Mosab Hassan Yousef, der Störfaktor

Ein Interview mit Mosab Hassan Yousef, der als Sohn eines Hamas-Mitbegründers für Israel spionierte, dadurch etliche Terroranschläge vereitelte, dann emigrierte und zum Christentum konvertierte, erregt die Leserschaft des „Standard“ – und entblößt gnadenlos deren beschränktes Welt- und Menschenbild. Immer wieder wird unterstellt, der Mann sei von den Israelis (oder wahlweise den Amerikanern) einer „Gehirnwäsche“ unterzogen worden, denn dass ein Mensch, ein arabischer Mensch gar, selbständig denken kann und zu anderen Schlussfolgerungen gelangt als die Islamisten und ihre westlichen Fans, passt so gar nicht zum Rassismus und Kulturrelativismus der immer dümmer werdenden Linken und der immer schon dumm gewesenen Rechtsextremen.

Für den gemeinen westlichen Wohlstandslinken ist Mosab Hassan Yousef ein gehirngewaschener Verräter, denn wessen Verstand lange genug durch den Konsum einseitiger Lektüre von Lenin bis Chomsky weichgekocht wurde, der kann kritisches Denken und aus Kritik resultierende geistige und analytische Weiterentwicklung nicht anders begreifen als das Resultat finsterer Vorgänge. Wer nicht kritisch denken kann, der bemerkt natürlich seinen eigenen Rassismus nicht, der sich im konkreten Fall darin äußert, einem palästinensischen Araber, der seinem Volk etwas Besseres wünscht als ewigen Krieg im Namen Allahs und die Knechtung durch Klerikalfaschisten und korrupte Banden, zu unterstellen, dass dies niemals seine eigenen Gedanken sein könnten. Ein arabischer Palästinenser, noch dazu der Sohn eines hochrangigen Hamas-Funktionärs, der sich radikal dem Konformitätsdruck seiner Erziehung und Lebensumgebung entzieht, ist natürlich auch eine Kränkung für die authoritären Charaktere jener schon lange nicht mehr emanzipatorischen Linken, deren Sympathien stets bei den Tyrannen und bei totalitären Ideologien lagen und immer noch liegen und für die auch islamistische Bewegungen in ihrer kompromisslosen Ablehnung des individuellen Strebens nach Glück eine ideale Projektionsfläche für ihre eigene Sehnsucht nach Zucht und Ordnung sind.

Natürlich kann man das nicht pauschal allen Menschen, die sich selbst als „links“ definieren, unterstellen, doch die wirklichen Linken, denen es um die Befreiung des Indiviuums geht, die Glück und Lebensfreude im Hier und Jetzt und nicht in einer utopischen Zukunft oder gar im Jenseits als Menschenrecht betrachten, waren und sind eine Minderheit, die ab der Oktoberrevolution in Russland und seither in jedem linkstotalitärem Staat vom pseudolinken autoritären Establishment verleumdet und verfolgt und oft genug auch ermordet wurde. Heute, da es nur mehr sehr wenige linke Diktaturen gibt, suchen sich dieselben Leute, die vor kurzem noch jedem rot lackierten Menschenschinder die Stange hielten, neue Gruppierungen und Staaten, die für sie stellvertretend kompromisslos brutal und herrisch sein dürfen und also das ausleben, was der kritikunfähige westliche Linke nur als psychisches Problem hat, und da bieten sich islamistische Diktaturen und Organisationen geradezu an. Ein Mosab Hassan Yousef ist hier, genau wie viele  progressive Intellektuelle aus dem arabischen bzw. islamischen Kulturkreis, nichts anderes als eine ärgerliche Irritation, welche am einzementierten, ultrakonservativen Weltbild der vorgeblich Fortschrittlichen kratzt.

ps: Dass Nazis eine ganz ähnliche Begeisterung für geistesverwandte Gewaltsysteme hegen wie es Teile der Linken tun, ist logisch, wenn auch nicht ganz so ärgerlich, denn Nazis behaupten von sich immerhin nicht, für Ideale wie Frieden, Freiheit und Emanzipation einzutreten….

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8 Gedanken zu “Mosab Hassan Yousef, der Störfaktor

  1. Wer nicht kritisch denken kann, der bemerkt natürlich seinen eigenen Rassismus nicht, der sich im konkreten Fall darin äußert, einem palästinensischen Araber, der seinem Volk etwas Besseres wünscht als ewigen Krieg im Namen Allahs und die Knechtung durch Klerikalfschisten und korrupte Banden, zu unterstellen, dass dies niemals seine eigenen Gedanken sein könnten.

    Da hat der „edle Wilde“ einmal aufgemuckt, den so oft angemahnten Einsatz seines Verstandes deutlich unter Beweis gestellt, und schon ist es den Linksaußen auch wieder nicht recht. Und als Ersatz für das Lumpenproletariat, die ehemalige Laufkundschaft, taugt er schon garnicht.

    Ich frage mich, welche Klientel die Linke für sich erkiesen wird, wenn ihr die politisch motivierten Muslime Adieu sagen. Aber jetzt fantasiere ich schon….

  2. wieder einmal „auf den Punkt“ , Lindwurm..

    ich frag mich auch seit Langem was in den Köpfen von diesen Leuten vorgeht..

    Ich würde es vielleicht als intellektuelle Wohlstandsverwahrlosung bezeichnen..

    UND, last but not least, haben diese Menschen, die da in den „Standardforen“ ihrer Dummheit und Borniertheit freien Lauf lassen, ganz offenbar keine Herzensbildung..

    Wo ich mir nach wie vor nicht sicher bin, sind das nur radikale „fringes“ unserer Gesellschaft da im „Der Standard“ oder lässt das Rückschlüsse auf die allgemeine geistige Befindlichkeit des Landes zu..???

  3. (Wieder einmal) ein sehr treffender Kommentar!
    Allerdings finde ich, wäre es – nach all den Scheußlichkeiten von links – an der Zeit, sich von der Vorstellung zu verabschieden, dass die Koketterie mit Kulturalismus und repressiven Regimen nicht „wirklich links“ wäre. Die Sympathien mit Hamas, Hisbollah, Ahmadinejad, Chavez u. ä. sind die logische Konsequenz linken Denkens – das immer schon für Vereinzelung, Loslösung von „naturwüchsigen“ Gemeinschaften und die Suche nach (individuellem) Glück nur Verachtung übrig hatte – und der Konsequenz aus radikal libertärer Sicht kann nur sein, mit dem, was links ist, kategorisch zu brechen und es rückhaltlos zu kritisieren.

    @Viper: Sofern einem Glück und Luxus für alle ein Anliegen ist, sollte man, denke ich, Vokabel wie „Wohlstandsverwahrlosung“ meiden – denn das Übel liegt ja offenbar gerade darin, dass glücklicherweise im Wohlstand aufgewachsene und in diesem lebende Personen nicht die Reife bzw. Vernunft aufbringen können, dieses Privileg auch jedem – also auch aus traditionell muslimisch geprägten Regionen stammenden Personen – zuzugestehen.

  4. Ich erinnere mich noch daran, wie sich deutsche Journalisten fragten, was um Gottes Willen Israel denn mit Hassan Yousef angestellt habe, um ihn von der Hamas zu lösen. Allein der Gedanke, ein Mensch könnte sich aus freien Stücken und von der Vernunft geleitet von einer mörderischen und antisemitischen Ideologie abwenden, ist diesen Journalisten offenbar so fremd, dass sie ihn nicht einmal zu denken in der Lage sind. Oder ihr Hass auf Israel ist so groß, dass sie selbst in solchen Fällen dunkle jüdische Einflüsse vermuten – was freilich auf das Gleiche hinausliefe.

  5. … oder man möchte sich überlegen, wie der Sinneswandel zustandekam, um ihn tausendfach zu reproduzieren.

  6. Nicht der linke Mainstream hat sein Gesicht verändert, sondern die intelligenteren (nunmehr Ex-)Sympathisanten dieser Szene haben dieses unmenschliche Antlitz endlich als abscheuliche Fratze erkannt.

    Der linke Mainstream war schon immer antiindividualistisch, freiheitsfeindlich und dem Totalitarismus zugeneigt. Der Anti-Antisemitismus der Linken war lediglich ein pflichtschuldiger Bestandteil des Antifaschismus. Jetzt, da Juden es wagen, nicht dem manichäisch undifferenzierten Opferbild der bornierten Welterklärer zu entsprechen, sondern sich erdreisten, ihr Recht auf Selbstverteidigung erfolgreich wahrzunehmen, fliegt das löchrige Feigenblatt des Philosemitismus im lauen Windhauch davon – und endlich können Linke in der unseligen Tradition der Stalin- und Mao-Verehrung deren geistigen Söhnen (Achmadinedschad und Gang) ein Brandopfer darbringen und ihren Judenhass wieder völlig ungehemmt ausleben.

    Obwohl ich in bestimmten Zusammenhängen klar etatistische Positionen vertrete, eine solidarische Gesellschaft befürworte und gesellschaftspolitisch progressiv denke (z.B. in Bezug auf die Homo-Ehe), würde ich mich nie als links bezeichnen, weil ich nicht mit Tyrannen-Apologeten, Menschenrechtsverächtern und unflexiblen Dogmen-Anhängern gleichgesetzt werden möchte. Wer Freiheit, Demokratie und Grundrechte ehrt und schätzt, ist nicht links oder rechts, sondern jemand, der aus der Weltgeschichte gelernt hat.

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