Moschee auf „Ground Zero“: Why not?

Seit Monaten wird in den USA und vor allem in New York teils sehr emotional darüber gestritten, ob es Muslimen erlaubt werden sollte, auf dem Gelände des Anschlags vom 11. September, „Ground Zero“ genannt, eine Moschee zu errichten. Nun hat sich US-Präsident Obama dazu zu Wort gemeldet„Muslime haben wie alle anderen Religionsgruppen auch in diesem Land dasselbe Recht, ihre Religion auszuüben. Das beinhaltet auch das Recht, auf Privatgrundstück einen Raum für den Gottesdienst und ein Gemeinschaftszentrum in Manhattan in Übereinstimmung mit den lokalen Gesetzen und Bestimmungen zu errichten.“

Recht hat er! Die Religionsfreiheit und das Recht auf Privatbesitz sind Eigenschaften einer modernen westlichen Demokratie, die sie von ihren Feinden unterscheidet. Würde man die Freiheit auf Religionsausübung einschränken, näherte man sich den Zuständen in größten Teilen der islamischen Welt an, wo der Bau von nicht-muslimischen Gebetshäusern untersagt ist, wo teilweise auf nicht-muslimische „Missionierung“ die Todesstrafe steht oder wo, wie zB in Afghanistan, Menschen einfach aus dem Grund ermordet werden, weil sie mit einer Bibel erwischt werden. Man darf zudem den US-amerikanischen Geheimdiensten und Strafverfolgungsbehörden mittlerweile zutrauen, dass sie islamistische Entwicklungen sehr genau beobachten und eventuelle Terrorzellen im eigenen Land gut im Griff haben. Und eine „Islamisierung“ der USA ist in etwa so wahrscheinlich wie der Übertritt des saudischen Königshauses zum Christentum. Islamkritik ist wichtig und richtig, doch blindwütige Emotionalisierung und das Verlagern der Diskussion auf die Ebene der Symbolik ist das Gegenteil von Kritik und nur der Ausdruck von Hass und Populismus. Wie ich hier schon mehrmals schrieb: Nicht die Moschee ist das Problem, sondern die Inhalte, die in ihr gepredigt werden.

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10 Gedanken zu “Moschee auf „Ground Zero“: Why not?

  1. Das sehe ich völlig anders: Ich halte den Bau einer Moschee (oder einer islamischen Einrichtung generell) an einem Ort, an dem islamische Terroristen einen Massenmord begangen haben, für skandalös und eine ungeheuerliche Verhöhnung der Opfer dieses Verbrechens bzw. ihrer Angehörigen. Selbstverständlich haben Muslime (wie auch Christen, Juden, etc.) das Recht auf freie Religionsausübung – dieses Recht wird ihnen gerade in den USA überhaupt nicht abgesprochen, aber wie um alles in der Welt kann man auf die geschmacklose Idee kommen, ein islamisches Zentrum AUSGERECHNET auf „Ground Zero“ zu errichten??? Was soll damit bezweckt werden? New York ist bekanntlich eine Großstadt – es gibt zahlreiche Plätze, an denen Muslime ohne Weiteres Moscheen bauen können und dürfen. Wie würde deine Reaktion im Falle eines japanischen Kulturzentrums auf Pearl Harbor ausfallen?

  2. Absolut zynisch und verantwortungslos. Eine Moschee grade dort ist eine Beleidigung der Opfer. Das Ding würde innerhalb des ersten Jahres brennen, das garantiere ich.

  3. Nein, gerade dort wäre eine Moschee ein sehr starkes, differenzierendes Signal, ein Zeichen dafür, dass Islam und islamistische Gewalt nicht gleichgesetzt werden.
    BTW: Wie schaut´s mit Zentren der anderen Buchreligionen in der näheren Umgebung aus?

  4. @ Euternektar: Weil Sie die erste Brandbombe werfen? Oder gehören Sie nur zu denen, die mit Wasser im Mund applaudieren? Aber Sie scheinen ja kein Problem mit Extremisten zu haben – solange es nur Ihre Extremisten sind, die den liberalen Rechtsstaat torpedieren.

    Zum Grundsätzlichen: Lindwurm hat völlig Recht – mit einer kleinen Einschränkung. Die Moschee soll nicht am Gelände von Ground Zero errichtet werden, sondern in der Nähe. Auf Ground Zero gibt es, soweit ich inforrmiert bin, eine Gedenkstätte.

    Fakt ist, dass die Behörden den Bau genehmigt haben. In den USA gilt wie bei uns der Grundsatz der Religionsfreiheit. Der Unterschied ist nur, dass sich die Behörden dort nicht von wahlkämpfenden Populisten wie Palin und Co. reinquatschen lassen.

    Dieses Prinzip der Rechtsstaatlichkeit ist im Übrigen nicht nur solch intellektuellen Polit-Flachwurzlern ein Dorn im Auge, sondern auch der AlQuaida (und ihren Helfern). Wenn sie mit ihrem Terror erreichen, das freiheitliche Grundrechte zurückgefahren werden, dann haben sie erreicht, was sie wollten.

  5. Ich denke, dass die mehrheitlich protestantischen Amerikaner da einen anderen Zugang haben, als die katholischen Österreicher. Wir sind gewohnt, den Katholizismus als allumfassende, zentralistisch und hierarchisch durchstrukturierte Religion zu sehen und zumindest auf dem Papier stehen alle hinter dem Papst. Daher gehen wir fälschlicherweise davon aus, in anderen Religionen wäre es genauso. Aber der Islam ist weder zentralistisch noch hierarchisch durchstrukturiert und der sagen wir mal baptistische New Yorker weiß, dass sein marokkanischer Nachbar sich mit den Taliban genauso wenig identifiziert wie er selbst mit den Amish people. Und mal zur Klarstellung: die Moschee soll nicht AUF dem Ground Zero sein sondern in der Nähe (siehe http://tinyurl.com/wtcny ).

  6. #ap bist du Moslem oder warum nennst du den glauben meiner Vorvorderen „Buchreligion“ ?
    Zum Thema differenzieren sage ich ja differenzieren ist gut nur, der Ground Zero ist auch ein Friedhof
    auf dem die Überreste der Opfer liegen die im Namen des Islam ERMORDET worden sind. Kennst du den weg die Hinterbliebenen eines Ermordeten zu Erniedrigen? Verhöhne und Beschmutze das Andenken eines Opfers und du hast es geschafft.
    Steht in Deutschland unter Strafe. Was soll ein Angehöriger Fühlen wenn er an der MOSCHE vorbeikommt und weiß das dort im Koran steht
    das Juden und Christen Affen und Schweine
    sind….. es ist eine Provokation und manche
    Kirche in den USA Kündigt Koranverbrennungen am 11.9 an. Auch gibt es jetzt überall Proteste wenn in den USA eine Mosche gebaut werden soll.
    Übrigens hat neben an eine Schinken und Speck
    Fabrik angekündigt eine Schweinefleisch verarbeitungs Zentrum zu eröffnen…
    Die AMIS lassen sich nicht gerne auf der Nase herumtanzen, so was gibt Blutvergießen ….
    Differenziren kann man wenn eine Bedeutende Gruppe der Moslems sich gegen den Djihadismuß
    wenden anstelle bei geglückten Anschlägen Freudenpartys zu schmeißen.

  7. Man darf zudem den US-amerikanischen Geheimdiensten und Strafverfolgungsbehörden mittlerweile zutrauen, dass sie islamistische Entwicklungen sehr genau beobachten und eventuelle Terrorzellen im eigenen Land gut im Griff haben. Und eine „Islamisierung“ der USA ist in etwa so wahrscheinlich wie der Übertritt des saudischen Königshauses zum Christentum.

    Ein erstaunliches Urteil angesichts der Tatsache, dass der amtierende US-Präsident sich weigert, selbst in den eindeutigsten Fällen den Islamismus, ja nicht einmal den „Islam“, sondern den „Islamismus“!, als ursächliche Ideologie für Terroranschläge zu benennnen. Der selbe Präsident hat übrigens auch – entgegen jeglicher historischer Evidenz – die islamischen Wurzeln und Einflüsse der Vereinigten Staaten betont.

    Ganz koscher scheint die Moschee im Übrigen auch nicht zu sein. Doch selbst wenn sie es wäre: wie glaubhaft ist das Argument, dass die Moschee dem interreligiösen Dialog dienen soll, wenn zwei Drittel der Amerikaner sie an diesem (!) Ort nicht haben möchten?
    Kein Mensch will den Bau von Moscheen in den USA verbieten und in diesem Punkt geht der obige Text am Kern des Problems vorbei: es gibt keine rechtlichen, wohl aber moralische Gründe, die Moschee nicht am Ground Zero zu errichten.

  8. @ Mike T.:
    Nein, ich lebe frei von Religion, aufgewachsen in einem tief katholischen Graben, fasziniert vom „Volk des Buches“, neugierig auf die Kultur der Moslems, obwohl Letzteres gerade von Islamisten zerstört wird, usw., aber wenn ich so etwas wie Ideale habe, dann heißen die Säkularisierung, Aufklärung, Fortschritt.

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