Fidel Castro beichtet

Aber Fidel, das kannst du deinen Che-Guevara-T-Shirts tragenden und von der Zärtlichkeit der sozialistischen Völker schwärmenden Fans doch nicht antun! Das geht doch nicht, dass du im ehrenwerten Greisenalter doch noch Anflüge von Selbstkritik entwickelst!

-Jetzt gibst du plötzlich zu, dass die Sache mit der Verfolgung der Homosexuellen nach der Revolution vielleicht doch keine so fortschrittliche gewesen sein könnte und dass du sogar persönlich dafür verantwortlich gewesen bist.

-Damit nicht genug lässt du deinem (bald ehemaligen?) antiimperialistischen Kumpel Ahmadinejad  ausrichten, dass du dessen Antisemitismus nicht so leiwand findest: Fidel Castro hat den iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad aufgefordert, mit der Beleidigung der Juden aufzuhören. Die iranische Regierung müsse die Tragweite des Antisemitismus verstehen. „Das geht seit zweitausend Jahren so. Ich glaube nicht, dass irgendjemand dermaßen verleumdet wurde wie die Juden. Auch die Muslime nicht. Juden wurden viel massiver beleidigt und als die Muslime, weil man sie immer verleumdet und für alles mögliche verantwortlich gemacht hat. Niemand hingegen macht die Muslime für irgendetwas verantwortlich. Die Juden haben eine viel härtere Existenz geführt als wir. Nichts ist mit dem Holocaust vergleichbar“.

-Und das Irrste: Du hast angeblich eingeräumt, dass die ganze Sache mit dem Karibiksozialismus in die Hose gegangen ist. Auf die Frage, ob es sich noch lohne, das kubanische Modell auf andere Länder zu übertragen, habe der 84-Jährige geantwortet: „Das kubanische Modell funktioniert selbst bei uns nicht mehr“, schrieb der US-Journalist Jeffrey Goldberg am Mittwoch in einem Blog.

Nun bist du, Fidel, leider berüchtigt dafür, Journalisten mit deinem Charme und deiner rhetorischen Brillanz um den Finger zu wickeln und ihnen stets das zu sagen, von dem du glaubst, das sie es hören wollen. Und die Chancen stehen nicht schlecht, dass wir schon morgen von dir wieder eine verquere „Analyse“ der geopolitischen Lage inklusive heftiger Attacken gegen Israel und/oder die USA lesen müssen. Vielleicht meinst du es aber auch ernst und möchtest im Angesicht des anklopfenden Sensenmannes moralisch klar Schiff machen? Vielleicht rücken dir die Gespenster der Verratenen, Erschossenen, Gefolterten, Eingesperrten und Unterdrückten auf die Pelle? Vielleicht wird sogar dir nun das zunehmende Elend des kubanischen Volkes unerträglich? Falls dem so ist, dann hast du noch einiges zu erledigen und noch sehr oft „mea culpa“ zu sagen. Aber wenn es je einen Diktator gegeben hat, dem ich echte Einsicht zutraue, dann bist du das, Fidel, du Kuschelbär unter den totalitären Monstern, denn trotz deiner Verbrechen und deiner Fehlentscheidungen und deines teils wahnhaften Verhaltens warst du einer der Harmloseren im Club der gewaltbereiten Utopisten. Und einer der Intelligentesten.

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3 Gedanken zu “Fidel Castro beichtet

  1. Totale Zustimmung aber das mit den Homosexuellen hat er afaik anders gemeint. Er hat nicht „für ihre Verfolgung“ gesorgt, sondern nur zu wenig/ bzw gar nichts dagegen übernommen. Verfolgt wurden die vorher schon.

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