Reinrassige siegeswillige kameradschaftliche Kärntner Fußballer

Da schlägt der Lindwurm heute nichts Böses ahnend den Sportteil der KTZ („Neue Kärntner Tageszeitung“) auf und was muss er lesen? Einen Kommentar von Walter Grill, in dem dieser den Geist der Sportberichterstattung der Nazizeit channelt. Nach einem eher wirren, mäßig originellen und nicht gerade themenbezogenen Ausflug in die Welt der alten Römer bejubelt Grill den Fußballverein eines oberkärntner Dorfs wie folgt: Einzigartig ist ebenso der SV Oberwinkler Lendorf, ein Fußballklub der Kärntner Liga, der Maßstäbe setzt: Trainer Alois Morgenstern bietet in der Meisterschaft im Gegensatz zu allen anderen Vereinen keinen einzigen Ausländer auf! Die Truppe von Obmann Peter Hofer zeichnet sich durch unbändigen Kampfgeist und Siegeswillen aus, ihre Erfolge sind ein Produkt der Kameradschaft.

So weit, so Stürmer-Stil. Doch mit dem Lobgesang auf unbändig siegeswillig kameradschaftlich reinrassige Fußballer ist Grill noch nicht am Ende seines Versuchs, Haltung und Sprache der NS-Zeit möglichst orginalgetreu in die Jetztzeit zu teleportieren. Ohne, dass dies etwas mit Fußball zu tun hätte, muss er noch Folgendes schreiben: In Lendorf gibt´s auch eine Ärztin, Dr. Sabine Bachner. Auf ihrer Homepage ist zu lesen: „Ein gesunder Geist führt zwangsläufig zu einem gesunden Körper, sie müssen beide nur die Chance dazu bekommen“.

Abgesehen davon, dass ich meinen an körperlichen Behinderungen oder an schweren physischen Krankheiten leidenden Leserinnen und Lesern hiermit rate, die Kontaktseite dieser Ärztin aufzusuchen um ihr die Chance zu geben zu erläutern, warum sie Kranken pauschal einen ungesunden Geist unterstellt, hätte ich da ein paar Fragen an Herrn Grill: Waren sie ein bisserl illuminiert beim Verfassen dieses Quarks, der den Bogen von den alten Römern über Ausländerfeindlichkeit hin zur hunderttausendsten absichtlichen Falschinterpretation von Juvenals „mens sana in corpore sano“, das die Nazis einst als Motto für ihre Wehrtüchtigkeitserziehung missbrauchten, spannt? Vielleicht vorm Schreiben einen Abstecher zum „Pumpe“ gemacht? Oder steckt sie einfach in ihnen drinnen, diese bräunliche Begeisterung für ausländerfreie Sportvereine, „Kameradschaft“, „unbändigen Siegeswillen“ und „gesunden Geistern in gesunden Körpern“?

Fragen wird man ja wohl noch dürfen…

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Ein Gedanke zu “Reinrassige siegeswillige kameradschaftliche Kärntner Fußballer

  1. So ist die KTZ halt. Die finden sowas voll ok und 1ich unterstell’ mal, daß auch der Angriff auch jeden Kranken genau so gemeint ist.

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