Kärnten: Antisemitische Werbung

Kärnten im Jahr 2010. Die Friesacher Burghofspiele werben mit Plakaten für ihre Aufführung der Komödie „Skup, der Geizige von Ragusa“ von Marin Držić. Der titelgebende Geizhals wird in einer Karikatur mit einer riesigen Hakennase, großen Ohren und einer gebückten Haltung dargestellt, als hätte der Zeichner ein paar alte Ausgaben des „Stürmer“ zur Inspiration benutzt. Nun ist das Theaterstück des kroatischen Renaissance-Schriftstellers meines Wissens nach nicht antisemitisch. Umso bemerkenswerter, dass die Verantwortlichen der Friesacher Burghofspiele den geizigen Skup auf den Plakaten als stereotypen Juden im Nazi-Propagandastil zeigen.

Foto © Bernhard Torsch

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12 Gedanken zu “Kärnten: Antisemitische Werbung

  1. Ich habe ebenfalls eine Hakennase, trage noch dazu einen Vollbart. Bin ich jetzt ebenfalls die Abbildung eines antisemitischen Stereotyps?

  2. Ist mir auch schon aufgefallen, ein seltsames, unangenehme Assoziationen weckendes Plakatmotiv.

  3. @hans: ja, ad-hominem-Angriffe sind immer die beste und intellektuell hochwertigste Antwort auf provokante und innere Widersprüche aufzeigende Fragen.

  4. Ach, ja „der Jude“ wurde von antisemitischer Propaganda ähnlich dargestellt. Aber nicht jede Hakennase ist jüdisch, und auch Juden können geizig sein 😉
    Wie soll der Geizhals auf dem Plakat denn aussehen? Darf er schwarz sein? Darf er dick sein? Darf er einen Bart tragen? Einen Schnauzbart?

    Ich würd’ sagen, wenn im Spiel, und in der Inszenierung kein Antisemitismus gefunden wird, und wenn womöglich der Schauspieler so Ähnlich wie der Alte auf dem Plakat aussieht, sollte man dem Bild keine zu große Bedeutung geben…

  5. ich finde einige der kommentare hier sehr bedenklich. natuerlich weckt dieses bild stuermer-assoziationen bzw. antisemitische stereotype. und nein, foo, das problem ist nicht dein vollbart. das problem ist, dass zumindest der gestalter des plakats der friesacher burghofspiele einen titel wie „skup, der geizige von ragusa“ offenbar nicht hoeren konnte, ohne an juden zu denken (genauer, an das antisemitische stereotyp eines juden). das problem ist, dass niemand bei den friesacher burghofspielen das seltsam fand, sondern dass stattdessen so ein plakat tatsaechlich in druck ging. und das problem ist, dass nun jeder und jede, die das plakat mit dem titel „skup, der geizige von ragusa“ sehen, damit einen (antisemitisch – stereotypen) juden assoziieren werden.
    so ein plakat waere natuerlich ueberall eine schande.
    in oesterreich, mit der oesterreichischen geschichte – die miteinschliesst, dass mit hilfe von oesterreichern hunderttausende juedische mitbuerger enteignet, vertrieben oder ERMORDET wurden – und zwar auf der basis von stereotypen wie dem das wir hier sehen – hier in oesterreich ist das besonders schlimm. und dass sich jemand wie foo entbloedet, hier solche kommentare abzugeben, zeigt von (bitte auswaehlen): a) herzlosigkeit b) dummheit c) antisemitismus.

  6. Ich habe mich ziemlich erschrocken als ich dieses Plakat am Straßenrand sah. Der Geizige wird in der Weise dargestellt, wie die antisemitische Propagande den Typ des geizigen Juden dargestellt hat. Das ist keine Interpretation, das ist ein Typenbild, das gottseidank heute weniger geläufig ist, aber es ist nach wie vor ein Typenbild, das man so nicht plakatieren sollte, noch dazu bei einer Kulturveranstaltung.

  7. Der hat blaue Augen. Ich sehe das Stereotyp vom geizigen Schotten vollauf bestätigt. Außerdem habe ich Angst, die Kinder könnten denken, dass der Weihnachtsmann geizig wäre, wegen dem weißen Vollbart.

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