aufgestoßen ist, nun ist es der, dank mulit-kulti, lern- u. begeisterungsfähige.
    Wenn man ein Haar in der Suppe sucht, wird man eins finden.

    Holländer, Spanier, Italiener etc. feiern nicht anders, wenn die nationalen „Helden des Balles“ Erfolge feiern. Nur, da stört es keinen. Nur wenn der deutsche Fan sich begeistert, dann hat das natürlich Kloaken-Niveau und ist rechtradikal zu hinterfragen.

    Brot und Spiele! Das hat immer noch Gültigkeit. Die Menschen haben ein Ventil gefunden, sich trotz den schwerer werdenden Lebensbedingungen noch mit ihrem Land zu identifizieren. Und daran ist nichts schlechtes.

    Allen Reportagen war zu entnehmen, daß es überwiegend friedlich abgegangen ist, also laßt sie friedlich feiern! Das könnt ihr hier in Österreich nämlich nicht. Schon vor 2 Jahren wurde die EM der Gastronomie kaputtgeredet mit der Panikmache über die Legionen der Hooligans, die über Österreich herfallen werden.
    Wenn ich im Radio höre, daß Public-Viewing ach soo gefährlich ist, nur Taschendiebe u. Schläger unterwegs seien, da geht mir der Hut hoch.

  9. Warum dürfen deutsche Fans sich nicht genauso mit den Nationalfarben schmücken und den Sieg ihrer Mannschaft feiern wie ihre Kollegen aus anderen Ländern? Weil ihre Grosseltern Nazis waren?

  10. Ich muss auch sagen, dass ich von diesem Text sehr enttäuscht war – erst recht, da ich in diesem Blog immer mit viel Gewinn und Freude lese. Aber diese pauschale Vorurteilsverhaftung in deutsch=chauvinistisch-besoffen-rechtsradikal stößt übel auf. So wie das Boulevardpresse-Vokabular in der Sun: deutsch=panzer und blitzkrieg. Wobei man da nach dem Spiel gegen England einen Schwenk erkennen konnte in Richtung Realität, denn wenn jemals irgendeine Nationalmannschaft nichts mit panzer-blitzkrieg zu tun hatte in ihrer Art, dann die jetzige. Außerdem hatten die natürlich genug mit ihrer eigenen zu tun.
    In Deutschland jedenfalls gibt es eher eine „normale“ Entwicklung in Richtung einer nationalen Identität, wenn die Kids sich schwarz-rot-goldene Tattoos auf die Wangen kleben und Party feiern, mit dumpfer Deutschtümelei hat das rein gar nichts zu tun. Und „Schland“ hat tatsächlich eher einen ironisierenden Hintergrund, da man sich in diesem Land ja nie mehr getraut hatte, Deutschland geradeaus auszusprechen. Und Autokorso, mein Gott. Nicht dass ich dem viel abgewinnen könnte, aber der Autokorso der Spanier am Mittwoch oder der der Italiener bei der letzten WM in meiner Heimatstadt war mindestens genauso nationalfarbig und laut. Na und. Du hättest mal die Türken sehen sollen, und zwar nach jedem gewonnenen Spiel in der letzten EM.

    Es ist dir natürlich unbenommen, die Deutschen nicht zu mögen, aber ich hätte mir eine differenziertere Wahrnehmung gewünscht – wo hast du die zehntausenden besoffenen Fans denn eigentlich gesehen?

    Ich bin im übrigen auch der Meinung, dass Deutschland aufgrund seiner Historie eine besondere Verpflichtung hat, dem Rassismus und Rechtsradikalismus entgegen zu treten. Ich glaube auch nicht, dass diese Verpflichtung immer erfüllt wird. Aber als Grundhypothese davon auszugehen, dass die deutsche Mentalität = rechtsradikal ist, sorry, das ist so nicht akzeptabel und beleidigend.

    Recht geben muss ich dir allerdings mit deiner Einschätzung der deutschen Politik, die sich nur zu gerne mit einem nationalen Erfolg aus der eigenen Krise manövriert hätte, aber das ist ja erst mal eine andere Geschichte.

  11. Ach Leute! Wo habe ich im obigen Artikel geschrieben, dass alle Deutschen eine rechtsradikale Mentalität hätten? Wo habe ich jemandem „verboten“, sich der Fußballbegeisterung hinzugeben? Wo habe ich gesagt, dass ich Deutsche nicht mag? Richtig: Nirgends.

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