Milchpackerln der Apokalypse

Es ist soweit: Das Abendland geht unter. Warum? weil die Niederösterreichische Molkerei (NÖM) es gewagt hat, Milchpackerl, die in türkischen Geschäften verkauft werden, zweisprachig zu bedrucken. Auf Deutsch und – oh Schreck – Türkisch! „Nationalpatrioten“ rotieren vor Wut, auf Facebook ruft der mittelprächtig alphabetisierte Pöbel zum NÖM-Boykott auf und es ist nur eine Frage von Stunden, bis auch „Politically Incompetent Incorrect“ auf den Zug aufspringt und gegen die „Türken-Tüten“ als Symbol der Islamisierung wettert. Es ist ja auch wirklich skandalös, wie hinterhältig die Feinde des Teutschtums vorgehen. Stellen sie sich vor, liebe Leser, gerade komme ich aus einer Filiale der Supermarktkette Interspar zurück, und was habe ich dort gesehen? Milchpackungen, auf denen groß „Latte“ stand! Mitten in Kärnten! Wir werden also nicht nur über den Umweg von Kuheuterprodukten islamisiert, sondern auch italienisiert. Gewissenlose Molkereikonzerne opfern unsere schöne teutsche Kultur dem schnöden Gewinnstreben, der brutalen Effizienz der Mehrsprachigkeit, ja sogar dem Irrsinn der Kundenorientierung! Es darf doch nicht wahr sein, dass diese Volksverräter einfach Produkte herstellen, nach denen eine Nachfrage besteht! Das ist ja wohl der größte Skandal seit die Firma Manner Kunden im arabischen Raum mit Halal-Schnitten beliefert anstatt, wie es sich gehört, auf dieses Geschäft zu verzichten oder den „Musels“* eine Kuh für ein Kamel vorzumachen…

Ernsthaft: Ich bin durchaus der Meinung, dass Zuwanderer Deutsch lernen sollten. Das ist im Interesse aller. Und ich finde, dass es Sanktionen geben sollte, wenn ein türkischer oder arabischer Pascha seiner Frau und/oder seinen Kindern das Erlernen der Sprache der neuen Heimat verbietet. Es gibt neben der Welt des Wünschens aber noch die Realität, und in der leben tausende Zuwanderer aus der Türkei, die nur sehr mangelhaft bis gar nicht Deutsch sprechen und die daher ein Produkt, dass zweisprachig beschriftet ist, wohl eher kaufen als eines, über dessen Inhalt sie nur Mutmaßungen anstellen können. Sogar Türken, die Deutsch perfekt beherrschen, könnten sich von einer Milchtüte, auf der auch „Süt“ steht, stärker angesprochen fühlen als von einsprachigen Konkurrenzprodukten. Das ist die Wirklichkeit der Marktwirtschaft und der multikulturellen Gesellschaft, und daran werden sich auch gewisse Einheitsbreinostalgiker gewöhnen müssen.

Wer die zweisprachig beschrifteten Milchpackerln von NÖM ablehnt ist in meinen Augen genauso realitätsblind und ewiggestrig wie die Feinde zweisprachiger Ortstafeln in Kärnten.  Wem an der Integration von Zuwanderern gelegen ist, der sollte vielmehr Figuren wie den Präsidenten der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, Anas Schakfeh, hinterfragen. Der möchte ja in jeder österreichischen Landeshauptstadt dringend Moscheen mit Minaretten errichtet sehen, als ginge es darum, ein Territorium zu markieren (und dem Schakfeh geht es wohl auch genau darum). Seine Aussage aber, wonach verpflichtende Deutschkenntnisse vor einer Zuwanderung nach Österreich nicht realistisch seien, kann man nicht ohne weiteres als Blödsinn abtun. Deutschkenntnisse sollten in der Tat Pflicht sein, aber es ist doch herzlich egal, ob jemand in Ankara oder in Wien Deutsch büffelt, nes pas?

*Jargon der PI-Leserschaft

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4 Gedanken zu “Milchpackerln der Apokalypse

  1. Das unterscheidet dich wohltuend von gewissen deiner verlinkten Blogs und Pages. Bei aller Israelverteidigung noch eine gewisse kritische Gesamthaltung zum Rest der Welt 🙂

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