Israel – der Feind im Inneren

Der Lindwurm will eigentlich nicht zu jenen besserwisserischen Pseudofreunden Israels gehören, die dem Staat aus sicherer Entfernung gut gemeinte Ratschläge geben, die doch meist nichts anderes als bestenfalls die Naivität der Beratenden widerspiegeln, oft genug aber auch in verkapptem Antisemitismus wurzeln. Doch schweigen werde ich auch nicht, wenn ich der Meinung bin, dass in dem Land, dessen Überleben und Wohlergehen mir sehr am Herzen liegen, die Dinge sich fundamental falsch entwicklen. Würde mich heute jemand fragen, was denn die größte Bedrohung für Israel ist, kämen mir viele Antworten in den Sinn, aber die vielleicht neben einem nuklear bewaffneten Iran fundamentalste Gefahr für die Zukunft des Judenstaates lauert im Inneren. Es ist der Verfall der politischen Kultur, das Umsichgreifen der Irrationalität in der politischen Klasse, bedingt durch den selbst verschuldeten Abstieg der israelischen Linken zu einem rat- und mutlosen Haufen und den gleichzeitigen Aufstieg einer neuen Rechten, die das Land zusehends isoliert und in ihrer arroganten Selbstüberschätzung nicht realisiert, wie gefährlich diese Entwicklung ist. Diese Rechte, von der ich spreche, ist eine üble Mischung aus russischstämmigen Polterern, oft genug deutschen und amerikanischen Konvertiten und religiösen Eiferern, die die zionistischen Ideale verraten und die Wurzeln, aus denen Israel seine Stärke bezogen hat, systematisch ausreißen. Diese Wurzeln waren der zionistische Idealismus, der, und das machte ihn so erfolgreich, immer auch  pragmatisch war, der Kibbuz, in dem die Lebenswichtigkeit der Solidarität praktisch erlernt und erlebt wurde, und Politikerpersönlichkeiten mit Weitsicht und rationalem strategischem Denken, die genau wussten, wann Stärke gezeigt werden musste und wie man diese effektiv zeigte, ohne aber jemals das Ziel aufzugeben, eines Tages einen sicheren Frieden für Israel und seine Nachbarn erreichen zu können. Diese Politikerpersönlichkeiten entstammten fast immer der Arbeiterpartei. Seit einigen Jahren aber, und daran hat die Linke natürlich eine Mitschuld, driftet Israel stetig nach rechts, mit teils verheerenden Konsequenzen. Und mit „rechts“ meine ich nicht Leute wie Ariel Sharon, der vielleicht der letzte Staatschef mit Weitblick war, sondern dessen unbegabte Nachfolger wie Olmert und Netanyahu und, schlimmer noch, deren extremistische Steigbügelhalter. Das sind Leute, die taktisch und strategisch ebenso unfähig  wie sie menschlich und politisch auf Dauer untragbar sind. Man sehe sich nur die Waffengänge im Libanon 2006 und die Operation „Gegossenes Blei“ in Gaza an! Zwei Kriege, die überstürzt geführt wurden, offenbar ohne ein ausreichendes strategisches Konzept, und die Israels Sicherheitslage nicht im Geringsten verbessert haben. Ich sage nicht, dass diese Kriege unnötig gewesen wären, ich sage, dass sie schlecht geführt wurden und den militärischen Feinden gezeigt haben, dass die derzeit in Jerusalem herrschende politische Clique das für Rechtspopulisten so typische Hauptmerkmal aufweiset: Eine große Klappe, aber nichts dahinter. Diesen Herrschaften ist nicht klar, dass man Kriege entweder vermeidet oder aber zuende führt. Dazwischen gibt es nichts. Das hat die klassische israelische Linke immer gewusst, weshalb die großen und nachhaltigen militärischen Erfolge ja auch unter Labour-Ministerpräsidenten errungen wurden. Diese klassische Israelische Linke war sich auch über eine Sache immer klar: Man muss stark sein, aber wenn der Tag zuende ist, wird man eine Friedenslösung mit den Nachbarn gefunden haben müssen, oder das zionistische Projekt wird scheitern. Leider ist der Plan der arabischen Hardliner aufgegangen, durch ständige Provokationen, durch Terror und widerwärtige PR-Kampagnen in der jüdischen israelischen Bevölkerung den Boden für den Siegeszug rechter Populisten und Demagogen zu bereiten, die erfolgreich darin waren, die verschlechterte Sicherheitslage als Resultat einer zu nachgiebigen Politik gegenüber den Arabern darzustellen. Man verstehe mich nicht falsch: Die Errichtung des Sicherheitszauns zB war durchaus notwendig, um das Leben israelischer Bürger zu schützen. Doch die immer kenntlicher werdenden Absichten der israelischen Rechten, den Konflikt letztlich mit Gewalt, Expansion und Vertreibung „lösen“ zu wollen, und die Doppelzüngigkeit, derer gerade wieder Netanyahu überführt wurde, lassen für die Region ebenso Schlimmes befürchten wie die Rüstungsaktivitäten von Syrien, Iran sowie verschiedener arabischer Terrororganisationen. Wer jetzt meint, es sei eine israelfeindliche Unterstellung, dass starke Kreise im Land eine, man muss es so nennen, faschistoide „Lösung“ anstreben, der hat in den vergangenen  Jahren nicht hingesehen, der hat das Erstarken des Rassismus in Israel nicht bemerkt (bemerken wollen), der hat die Versuche, arabische Politiker(innen) in der Knesset mit teils sogar physischer Gewalt von der Ausübung des parlamentarischen Rederechts abzuhalten nicht mitbekomnmen, der hat die stärker werdenden Tendenzen, unliebsamen Personengruppen die Staatsbürgerrechte zu entziehen, ignoriert. Fakt ist, dass es in Israel eine starke Strömung gibt, die bereits offen davon träumt, in naher Zukunft den ganzen Libanon zu okkupieren, Gaza wieder unter israelische Verwaltung zu stellen, das Westjordanland ins Staatsgebiet einzuverleiben und die Armee Damaskus einnehmen zu lassen. Das sind brandgefährliche Allmachtsfantasien, die, selbst wenn sie militärisch umsetzbar wären, Israel zu genau jener Art von Staat machen würden, als die es von seine Feinden verunglimpft wird.

Das musste ich mir mal von der Seele schreiben. Und das ändert nichts an meiner Solidarität mit Israel. Meine „Israelkritik“ ist nicht von der Sorte jener „guten Menschen“, die erst dann zufrieden sind, wenn sich der Staat der Juden seinen Feinden ergibt und die Waffen streckt. Ich bin für ein starkes, wehrhaftes, demokratisches, multikulturelles und jüdisch dominiertes Israel. Aber ich habe Zweifel, ob eine israelische Gesellschaft, die immer mehr in einen vom an sich begrüßenswerten Wirtschaftswunder weltanschaulich regressiv und „weich“ gewordenen hedonistischen Egoistenflügel einerseits und ein von irrational- chauvinistischen und national-religiösen Großmachtsträumen realitätsblindes rechtes Lager zerfällt, der Anforderung gewachsen bleibt, inmitten von Feinden eine westliche Demokratie und der sichere Hafen für Verfolgte bleiben zu können. Bislang waren die israelischen Selbstreinigungskräfte stark genug. Wir können nur hoffen, dass es diese Kräfte immer noch gibt.

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Veröffentlicht von

lindwurm

Der Lindwurm aus Klagenfurt

13 Gedanken zu „Israel – der Feind im Inneren“

  1. Hey Lindwurm,
    ich lese hier schon länger mit und möchte an dieser Stelle mal ein dickes Lob da lassen. So differenzierte Kommentare liest man wirklich viel zu selten (auch bei Israel-solidarischen Menschen). Ein Jammer, dass der Konflikt derart polarisiert und vernünftige Stimmen so schwer zu hören sind. Mach so weiter.
    solidarische Grüße.

  2. Ich muss offen gestehen, dass Du meiner Ansicht nach gefährlich nahe dran bist, Israel „aus sicherer Entfernung gut gemeinte Ratschläge geben, die doch meist nichts anderes als bestenfalls die Naivität der Beratenden widerspiegeln“. Ich gehe sogar noch weiter und behaupte, dass Du das zumindest ahnst, denn sonst hättest Du Deinen Text kaum mit einer Rechtfertigung begonnen. Einige der von Dir angesprochenen Punkte mögen nicht gänzlich unbegründet sein, aber in vielen Fällen argumentierst Du nicht überzeugend.

    Beispiel 1: Deine Kritik am Gazakrieg
    Der Krieg hat Israels Sicherheitslage sehr wohl verbessert – im Rahmen des Möglichen. Zudem würde ich die „strategischen Fehler“, die es gegeben haben mag, auch wenn Du nicht ausführst, was genau Du damit meinst, nicht allein den „Rechtspopulisten“ zuschreiben – denn Außenministerin war damals immerhin Tzipi Livni. Und wenn man schon mit „große Klappe, nichts dahinter“ argumentiert, sollte man zwei Dinge erwähnen: erstens, dass es niemals das erklärte Kriegsziel Israels war, die Hamas voll und ganz zu zerstören und zweitens, dass der internationale politische und mediale Druck auf Israel enorm war, den Krieg schnell wieder zu beenden.

    Beispiel 2: Deine Dämonisierung der israelischen Rechten
    Du schreibst:

    Man verstehe mich nicht falsch: Die Errichtung des Sicherheitszauns zB war durchaus notwendig, um das Leben israelischer Bürger zu schützen. Doch die immer kenntlicher werdenden Absichten der israelischen Rechten, den Konflikt letztlich mit Gewalt, Expansion und Vertreibung „lösen“ zu wollen, und die Doppelzüngigkeit, derer gerade wieder Netanjahu überführt wurde, lassen für die Region ebenso Schlimmes befürchten wie die Rüstungsaktivitäten von Syrien, Iran sowie verschiedener arabischer Terrororganisationen.

    Hier wirst Du gewiss nicht falsch verstanden werden, denn hier gibt es nichts falsch zu verstehen: Du schreibst explizit und unmissverständlich, dass die Handlungen der israelischen Rechten zu „ebenso“ Schlimmen wie diejenigen von Leuten wie Assad oder Ahmadinedschad und Khameini sowie Terrororganisationen wie der Hamas oder der Hisbollah führen. Das ist nichts anderes als wahlweise eine mit der Realität in keinerlei Bezug stehende Dämonisierung der israelischen Rechten oder eine Verharmlosung der Islamfaschisten und ihrer Motive. Dies erstaunt mich insofern, als dass Du in vielen, vielen Texten auf diesem Blog eine andere Position vertreten hast.

    Beispiel 3: Faschismus in Israel
    Du schreibst weiter:

    Wer jetzt meint, es sei eine israelfeindliche Unterstellung, dass starke Kreise im Land eine, man muss es so nennen, faschistoide „Lösung“ anstreben, der hat in den vergangenen  Jahren nicht hingesehen, der hat das Erstarken des Rassismus in Israel nicht bemerkt (bemerken wollen), der hat die Versuche, arabische Politiker(innen) in der Knesset mit teils sogar physischer Gewalt von der Ausübung des parlamentarischen Rederechts abzuhalten nicht mitbekomnmen, der hat die stärker werdenden Tendenzen, unliebsamen Personengruppen die Staatsbürgerrechte zu entziehen, ignoriert.

    Auch wenn es manche dieser Tendenzen geben mag: der Verweis darauf, dass eine „faschistoide Lösung“ in Israel von „starken Kreisen im Land“ angestrebt werde, ist ebenso falsch wie moralisch fragwürdig. Welche Parteien sind noch mal in der Regierungskoalition? Mit Verlaub: diese Leute als „Faschisten“ zu bezeichnen, ist schlichtweg Unsinn. Diese „Faschisten“ wollen Gaza übrigens auch ganz abgeben und nicht, wie von Dir behauptet, wieder „unter israelische Verwaltung stellen“.

  3. @ Mr. Moe: Ich halte zB Lieberman nicht für einen Faschisten, ja nicht mal für einen „Ultrarechten“, als der er in den europäischen Medien so gerne tituliert wird. Der Mann ist mir sogar recht sympathisch, da er der verlogenen „Weltgemeinschaft“ gewitzt den Spiegel vorhält und recht interessante Visionen entwickelt. Es gibt aber sehr wohl starke Kräfte in der israelischen Gesellschaft, die einen extremen Rechtsdrall entwickelt haben und immer offener rassistisch und/oder klerikalfaschistoid auftreten. Es bringt nichts, das einfach auszublenden.

    Mir ist es halt zB aufgefallen, wie sehr sich die Diskussionskultur in Israel und auch in proisraelischen Kreisen außerhalb Israels in den vergangenen Monaten verschlechtert hat und dass irrationale, hysterische, antiintellektuelle und hetzerische Stimmen ein immer größeres Gewicht bekommen. Immer öfter und immer schneller werden kritische Stimmen sehr aggressiv als „antiisraelisch“ abgekanzelt. Wie ich ja erwähnt habe, ist daran die „Linke“ weitestgehend mit schuld, weshalb ich ja auch von der „klassischen israelischen Linken“ schrieb, die dem Land derzeit so sehr fehle. Damit sind nicht irgendwelche (post)kommunistischen Irrlichter gemeint, deren Vorstellungen von der Zukunft Israels ebenso realitätsfremd und gefährlich sind wie die der extremen Rechten, sondern die großen Persönlichkeiten, die Israel maßgeblich aufgebaut und militärisch wie auch ethisch stark gemacht haben. Ich möchte das auch auf Politiker der „Rechten“ ausdehnen, unter denen es früher ja auch genügend Persönlichkeiten von Weltformat gab, denen es sehr bewusst war, dass Krieg kein Mittel zur innenpolitischen Profilierung ist, sondern der Sicherheit Israels zu dienen hat. Und ich bleibe dabei: Weder Libanon 2006, noch Cast Lead haben die Sicherheitlage Israels nachhaltig verbessert. Wankelmütige, populistische Politiker haben in diesen Fällen israelische Soldaten in überhasteten, schlecht vorbereiteten Waffengängen verheizt. Sie haben das Kunststück vollbracht, das militärische Drohpotenzial Israels zu beschädigen. Es ist doch kein Zufall, dass seit diesen Pseudokriegen die Großmäuligkeit und Frechheit der Feinde stark zugenommen hat. Der jüngste Dominostein in dieser Entwicklung war das geheimdiestliche Versagen beim Umgang mit der Terroristenflotille…

    btw, ich habe nicht geschrieben, dass die REGIERUNG Gaza wieder besetzen möchte. Es gibt aber reale Strömungen vor allem in weit rechts stehenden Kreisen, die unrealistische Fantasien in diese Richtung haben, was ich für gefährlich halte.

  4. Bernhard Schalom,

    wenn man in einem Artikel beschreibt, auf welche komplizierten Szenarien man sich in Israel – angesichts einer neuen Aggression der islamistischen Feinde Israels – einstellt, hat das noch lange nichts damit zu tun, dass man von Besatzung „traeumt“.
    Ich weiss, dass Israelhasser sich diese boesen Ausmalungen gerne wuenschen, sie werden dadurch aber nicht wahrer.
    Glaub mir, wir Israelis wuerden vieles Tun, um nicht wieder arabische Territorien besetzen zu muessen und die Verurteilungen der Welt und die Leichen unserer Soldaten dafuer zu bekommen, und die Israelis die davon traeumen kannst du mir ja bei Gelegenheit mal vorstellen, aber in manchen Situationen kann man halt nichts anderes machen.
    Wenn du Vorschlaege hast, wie man einen Landstrich, aus dem man auf dich und deine Zivilbevoelkerung Raketen hageln laesst, stoppen kann, sag bitte bescheid, wir sind ganz Ohr.
    Oder meintest du mit deinem Kommentar, dass du es vorziehen wuerdest, dass Israel diese Landstriche Flaechenbombadieren sollte, anstatt sie verlustreich und chirurgisch zu erobern? Waere das besser, weil dann muss man nicht einnehmen, einfach nur bis zur Verwuestung beschiessen? War es das was du vorschlaegst?

  5. Die aktuelle Regierung hat sich mehrmals zur Zweistaatenlösung bekannt (Lieberman bereits in seiner Antrittsrede), massiv Sicherheitssperren im Westjordanland abgebaut, arbeitet eng in wirtschaftlichen Fragen mit der PA zusammen, ist zu direkten Gesprächen bereit und bekräftigt diese Bereitschaft mit einem zehnmonatigen Siedlungsbaustopp.

    „Fakt ist, dass es in Israel eine starke Strömung gibt, die bereits offen davon träumt, in naher Zukunft den ganzen Libanon zu okkupieren, Gaza wieder unter israelische Verwaltung zu stellen, das Westjordanland ins Staatsgebiet einzuverleiben und die Armee Damaskus einnehmen zu lassen.“

    Das sind Planungen gegen eine reale Bedrohung sowie Veröffentlichung dieser Pläne zum Zwecke einer möglichen Abschreckung, daraus den Willen für Okkupation und Anektion zu lesen, empfinde ich schon fast als bösartig.

    Der Vorschlag Liebermans zu Gaza ist eigentlich eine klasse Vorlage zur Selbstreflektion der UNO, Europäer usw., aber nein, lieber dreschen alle auf den „rassistischen Rechtsradikalen“ ein.
    http://beer7.wordpress.com/2009/05/12/avigdor-lieberman-rassist/

  6. @Lindwurm:

    Ich halte zB Lieberman nicht für einen Faschisten, ja nicht mal für einen „Ultrarechten“, als der er in den europäischen Medien so gerne tituliert wird. Der Mann ist mir sogar recht sympathisch, da er der verlogenen „Weltgemeinschaft“ gewitzt den Spiegel vorhält und recht interessante Visionen entwickelt.

    Ich muss zugeben, dass ich davon ausgegangen bin, dass Du Lieberman für einen Faschisten hälst – eben weil das ja gebetsmühlenartig in den europäischen Medien so verbreitet wird. In diesem Sinne: mein Fehler!

    Es gibt aber sehr wohl starke Kräfte in der israelischen Gesellschaft, die einen extremen Rechtsdrall entwickelt haben und immer offener rassistisch und/oder klerikalfaschistoid auftreten. Es bringt nichts, das einfach auszublenden.

    Ausblenden sollte man das gewiss nicht, aber eben auch nicht dramatisieren. Ein wenig frage ich mich auch, wen Du da konkret meinst, da Du immer nur von „Kräften“ und „Kreisen“ schreibst. Soweit ich weiß sind entsprechende Parteien jedenfalls weder in der Regierung, noch haben sie realistische Chancen, dort zu landen, geschweige denn dort ihre Ansichten durchzusetzen.

    Mir ist es halt zB aufgefallen, wie sehr sich die Diskussionskultur in Israel und auch in proisraelischen Kreisen außerhalb Israels in den vergangenen Monaten verschlechtert hat und dass irrationale, hysterische, antiintellektuelle und hetzerische Stimmen ein immer größeres Gewicht bekommen. Immer öfter und immer schneller werden kritische Stimmen sehr aggressiv als „antiisraelisch“ abgekanzelt.

    Das scheint sich mir in der Tat eher auf die „proisraelischen Kreise außerhalb Israels“ zu beziehen – um die es im obigen Beitrag aber gar nicht geht. Aus Israel vernehme ich eher zu selten Stimmen, die offenkundig antiisraelische Stimmen als ebensolche bezeichnen.

    Wie ich ja erwähnt habe, ist daran die „Linke“ weitestgehend mit schuld, weshalb ich ja auch von der „klassischen israelischen Linken“ schrieb, die dem Land derzeit so sehr fehle. Damit sind nicht irgendwelche (post)kommunistischen Irrlichter gemeint, deren Vorstellungen von der Zukunft Israels ebenso realitätsfremd und gefährlich sind wie die der extremen Rechten, sondern die großen Persönlichkeiten, die Israel maßgeblich aufgebaut und militärisch wie auch ethisch stark gemacht haben. Ich möchte das auch auf Politiker der „Rechten“ ausdehnen, unter denen es früher ja auch genügend Persönlichkeiten von Weltformat gab, denen es sehr bewusst war, dass Krieg kein Mittel zur innenpolitischen Profilierung ist, sondern der Sicherheit Israels zu dienen hat.

    Auch das hört sich für mich anders an als das, was Du oben geschrieben hast. Für mich hört sich das eher nach der – überaus berechtigten – Forderung nach besseren und klügeren führenden Politikern an. Die gibt es, wie Du ja schreibst, weder auf Seiten der Linken, noch der Rechten.

    Und ich bleibe dabei: Weder Libanon 2006, noch Cast Lead haben die Sicherheitlage Israels nachhaltig verbessert.

    Seien wir ehrlich: Israels Sicherheitslage lässt sich nicht durch ein oder zwei kleine Kriege „nachhaltig“ verbessern. Dazu müssten schon Dinge passieren, die außerhalb der Macht Israels stehen – etwa ein Regime Change im Iran.

    Wankelmütige, populistische Politiker haben in diesen Fällen israelische Soldaten in überhasteten, schlecht vorbereiteten Waffengängen verheizt. Sie haben das Kunststück vollbracht, das militärische Drohpotenzial Israels zu beschädigen. Es ist doch kein Zufall, dass seit diesen Pseudokriegen die Großmäuligkeit und Frechheit der Feinde stark zugenommen hat. Der jüngste Dominostein in dieser Entwicklung war das geheimdiestliche Versagen beim Umgang mit der Terroristenflotille…

    Das sehe ich anders: in der Zeit nach dem Gazakrieg haben die Hamas und die Hisbollah erst einmal kleinere Brötchen gebacken – zumindest öffentlich. Dass das Drohpotenzial Israels abgenommen hat, ist richtig. Das liegt aber nicht an Israel, sondern daran, dass die Feinde Israels sich stets gewiss sein können, dass ihnen die ganze Welt zu Hilfe eilt, wenn Israel sich wehrt. Das gilt auch für die Terroristenflotille, die in der westlichen Öffentlichkeit im Übrigen immer noch als „Hilfe für Gaza“ tituliert wird. Natürlich hat Israel sich da nicht sonderlich geschickt verhalten – aber das Hautproblem ist doch eher, dass solche Angriffe auf Israel international nicht einfach nur ignoriert, sondern aktiv unterstützt werden.

    btw, ich habe nicht geschrieben, dass die REGIERUNG Gaza wieder besetzen möchte. Es gibt aber reale Strömungen vor allem in weit rechts stehenden Kreisen, die unrealistische Fantasien in diese Richtung haben, was ich für gefährlich halte.

    Noch mal: wie groß sind die Einflüsse solcher „Kreise“? Die überwiegende Mehrheit der Israelis würde doch lieber heute als morgen Frieden schließen – so denn ihre Sicherheit gewährleistet ist. Du hast oben außerdem unter anderem auch explizit Netanyahu als Gefahr für Israel erklärt. Auf diesen Kritikpunkt bist Du auch nicht eingegangen.

  7. hallo
    erstmal einige fragen an den verfasser
    was für millitärische erfahrung, ausbildung usw kannst du vorweisen?
    also olmert ist wirklich keine größe gewesen aber
    ist es nicht so das die stenografin irgendeines israelischen kabinetts mehr millitärische erfahrung vorweisen kann als du?
    (ganz ehrlich nicht als spott gemeint aber oft sizt da ne dame die man hier major nennen würde)
    die sogenante nahostpolitik des westens hat einfach versagt als man den slogan NO MILLITARY SOLUTION akzeptirte. man verlor damit einen faustpfand und jezt sehen die menschen in israel linkes dauerfeuer auf israel
    auf ihre heimat was erwartest du einen linksruck?
    das ist einfach schik juden als faschisten zu schimpfen früher sagte man auch gerne saujud
    heute sagt man ultrarechte israelis…… lass dich nicht in ne falle locken, wäre schad um den blog.
    machmal urlaub in israel da kannst du selber sehen wie rechts sie sind.
    ich schau mal wieder rein tschüss!

  8. „ist eine üble Mischung aus russischstämmigen Polterern, oft genug deutschen und amerikanischen Konvertiten“

    Mich würden mal Belege dazu interessieren.
    Woher haben Sie diese Einschätzung? Das klingt für mich als der Vorwurf, Konvertiten des Islams wären die schlimmsten Terroristen.
    (Konvertit ist nur solange jemand, bis er den Giur hinter sich gebracht hat, danach ist jeder Jude. Ein Unterschied wird und darf nicht gemacht werden)

  9. „Es ist der Verfall der politischen Kultur, das Umsichgreifen der Irrationalität in der politischen Klasse, bedingt durch den selbst verschuldeten Abstieg der israelischen Linken zu einem rat- und mutlosen Haufen und den gleichzeitigen Aufstieg einer neuen Rechten, die das Land zusehends isoliert und in ihrer arroganten Selbstüberschätzung nicht realisiert, wie gefährlich diese Entwicklung ist. “

    wo sehen sie ein verfall? die rechte von heute ist zu mehr zugestaendnissen bereit, als die linke von gestern. es gibt keine isolations israels, es gibt nur solche schlagzeilen. druck, kritik, antizionismus nichtverstehen GAB ES IMMER seit der entstehung des staates. schon ben gurion hat die amerikanische drohungen nicht in jerusalem zu bauen ignoriert. das gleiche gab es zu zeiten von eschkol und golda meir.

    „Das sind Leute, die taktisch und strategisch ebenso unfähig wie sie menschlich und politisch auf Dauer untragbar sind. Man sehe sich nur die Waffengänge im Libanon 2006 und die Operation „Gegossenes Blei“ in Gaza an! Zwei Kriege, die überstürzt geführt wurden, offenbar ohne ein ausreichendes strategisches Konzept, und die Israels Sicherheitslage nicht im Geringsten verbessert haben. “

    libanon ja, gaza war dagegen eine meisterleistung, die nach manchen meinungen nicht zu ende gefuehrt wurde. fakt ist, dass heute um gaza relativ ruhig ist. das gleiche geht auch hisbollah an.

    „Das hat die klassische israelische Linke immer gewusst, weshalb die großen und nachhaltigen militärischen Erfolge ja auch unter Labour-Ministerpräsidenten errungen wurden. “

    darueber laesst sich streiten. sieh jom kippur. und auch nach dem sechs tage krieg hat man sich falsch verhalten. und auch der rueckzug ohne verhandlungen aus libanon war wohl eine falsche entscheidung.

    ich muss ihnen leider unterstellen keine richtige sicht der lage in israel zu haben. wenn sie von rassismus und eroberungswuenschen irgendwelchen (nicht mal) minderheiten reden, so uebernehmen sie die rethorik der antisemiten in der welt.

    man merkt, dass sie israel nur aus der ferne kennen. oder besser gesagt aus europaeischen zeitungen oder hoechstens der haaretz.

    besonders als „freund israels“ sollte man verinnerlichen, dass der frieden nicht von israel abhaengt, sondern NUR von der bereitschaft der araber israel in der gegend zu akzeptieren.

    und da es diese bereischaft nicht gibt. (palaestinser wollen keine direktgespraeche – was fuer ein wunder) gibt es gruppen, die einen frieden ohne palaestinenser wollen, denn wie lange soll man auf die andere seite warten? dazu haben die religioesen angst (und das mit gutem grund), dass die linken bereit waeren tempelberg abzugeben und das waere tatsaechlich eine nationale katastrophe.

    und zum schluss ein zitat einer linken PM (golda meir): „es wird nur dann frieden geben, wenn araber ihre kinder mehr lieben, als sie uns hassen“.

  10. @ moderater terrorist: Das alles war in diesem Blog schon zu lesen, inklusive des Zitats von Golda Meir. Dieser Blog war und ist proisraelisch, und wird es auch bleiben, und ich kenne Israel besser, als sie zu wissen meinen. Ich nehme mir aber die Freiheit, auch Entwicklungen zu kritisieren, wie ich sie ganz subjektiv sehe. Ich erhebe keinen Anspruch auf Objektivität und den Alleinbeseitz der Wahrheit, und natürlich irre ich mich oft genug auch faktisch. Die Stammleserinnen und -leser des Lindwurm-Blogs wissen allerdings, woran sie sind und wie meine Einstellung zur Nahostpolitik und zu politischen Themen allgemein ist, und es gibt nichts, wofür ich mich entschuldigen müsste oder wollte. 😉

  11. „und immer offener rassistisch und/oder klerikalfaschistoid auftreten.“
    Nö, religiöser Faschismus nimmt normalerweise keine zionistischen Züge an.

  12. #Yael1
    vorallem wenn man überlegt das die meisten „gründerväter“ israels russischstämmige polterer waren. nu ja der lieberman muß erst seinen „leninorden“ auspacken bevor manche ihn ernst nehmen den ultrarechten KPDSUmitglid.
    was ist eigentlich ein ultrarechter? hitler soll ja ein rechter gewesen sein ergo ist ein ultrarechter schlimmer als hitler oder was? 😉

  13. Lindwurm,

    wenn man wenig Ahnung hat, sollte man sich etwas vorsichtiger verhalten.

    „Mir ist es halt zB aufgefallen, wie sehr sich die Diskussionskultur in Israel und auch in proisraelischen Kreisen außerhalb Israels in den vergangenen Monaten verschlechtert hat und dass irrationale, hysterische, antiintellektuelle und hetzerische Stimmen ein immer größeres Gewicht bekommen.“

    Seit wann sprichst und liest Du Hebraeisch? Das waere naemlich die Voraussetzung, um die israelische Diskussionskultur beurteilen zu koennen? Aus meiner Sicht kennst Du allenfalls proisraelische Kreise und projezierst eine voellig subjektive und selektive Wahrnehmung auf Israel.

    „Man sehe sich nur die Waffengänge im Libanon 2006 und die Operation „Gegossenes Blei“ in Gaza an! Zwei Kriege, die überstürzt geführt wurden, offenbar ohne ein ausreichendes strategisches Konzept, und die Israels Sicherheitslage nicht im Geringsten verbessert haben.“

    Ach nein? Die Anrainer des Gazastreifens und die Bevoelkerung von Nordisrael wuerden das ein bisschen anders beurteilen. Fuer uns macht es einen Unterschied, wie dicht die Raketen- und Moerserhaeufigkeit ist.

    Der Verteidigungsminister, der fuer den Gazakrieg verantwortlich zeichnete war Ehud Barak, Parteivorsitzender der Arbeitspartei. Da er gute Arbeit geleistet hat, war nicht nur ich froh, dass er das Amt auch unter Netanyahu innehat.

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