Zu Sarrazin und seinen Fans: „Rassismus bleibt Rassismus“

Dass im Falle Thilo Sarrazin glücklicherweise doch nicht alle ihren kritischen Verstand verloren haben, wie es ein Blick in die (rechts)liberale Blogosphäre ebenso vermuten ließe wie einer in die Leserbriefspalten der wichtigsten Zeitungen, hat Alan Posener schon im Vorjahr in diesem Vidcast bewiesen. Sein kurzer und richtiger Befund: „Rassismus bleibt Rassismus“, und Sarrazin, „dieser Rassist“, agitiere gegen Türken und Araber ganz ähnlich wie es die Antisemiten des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts gegen Juden taten. Und hier haut Posener Sarrazin dessen „Thesen“ dermaßen prägnant um die Herrenreiterohren, dass man sich fragt, weshalb sich immer noch Thilo-Apologeten in der deutschen Intellektuellenklasse finden lassen (Posener: „Das ist sowas von widerlich, und dass das verteigt wird, ist noch widerlicher“).

Ebenfalls in der „Welt“ attestiert Matthias Kamann nach Lektüre des Sarrazin-Buches „Deutschland schafft sich ab“, dass das „einzig Originelle, die einzige Eigenleistung“ des Bundesbankers die „unhaltbare Provokation“ sei, während er sich den sonstigen Inhalt seines Machwerks von längst bekannten, manchmal unstrittigen, oft aber längst widerlegten Vordenkern zusammengeklaubt habe. Auch die Unwissenschaftlichkeit von Sarrazins Ausfällen deckt Kamann auf. Ich zitiere: (…) Dies lässt ihn nicht nur fürchten, dass Deutschland in hundert Jahren mehrheitlich muslimisch wird, sondern auch, dass es dümmer wird. Denn in der Unterschicht sei man nun einmal weniger gebildet, damit werde auch die Intelligenz weniger gefördert – und das setze sich durch die Generationen hindurch fort, weil Intelligenz „zu 50 bis 80 Prozent vererbt“ werde. Freilich stützt sich Sarrazin zum Beleg seiner höchst unscharfen These von der Vererbung („50 bis 80 Prozent“ sind eine große Spannbreite), stets nur auf Untersuchungen zur Intelligenzvererbung von den Eltern auf die Kinder, also zwischen zwei Generationen. Wie sich längerfristig die Intelligenz einer Bevölkerungsgruppe entwickelt, ist völlig unklar. Zwar führt er ein Beispiel an, die europäischen Juden, bei denen vor dem Krieg ein durchschnittlich höherer IQ gemessen wurde. Doch dieses Beispiel ist untauglich. Zum einen wurden bei den IQ-Messungen Millionen von ärmlichen Land-Juden ausgeblendet, die Daten sind also nicht aussagekräftig. Zum andern würden die Juden gerade nach Sarrazins Argumentation seinen Thesen widersprechen. Denn die vermeintlich höhere Intelligenz der Juden leitet er daraus ab, dass sie unter einem hohen „Selektionsdruck“ (Sarrazin) gestanden hätten, der sie in geistig anspruchvolle Berufe gepresst habe, so dass sie ihre Intelligenz ausbilden mussten. Übertragen auf muslimische Migranten würde dies aber heißen: Fördert sie nur, dann werden sie schlauer. Damit wäre Sarrazins These von der vererbten Dummheit hinfällig. Zwar hält sich Sarrazin fern von eugenischen Plänen, die im 19. und 20. Jahrhundert zur zwangsweisen Geburtenbeschränkung in der Unterschicht entworfen wurden. Doch argumentativ steht er in einer Tradition, die von Malthus über die Sozialdarwinisten bis zu Geburtenbeschränkungen für die Unterschicht in Schweden reichen: Die Hochkulturen ziehen die Barbaren an, diese vermehren sich ungebremst, während die Klugen dekadent aussterben, weshalb man bevölkerungspolitisch umsteuern muss. Es bleibt dabei Thilo Sarrazins Geheimnis, warum er sich nicht fragt, was an diesen Thesen dran ist, wenn sie vor rund 150 Jahren Verfallsprognosen für etwa 1950 erstellten, die dann nicht eintratenVielleicht ist es aber doch kein Geheimnis: Sarrazin muss jene kühnen Thesen von der generativen Vererbungsspirale der Dummheit aufstellen, um nicht ins Fahrwasser dessen zu geraten, was langweiligerweise von „Gutmenschen“ gefordert wird: in einer Mischung aus Fördern und Fordern die muslimischen Migranten bei der Integration zu unterstützen. Würde Sarrazin das propagieren, wäre es wohl um seine Originalität geschehen, die im Provozieren besteht. In einem Provozieren, dass ihm derart heftige Reaktionen einträgt, dass er sich neuerlich bestärkt sieht in seiner Rolle als Provokateur.

Zu den bekennenden Fans von Sarrazin gehören ja, was wenig verwundert, die NPD , der Paranoia-Blog „Politically Incorrect“ und der wirre „BILD“-Briefeschreiber Franz Josef Wagner. Man fragt sich allerdings, welchen Narren Leute wie Henryk M. Broder, also gestandene kritische Intellektuelle, an einem aus den Gleisen gehüpften deutschen Spießbürger wie Sarrazin gefressen haben, dem es nicht einmal in den von Standesdünkeln vernebelten Sinn kommt, dass es problematisch sein könnte, ausgerechnet im Bezug auf Juden das Wort „Selektionsdruck“ zu verwenden, der also sprachlich mindestens so verroht ist wie intellektuell. Gewiss, Broder provoziert ähnlich gerne wie es Sarrazin tut, doch ist man vom Betreiber der „Achse des Guten“ ein etwas höheres Niveau gewöhnt als es das unterirdische Nobelstammtischgeraune des Bundesbankmanagers zu bieten hat. Provokationen sind ein gutes Mittel, um Menschen das selbständige Denken schmackhaft zu machen. Rassismus und das sozialdarwinistische Hinuntertreten auf die Benachteiligten ist aber keine stimulierende Provokation, sondern allenfalls Munition für Faschisten, die beim dritten Bier von einer Welt träumen, in der sie die Macht haben, jene Menschen, denen sie das Existenzrecht absprechen, „wegmachen“ zu können. Bei Sarrazin sind es noch Schreibtischtaten, andere mögen sich durch eben diese dazu ermutigt fühlen, politisch oder individuell entsprechende Handlungen zu setzen. Es ist wahrlich keine Sternstunde Broders und der „Achse“-Autoren, dass sie sich auf die schiefe Ebene eines Sarrazin begeben, bloß weil das so toll „politisch unkorrekt“ ist. Daher ein kleiner Ratschlag an Broder & Co: Vorsicht ist geboten, denn manchmal ist der Weg vom „politisch unkorrekten“ Querdenken zu „Politically Incorrect“ kürzer, als man meint, und am Ende dieses Weges wartet die NPD. Und wer sich plötzlich mit Nazis auf einer Seite wiederfindet, der sollte eigentlich erkennen können, dass er falsch abgebogen ist.

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24 Gedanken zu “Zu Sarrazin und seinen Fans: „Rassismus bleibt Rassismus“

  1. Du wunderst dich bei Broder? Ehrlich?! Der hat sich lange Zeit im PI-Umfeld herumgetrieben, und erst vor relativ kurzer Zeit begonnen, sich von dem Pack zu distanzieren. Wenn man seine Texte genau gelesen hat, war nie etwas anderes von ihm zu erwarten.

  2. Sarrazins Aussagen sind nicht „polemisch“ oder „überspitzt“, wie manche nahelegen wollen, sondern schlicht und einfach hetzerisch. Vor allem: Sie haben mit richtiger und notwendiger (Ideologie-)Kritik am Islam nichts, aber auch gar nichts zu tun. Sarrazin hat, wie die nationalen Sozialisten von NPD und FPÖ, am Islam im Grunde nichts auszusetzen, solange er halt dort bleibt, wo er „hingehört“, wenn er in seinem demnächst erscheinenden Machwerk mit dem bezeichnenden Titel „Deutschland schafft sich ab“ schreibt:

    „Ich möchte, dass auch meine Urenkel in 100 Jahren noch in Deutschland leben können, wenn sie dies wollen. Ich möchte nicht, dass das Land meiner Enkel und Urenkel zu großen Teilen muslimisch ist, dass dort über weite Strecken türkisch und arabisch gesprochen wird, die Frauen ein Kopftuch tragen und der Tagesrhythmus vom Ruf der Muezzine bestimmt wird. Wenn ich das erleben will, kann ich eine Urlaubsreise ins Morgenland buchen“
    (http://www.bild.de/BILD/politik/2010/08/24/thilo-sarrazin/neues-buch-deutschland-schafft-sich-ab.html),

    weil ja dort offenbar der angestammte Platz nicht nur der türkischen und arabischen Sprache sondern auch der scheußlichen gesellschaftlichen Verhältnisse (vulgo faszinierenden Kultur und Tradition) sei.
    Unmissverständlicher kann man sich nicht als deutscher Blut- und Boden-Ideologe zu erkennen geben.

    Symptomatisch (wenn auch alles andere als überraschend), dass auf Seiten der Kritiker Sarrazins der – völlig unberechtigte – Vorwurf der Islamophobie bzw. der westlichen Arroganz anklingt, so beim Chef der deutschen Grünen Cem Özdemir, der, sich in die Geisteswelt von Terroristen einfühlend, in Sarrazin einen
    „Stammeskrieger, wie ihn sich ein Bin Laden nur wünschen kann“ (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,713730,00.html)
    sieht (und damit, by the way, vorauseilende Schuldumkehr für prospektive islamistische Gewaltakte betreibt)

  3. Mit dem Verlieren des Verstandes ist es so eine Sache.

    Vielleicht lesen Sie erst mal das Buch von Sarrazin?

  4. @ David: Nein danke, mir ist nach der Lektüre etlicher in diversen Interviews abgesonderter Wortmeldungen Sarrazins schon schlecht genug.

  5. Der „Dhimmie“ lindwurm reserviert sich schon mal ein schönes plätzchen im Haus des Friedens?!gell?…..

  6. @ troll: 1. heißt das „Dhimmi“ und 2. solltest du vielleicht mal ein wenig im Blogarchiv lesen, um festzustellen, wie begierig ich auf den politischen Islam bin. Ach, ich vergaß: Du willst ja nur ein bisschen rumtrollen…

  7. @mrbaracuda: Das, was Sarrazin meint, ließe sich vielfach anders ausdrücken. Von mir aus mit „Erfolgsdruck“, „Anpassungszwang“, whatever. Dass aber Menschen, deren Verwandte sich auf der Rampe von Auschwitz der Selektion zwischen Arbeitssklaverei und Vergasung ausgesetzt sahen, der Begriff „Selektionsdruck“ unangenehm auffallen könnte, müsste einem Mann wie Sarrazin, der sich ja offensichtlich zur besonders intelligenten Elite Deutschlands rechnet, bewusst sein. War es ihm bewusst, so hat er eine verletzende Formulierung in eine scheinbar harmlose Aussage gepackt. War es ihm nicht bewusst, dann ist er nicht ganz so intelligent, wie er, der Richter und Henker über die „Dummen“, es von sich selbst annimmt.

  8. Man lernt nie aus, daß Autobahn gar nicht geht ist mir seit ein paar Jahren klar. Das Selektionsdruck auch ein verbotenes Wort ist, war mir bisher nicht bewußt.

    Langsam verstehe ich warum sich Linke so verschwurbelt ausdrücken, bisher dachte ich immer das käme vom kiffen …

  9. tja, hier scheiden sich wieder mal die liberalen geister. die biologisierung/unveränderbarkeit von sozialen problemen, die bei sarrazin zigmal vorkommt, legt die vergleichbarkeit zum NS nahe. der vermeintliche unterschied, und da springen die erz-/rechtsliberalen auf: er argumentiert philosemitisch resp. er positiviert die antisemitischen ressentiments. dem verklärten bild, das ebenjene von juden haben, gefällt das natürlich, weil es ja gut ist das „die alle“ klüger, erfolgreicher blabla sind. dass damit keine aufarbeitung des NS (wegen dem S ja als links und somit mit dem eigenen weltbild von natur aus unvereinbar) getan ist, hab ich ja schon versucht unter dem roma-artikel zu zeigen, eine adorno- oder neumann-lektüre versuch ich gar nicht erst anzuraten, weil eh zwecklos.

    @Dave DelMondo
    deine kritik erinnert mich stark an stephan grigat 😀
    ich mag nur anmerken (eine ausfühliche debatte wär hier leider recht mühsam): die sogen. islamkritk ist mir zu verkürzt, weil das herauszeichnen ideologischer elemente des islams zu wenig ist, um an islamisch geprägten gesellschaften kritk zu üben. kurz auf den punkt gebracht: kemalismus? oder krasser, bosnien? gesellschaften bilden sich historisch durch wechselwikungen von religion, geschichte/-mythen, ökonomie, kriege, politik, öffentlichkeit bis gar hin zu klimatischen verhältnissen; einzig den islam im gegensatz zur westlich-säkularen welt als unterscheidungsmerkmal zu sehen find ich, wie gesagt, verkürzt..
    http://www.freie-radios.net/portal/content.php?id=34742

  10. Der Zuspruch, den Sarrazin erfährt, bezieht sich meines Erachtens nicht so sehr auf die (ohnehin reichlich wirre und krude) biologistische Komponente seiner Aussagen, sondern schlicht und einfach darauf, dass sich da jemand aus den Reihen der Entscheidungsträger nicht an die politisch korrekten Diskursvorgaben hält.
    Über Immigration wurde in Deutschland lange überhaupt nicht gesprochen: Die Konservativen leugneten trotz massenhaften Zuzugs Deutschlands Charakteristikum als Einwanderungsland, weil nicht sein konnte, was nicht sein durfte. Und die Linken beschäftigten sich mit dem Thema nur am Rande, weil sie sich von der Immigration so etwas wie einen immerwährenden Karneval der Kulturen erhofften.
    Beide Visionen/Postulate waren absolut unrealistisch und sind offenkundig und gründlich gescheitert.
    Als Konsequenz hieraus hat man nicht etwa das Thema Einwanderung zum Gegenstand einer sachlichen Diskussion gemacht, sondern entweder negative Entwicklungen ausgeblendet bzw. beschönigt oder aber einzig und allein der Mehrheitsgesellschaft die Schuld an Fällen der misslungenen Eingliederung gegeben. Bezeichnend in diesem Zusammenhang ist der jüngste (nach Protesten schließlich vom Ministerpräsidenten unterbundene) Vorstoß der niedersächsischen Sozialministerin, die Medien des Landes auf eine kultursensible Berichterstattung über Migrationsthemen zu verpflichten. Für die Presse hätte dann gegolten: De integratione nil nisi bene.
    Mit den genannten offiziellen Axiomen wollen nun einige unbestreitbare Fakten nicht ganz harmonieren. Wenn die Schulsysteme der deutschen Bundesländer Migrantenkinder benachteiligen, warum schaffen dann Kinder aus bestimmten Einwanderergruppen (namentlich: Vietnamesen) im Durchschnitt bessere Abschlüsse als die Eingeborenen? Wenn Deutschland den Migranten als solchen schlechte Lebensbedingungen bietet, warum sind es dann wiederum bestimmte Gruppen (türkische, kurdische und arabische Zuwanderer), bei denen Schulversagen, Gewaltkriminalität etc. in erschreckend hohem Maß auftreten? Sarrazin stellt diese Fragen, die allzu häufig verschwiegen werden, weil sie zu der Einsicht führen, dass die Migranten selbst zu einem nicht unerheblichen Teil für das Gelingen der Integration verantwortlich sind.
    Sarrazin gibt allerdings die falschen Antworten auf diese richtigen Fragen. Die unterschiedlichen durchschnittlichen Integrationserfolge diverser Einwanderergruppen hängen zweifellos zum Teil mit kulturellen Einstellungen, in der Hauptsache aber mit der Schichtzugehörigkeit zusammen. Wobei hier nicht der allfällige Zusammenhang zwischen der Schichtzugehörigkeit und der Intelligenz schlagend ist, sondern bestimmte (schichtspezifische, im Sinne von: in einer Schicht dominant auftretende) soziale Codes (also Verhaltenstraditionen) zum Tragen kommen. Dies näher auszuführen würde diesen ohnehin schon überdimensionierten Kommentar zu einer soziologischen Seminararbeit aufblähen.
    Der langen Rede kurzer Sinn: Sarrazin erhält deshalb Applaus, weil mit ihm ein Vertreter des offiziellen Deutschland bestimmte, allzu häufig tabuisierte Fragen stellt. Leider gibt er die falschen Antworten. Dass in der Debatte bzw. Bewertung von Sarrazins Äußerungen nicht zwischen zutreffenden Beobachtungen und irrigen Schlussfolgerungen unterschieden wird, ist schade, für die (stets undifferenzierte) Diskussion über Immigrationsthemen allerdings kennzeichnend.

  11. Eins muss ich doch noch nachschießen, weil ich mich diesbezüglich vielleicht nicht ganz klar ausgedrückt habe: Dass sich die Einwanderergruppen, bei denen Probleme gehäuft auftreten, durch ihre Herkunftsregionen definieren lassen, ist dem Umstand geschuldet, dass die aus diesen Ländern stammenden Immigranten in der ganz überwiegenden Zahl der dortigen Unterschicht angehören und dass somit in diesen Gruppen die für die Unterschicht typischen sozialen Codes sehr häufig zu verzeichnen sind. Für eine ethnisierende oder rassistische Interpretation taugt dieser Befund also nicht. Auch einen allzu bedeutenden Zusammenhang zwischen der islamischen Kultur und dem Scheitern der Integration muss man wohl negieren, denn sonst ließe sich kaum begründen, warum z.B. iranische Einwanderer (die nicht selten höheren Schichten angehören) nicht auffälliger sind als nichtmuslimische Immigranten.

  12. @vip3r:
    Du schreibst: „die sogen. islamkritk ist mir zu verkürzt, weil das herauszeichnen ideologischer elemente des islams zu wenig ist, um an islamisch geprägten gesellschaften kritk zu üben.“
    Kritik am Islamismus IST, sofern sie mehr sein soll als nur ein strategischer Zug im politischen Schlagabtausch, wesentlich auch Gesellschaftskritik, ebenso wie jede Religionskritik nur dann stichhaltig ist, wenn sie die gesellschaftlichen Verhältnisse immer mitdenkt – und zwar nicht in dem Sinne, dass Religion, Tradition, Kultur, etc. auch gesellschaftlich „geprägt“ (aber ihrem Wesen nach ideell) sind, sondern konstitutiv gesellschaftliche Phänomene sind – ich finde, das wurde von Stephan Grigat, den du erwähnt hast, und Autoren und Autorinnen aus dem gleichen Umfeld bislang recht überzeugend eingelöst – und dass die antideutsche (oder wie immer man sie nennen mag) Kritik weder für den Kemalismus Sympathien hegt ( dazu „Die Erde des Vaterlands ist heilig“ von J. Wertmüller, Bahamas Nr. 52) noch für andere dezidiert antiwestliche Ideologien bzw. Bewegungen, ist dir sicherlich bekannt.
    Der Islam wird von keinem ernst zu nehmenden Theoretiker „als einziges Unterscheidungsmerkmal zur westlichen Welt“ gesehen, wie du behauptest, wohl aber als deren derzeit erfolgreichste und am meisten verhätschelte Bedrohung. Oder zielt deine Kritik womöglich gar nicht darauf, dass die Bedrohung des Westens auf den Islam reduziert wird (was ohnehin nicht geschieht), sondern darauf, dass die Unterscheidung Westen/Islam generell fragwürdig bzw. „konstruiert“ ist?

  13. rassismus ist es auch, wenn man sagt, dass die schwarzafrikaner schneller laufen, als der rest der welt.
    oder ist es erst dann rassismus , wenn ich sage die „schwarzen“ laufen schneller, als die „weißen“?

    ein kömödiantisch posender Posener kann nicht ein einziges stichhaltiges gegenargument gegen Sarazzin ins felde führen, da kann er mit noch so viel schwung auf den buzzer schlagen.

    gut, das mit der schlechten föderung der schulen stimmt. ob türkisch geführter unterricht etwas zu einem höheren gesamt-intelligenzquotienten der schüler beiträgt, wage ich allerdings zu bezweifeln, da müßte man vorher die gesamte pädagogische philosophie hinterfragen und ändern.

    sehr lustig fand ich den von „tatzlwurm“ angesprochenen „karneval der kulturen“. den, meine lieben freunde, wird es, wenn es nach muslimen geht, nie geben. die türkei wird erst ruhen bis der letzte kurde tot ist, der iran wird erst ruhen, wenn der letzte ungläubige (israeli) beseitigt ist.
    dass die türkische regierung und die arabische welt zu den am meisten „rasisstisch“ agiernden staaten weltweit gehören, wird gerne ignoriert.

    diese intolerante miserable einstellung der ungebildeten schicht, die es zweifelsohne in jeder irdischen kultur gibt, wird sich nicht beim überschreiten einer grenze in luft auflösen. das „kriegerische gedankengut“ wird vermehrt ins land getragen und gesellt sich munter zu den schon hier beheimateten furzen national denkender „elite“.

    ich halte die reaktion auf Sarazzins interview für einen ganz pasablen schock, weil wir es in unserer von appeasementpolitik (siehe broder „hurra, wir kapitulieren! von der lust am einknicken“) die geprägten kultur- und medienlandschaft nicht mehr gewohnt sind von problemen mit „speziellen“ bereits vorhandenen immigranten zu sprechen.
    das erkennen von wahrheit gehört zu den schmerzhaftesten prozessen überhaupt.
    denkt doch bitte daran, mit welcher zähigkeit, ineffizienz und unlust in den letzten jahren über die machenschaften der rechtspolitik in kärnten berichtet wurde.
    genauso verhält es sich mit allen anderen deprimierenden formen des weltschmerzes, wie hungersnöte und hauptschulklassen mit 60% ausländeranteil.

    ja, differenzieren heißt nicht die augen verschließen, sondern sich bemühen, in all dem wirrwarr die menschlichkeit nicht zu verlieren.

    auch wenn es einmal heißt für sich selbst zu entscheiden.

    pfugge

  14. @Dave DelMondo
    naja, meine auseinandersetzung mit den antideutschen liegt schon etwas zurück, jedenfalls hab ich mich u.a. durch robert kurz, speziell die veröffentlichungen „die antideutsche ideologie“ und „blutige vernunft“ davon entfernt. kritikpunkt v.a. die psotive bestimmung der moderne als zivilisation statt als vorzivilisatorisch; les ich auch bei dir raus, westliche ideologie = gut, antiwestliche = schlecht; ich seh jedoch modern und antimodern quasi als 2 seiten einer medaille, wobei letztere aus dem denken ersterer hervorgeht, also antisemitismus und islamismus als moderne krisenideologien, die neben der kritik ebenjener auch eine kategoriale kritik der moderne erfordern. ich weiß nicht wo genau die antid. theoriebildung grad steht, aber die verklärung des westens und der aufklärung seh ich immer wieder, und da frag ich mich, wo denn die angeblich radikale kritk und der bezug zur frankfurter schule sein soll.

    aber ich bin mir bewusst, dass wir da wohl kaum zusammenkommen werden.

    und sorry, aber wertmüller ist ein ähnlich paranoid-wahnsinniger hetzer wie sarrazin, oder was haben nochmal „ziegenficker“ und „araberfressen“ mit ideologiekrtik zu tun?

  15. Lenin, Stalin, Trotzky, Mao und Pol Pot mordeten unter anderem, weil sie der kulturalistischen These folgten und den „Biologismus“ ablehnten. Mao beschrieb das chinesische Volk als unbeschriebenes Blatt, das er mit den schönsten Buchstaben zu beschreiben gedachte. Für Pol Pot waren nur Kinder rein und beliebig formbar.
    Um die Transformation zum neuen Menschen zu forcieren, mordeten die oben genannten im industriellen Ausmaß um reaktionäre Sozialisation effektiv zu tilgen.

    Sowohl der Darwinismus als auch die Leugnung desselben kann also zusätzliche Rechtfertigungen für Massenmord liefern.

    Es ist geradezu grotesk, dass sich heute die Leugner der Natur des Menschen als Hüter des Humanismus aufspielen, keinen Gedanken an die potentielle Gefährlichkeit einer fundamentalistischen Auslegung ihrer eigenen Thesen machen und das einzige dialektische Gegengewicht dazu völlig verteufeln.

    Das geht bei Alan Posener und andere Obskurantisten so weit, dass sie den Stand wissenschaftlicher Erkenntnisse schlicht und einfach leugnen und total umdrehen.

    Mag sein, dass Sarrazins Ausführungen nicht hundertprozentig korrekt und genau sind. (Das Buch habe ich nicht gelesen. Die Kritiker dem Anschein nach auch nicht) Aber man kann von Sarrazin auch nicht erwarten auf dem Stand eines Humangenetikers oder Intelligenzforschers zu sein und außerdem wäre eine wissenschaftliche Arbeit für ein Massenpublikum unverdaulich.

    Der Gegenseite wird hingegen nie mangelnde Wissenschaftlichkeit vorgeworfen. Politiker, Intellektuelle und selbsternannte Sozialtechniker machen ständig überzogene, utopische Versprechungen. Z.b. Im Bereich Gender-Mainstreaming, Gesamtschule usw.

    Die Ausblendung der erblichen IQ-Komponente kann beispielsweise dazu führen, dass Ungebildete dafür verurteilt werden, einen Bildungsideal nicht zu erreichen, das sie nicht erreichen können.

    Der Begriff „Sozialdarwinismus“ ist übrigens völlig überflüssig. Darwin war Sozialdarwinist.

    Gene und Kultur können auch interagieren. Das sieht man im Konflikt zwischen Hutus und Tutsis. Die Tutsis können Milch verdauen und betreiben daher Milchwirtschaft. Dadurch stehen sie mit den Hutus, die das Land für Landwirtschaft und nicht als Weideland verwenden wollen, in einem ökonomischen Konflikt. Wenn man diesen genetischen Faktor ausblendet, wird es schwierig eine gütliche Lösung für das Zusammenleben zu finden.

    Die Nazis lehnten die Vorstellung, dass Aschkenasim einen höheren IQ haben könnten ab. Der Vorwurf, dass sich die Juden ihre Überrepräsentation in den Wissenschaften, der Unterhaltungsindustrie und in gewissen Wirtschaftszweigen nur verschwörerisch erschlichen hätten würde ja völlig untergraben, wenn man davon ausgeht, dass Juden im Durchschnitt intellektuell begabter sind.

    *******
    Zu Sarrazin (unter Ausblendung des Islam-Themas):
    Was ich so aus Interviews mit ihm herausgehört habe, fallen mir einige Kritikpunkte ein:

    1. Es nicht notwendig, an der Spitze der Innovation zu stehen. In einer globalisierten Welt profitieren wir alle von allen Innovationen, die anderswo auf der Welt erfunden wurden. Computer, Displays und das Internet kommen alle nicht aus Deutschland.
    Handys z.T. und davon profitieren auch die Menschen in der dritten Welt, die vor dem Handy überhaupt keinen Telefonanschluss hatten.
    Im Gegensatz zu gewissen Vorwürfen, dass Südostasiaten nur westliche Innovationen kopieren würden, stehen Länder wie Japan, Taiwan und Südkorea an der Spitze der Innovation, sobald sie aufgeholt haben. China wird bald soweit sein.

    2. Evolution ist ein langsamer Prozess im Vergleich zu einem Menschenleben. Innerhalb von ein paar hundert Jahren tut sich da nicht viel. Bevor wir uns zu Menschenaffen zurückentwickeln rettet uns bestimmt die pränatale Genmanipulation, die von werdenden Eltern sicher gerne genutzt würde. (Das kann dann ganz andere Probleme erzeugen)

    3. Deutschland schafft sich nicht ab, sondern, wenn man Sarrazin Behauptungen folgt, brasilianischer werden. Also eine ungleichere Gesellschaft. Das ist für Kollektivisten ein Problem. Für Individualisten eher nicht.

    Für mich gibt es keinen Grund zur Panik.
    Nur die Hoffnungen vieler multikulturalistischer Einwanderungsforcierer werden enttäuscht. Nämlich die Vorstellung einer oberflächlich kunterbunten, aber letztlich gleichen, sozialdemokratischen Gesellschaft nach dem Vorbild Olaf Palmes Schweden.
    (Unter Ausblendung des Islam, wie gesagt).

    *******
    @Bernhard:
    Ein wenig Solidarität mit den politisch Unkorrekten wäre angebracht. Islamkritik war noch vor wenigen Jahren genauso ein Reizthema und ist es zum Teil immer noch. Auch hier wurden überzogene, hysterische Unterstellungen gemacht. Wer den Islam als problematisch und rückschrittlich betrachtet, müsse ja automatisch für einen totalen Krieg gegen die Muslime eintreten usw.

    Ich bezweifle auch, dass die meisten Menschen, die diese Themen nicht genau verstehen, worin nun die Abgrenzung zwischen deiner Islamkritik und Sarrazins Behauptungen besteht und warum nun die Islamophobie-Keule ungerechtfertigt ist, die Biologismus-Keule aber gnadenlos zu schwingen wäre.

    Für die meisten Leute, inklusive der schwätzenden und politischen Klasse, ist das ein und dasselbe. Das sehen wir ja auch im aktuellen Sarrazin-Bashing, in dem alles in einen Topf geworfen wird.

  16. Ach ja, noch was zur Demographie.

    Eine schrumpfende Bevölkerung hat auch ökonomische Vorteile. Wohnraum wird billiger. Bautätigkeit macht einen Großteil der Wirtschaft aus. Davon wird viel eingespart.

    Außerdem braucht eine alternde Gesellschaft weniger Ressourcen und es gibt auch weniger Nachfrage für Produkte und Dienstleistungen wie Bildung und Unterhaltung, die von Jüngeren konsumiert werden.

    Wie sich das ausbalanziert ist schwer abzuschätzen, aber man darf nicht immer nur die negativen Aspekte betrachten.

    Japan ist in der Überalterung längst angekommen und hat auf Einwanderung verzichtet. Bisher ist die japanische Zivilisation nicht untergegangen. Die Wirtschaft stagniert absolut, wächst aber pro Kopf.

    Österreich ist sowieso kleiner als Deutschland und wir bekommen viele deutsche Einwanderer und ab nächstem Jahr bestimmt auch mehr Osteuropäer, was sowieso die traditionelle österreichische Mischung ausmacht.

  17. „Das, was Sarrazin meint, ließe sich vielfach anders ausdrücken.“

    Absolut richtig. Es muss auch anders ausgedrückt werden. Wir brauchen Leute, die endlich die Dinge beim Namen nennen, auch auf provokante Art. Was wir nicht brauchen sind platte Biologismen.

  18. Hm, das Buch ist noch nicht erschienen, keiner hat es vollständig gelesen, aber schon steht fest das der Autor ein Rassist ist.

    Vieleicht sollte man die Zensur wieder einführen ?
    Bislang ist der Jugendschutz in Deutschland ja genau in diesem Punkt eher schwach.

    Filme und Videospiele werden vor dem erscheinen vom Staat mit einer Alterseinstufung versehen, manchmal wird diese verweigert, was ein sicheres Zeichen dafür ist das dieses Machwerk ein Kandidat für die Liste der Jugendgefährdeten Schriften ist.
    Nur bei Büchern gibt es einen solchen Mechanismus nicht.

    Hätten wir ihn, müssten wird über Bücher wie das von Sarazin nicht diskutieren, es wäre aus Gründen des Jugendschutzes verboten weil der Autor ein Rassist ist.

  19. Die NPD thematisiert auch Lobbyismus und Parteienzwang, Islamisierung, Amerikanisierung, Konsumwahn und tausend andere anerkannte Problematiken oder Scheinproblematiken.

    Es wäre aber absurd einfach zu behaupten, dass die repräsentative Demokratie perfekt und frei von inneren Widersprüchen wäre, nur weil die NPD das auch anspricht.

    Es ist auch nicht so, als wären die NPDler aufgrund ihrer eigenen intellektuellen Leistung auf diese Themen gekommen. Sie greift sich vielmehr Themen heraus, die andere entwickelt haben und bietet freilich den Nationalsozialismus als Allzwecklösung an.

    Genauso bewerben Fundikatholiken, Steinzeitsozialisten und andere ihr politisches und ideologisches Schlangenöl als Allheilmittel.

  20. Bildungswüste Deutschland. Eine Schar von Kommentatoren, die gar nicht mehr wissen, was eigentlich genau die Rassentheorie war, die im 20. Jahrhundert so üble Folgen hatte.

    1. Es wurden bei Menschen Rassen postuliert (das behauptet heute niemand mehr, auch nicht Sarrazin).
    2. Diese Rassen wurden auf- und abgewertet und besonders massiv gegen Juden.
    3. Das Verhalten aller im Kollektiv sei vorbestimmt (Eine Hetzpropaganda im 3. Reich lautete: Ein Jude bleibt ein Jude [mit all den angeblichen negativen Eigenschaften], auch wenn er konvertiert.)
    4. Es wurde zum Kampf zwischen den Rassen aufgerufen oder dafür indirekt geworben (Mein Kampf etc.)

    Gemeinsame Gene bei Volksgruppen oder Religionsgemeinschaften, die sich auch über die Abstammung definieren? Hat NICHTS mit obigen 4 Punkten zu tun!

    Intelligenz vererbt sich zu xx%? Nichts neues.

    Daher drängt sich die Frage auf: Wieviel Intelligenz braucht man eigentlich mindestens, um bei jeder erstbesten Gelegenheit „Rassimus!“ zu schreien?

  21. Eigentlich ist es doch wurscht, ob Sarrazin sich rassistisch äußert oder nicht. Wichtig ist, dass sich die Migranten auf den Hintern setzen!

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