Mit NPD, Jobbik und FPÖ marschieren?

Ganz am Ende eines Artikels des „Standard“ über steirische FPÖ-Funktionäre, welche den extrem rechten Kurs der Partei nicht länger mittragen wollen, erfährt man Bemerkenswertes: (…) Stattdessen plant der EU-Abgeordnete (Andreas Mölzer, Anm.) eine Lesereise von Thilo Sarrazin durch Österreich, und er will den islamkritischen Film des niederländischen Politikers Geert Wilders im Parlament zeigen. Das Traurige ist nur, dass das den „rechtsliberalen“ Sarrazin-Verteidigern ebenso wenig die Augen öffnen wird wie das Attest der NPD, dass der Thilo ganz auf ihrer Linie läge. Andreas Mölzer gibt das Magazin „Zur Zeit“ heraus, in dem Antisemitismus zum guten Ton gehört und auf dessen Homepage man T-Shirts mit dem Konterfei von Ahmadinajad und der aufgedruckten Parole „A World Without Zionism“ erwerben konnte, war Chefredakteur der Österreich-Ausgabe der „Jungen Freiheit“, war in der Schriftleitung der rechtsextremen „Aula“, war das Gehirn hinter Jörg Haider und ist derzeit der Vernetzer der europäischen rechtsextremen Szene. Kürzlich pilgerte er mit Antisemiten wie Jean-Marie Le Pen und Vertretern von Jobbik zum Yasukumi-Schrein.

Fragen: Wenn Rassisten, Rechtsextreme und Antisemiten in Sarrazin einen der Ihren sehen und das auch offen bekunden (und damit ja auch Recht haben), warum fällt das einem Ralph Giordano oder einem Broder nicht auf? Sind die in ihrer Angst vor dem Islam schon dermaßen schmerzbefreit, dass sie nicht mal mehr bemerken, in welche Gesellschaft sie sich bei der Suche nach Verbündeten begeben? Und mit einem Blick auf die Blogosphäre: Ist das Schwarz-Weiß-Denken schon so stark festgefahren, dass wirklich jeder Scheißdreck, der sich islamkritisch tarnt, automatisch verteidigt werden muss? Ich weiß ja, dass große Teile der Linken und Liberalen beim Thema Islamismus und Kulturrelativismus versagt haben, aber muss man sich dann gleich freiwillig bei den Barbaren einreihen? Gemeinsam mit NDP, Jobbik und FPÖ marschieren sozusagen? Okay, macht doch, aber in den Worten von John Lennon: „Count me out!“

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6 Gedanken zu “Mit NPD, Jobbik und FPÖ marschieren?

  1. Andererseits muss es nicht sein, dass wenn Rassisten und Antisemiten in Sarrazin einen der Ihren sehen, er sich als einer der Ihren versteht. Es fahren zwar alle Briefträger Moped aber nicht alle Mopedfahrer sind Briefträger.

    Wenn Sarrazin der Lesereiseeinladung Folge leistet, gut…dann bleibt aber immer noch zu hinterfragen, warum? Vielleicht weil er sich allein gelassen fühlt?
    Und, vielleicht lassen sich viele, die diese Rassisten und Antisemiten wählen nur allein gelassen, eben weil die Linke offensichtlich prinzipiell keine Islam-, keine Ausländer- und keine Sonstwaskritik zulässt. Nicht nur nicht zulässt, sondern auch keine Alternativen bietet und bei jeder Kleinigkeit sofort, „Achtung Nazi!“ schreit.
    Ich finde, dass die beste Reaktion auf Sarrazin die von Leon de Winter ist. Er macht sich über ihn lustig, mit einer Klinge, die feiner nicht sein kann.
    Die Sarrazinschelte auf jeden Fall steigert den Verkauf seines Buches ins Unermessliche und drängt ihn förmlich in die Reihen der Arschlöcher.
    Dont feed Trolls, lough about them!

    http://oren1.wordpress.com/2010/09/09/die-judische-intelligenz/

  2. „Fragen: Wenn Rassisten, Rechtsextreme und Antisemiten in Sarrazin einen der Ihren sehen und das auch offen bekunden (und damit ja auch recht haben), warum fällt das einem Ralph Giordano oder einem Broder nicht auf?“Dir ist schon bekannt, dass weder Stadkewitz noch Wilders je mit antisemitischen Parteien marschiert sind. Und das gilt dann folgerichtig auch für Sarazzin.

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