Nazis ermorden 137 Menschen

Seit der Wiedervereinigung haben die Nazis in Deutschland mindestens 137 Menschen umgebracht, so „ZEIT“ und „Tagesspiegel“. Das zeigt erstens, von welcher politischen Ecke immer noch die wirkliche Gefahr für Leib und Leben ausgeht, und zweitens ist es ein Weckruf für jene politisch ach so Unkorrekten, die nicht müde werden, den Antifaschismus (genauer: den Antinationalsozialismus) als hohles Ritual zu verunglimpfen und die davon schwafeln, die Nazis seien eh eine ungefährliche kleine Minderheit, eine braune Folkloretruppe sozusagen, über die man sich doch bitte nicht so aufregen möge, und überhaupt drohe Gefahr ausschließlich von islamisch-fundamentalistischer Seite. Ja freilich sind islamische Fundis gefährlich, weswegen der Staat sie ja auch überwacht. Aber so zu tun, als seien die Neonazis zwar unfein, aber nicht bedrohlich, ist geschichtsvergessen und dämlich. Die RAF hat in den 28 Jahren ihres Bestehens 34 Morde verübt und wurde deswegen zu Recht mit aller Härte verfolgt und es herrschte mediale Daueraufregung. Ich wünschte mir, dass gegen die braunen Mörder mit der gleichen Konsequenz vorgegangen würde.

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15 Gedanken zu “Nazis ermorden 137 Menschen

  1. „Ich wünschte mir, dass gegen die braunen Mörder mit der gleichen Konsequenz vorgegangen würde.“

    Da stimme ich durchaus zu. Aber: Wird gegen sie denn nicht mit gleicher Konsequenz vorgegangen? Der Grund für den Riesenwirbel um die RAF war doch, dass diese Terroristen sich durch Flucht und internationale Konflikte oft genug dem Zugriff der Justiz entzogen. Das ist bei den meisten Neonazis anders: Die wandern typischerweise für ihre Taten direkt in den Knast. Oder bin ich da falsch informiert?

  2. @ Karsten: Ich denke, der Grund für den Riesenwirbel um die RAF war, dass die vor allem Prominenz aus Politik und Wirtschaft und Justiz ermordete und gefährdete, während sich die rechte Gewalt vornehmlich (nicht ausschließlich) gegen Arme und Schwache richtet. Da sollte man gar nicht allzu viel hineininterpretieren. Die Ermordung eines Arbeitgeberpräsidenten wirbelt nun mal mehr medialen Staub auf als der gewaltsame Tod zB eines Asylbewerbers. Leider gibt es Anzeichen dafür, dass sich die rechtsextreme Untergrundszene „terroristisch professionalisiert“ und sich auf zielgerichtetere Anschläge vorbereitet.

  3. @ Lindwurm:
    Ich denke, dass das Wort von der ungefährlichen kleinen Minderheit sich eher auf die Zustimmung zu den politischen Parteien am rechten Rand bezieht. Denn die ist in Deutschland ja – ungeachtet der Wahlerfolge der NPD in einigen östlichen Bundesländern – eher gering und meines Erachtens auch so klein, dass die Demokratie dadurch nicht gefährdet wird. Wenn ich mir dagegen anschaue, wie viele Leute mit der Linkspartei (deren Programm klar auch die von der Ewigkeitsgarantie geschützten Grundsätze unserer Verfassung abzuschaffen gedenkt) sympathisieren, sehe ich da momentan das größere Problem.
    Dies sagt aber noch nichts über den gewalttätigen Arm des Rechtsradikalismus aus. Da ist es nämlich wirklich so, dass eine kleine Minderheit wegen ihrer Brutalität und ihres Fanatismus eine sehr große Bedrohung darstellt.
    Ich bin dafür, dass der Staat gegen alle Feinde der Freiheit (rechts- und linksradikale Verfassungsfeinde und Gewalttäter sowie muslimische Terroristen) mit der gebotenen Härte vorgeht. Eine wehrhafte Demokratie darf auf keinem Auge blind sein.

  4. Wenn man sich die Liste anschaut, dann fallen die z.T. extrem kurzen Haftstrafen auf. Ich denke deswegen, dass man zur Beurteilung mehr über die Einzelfälle wissen müsste. Ich meine vielleicht bin ich ja auch naiv – aber ich hoffe einfach, dass wenn ein vollkommen unschuldiger und unbeteiligter angegriffen und getötet wird, dass dann für die Täter mehr als 2-4 Jahre Haft drinnen ist (es gibt in der Liste sogar einige, die nur Bewährungsstrafen bekommen haben).

  5. nicht alles, was hinkt, ist ein vergleich. das raf-syndrom wuchs aus der tatsache, dass ehemalige nazi-schergen damals nahtlos in die höchsten funktionen der demokratie übernommen worden waren (richter, uni-profs etc.) und als solche gegen jede noch so lächerliche aktion der „linken“ mit größten schärfe des gesetzes vorgingen. baader und co. wurden beispielsweise für vergleichsweise harmlose aktionen wie das abfackeln von kaufhäusern (wobei nachweislich sogar der nachtwächter weggelockt wurde, um ja keine menschenleben zu gefährden) mit mehrjährigen haftstrafen „belohnt“. von richtern, die wenige jahre zuvor keine schwierigkeiten damit hatten, todesurteile für witzerzählen zu verhängen. daraus wuchs die wut und letztendlich die gewaltbereitschaft. ist natürlich verurteilenswert, lässt sich aber halbwegs nachvollziehen, wenn man sich mit der ganzen geschichte beschäftigt.
    der rechte mob ist aber von haus aus gewaltbereit, da wächst nichts aus der situation, das ist latent vorhanden. darin liegt mE der unterschied und die große gefahr. und, dass – wie du richtig bemerkst – der staat bei der strafbemessung auffällig oft beide augen zudrückt.

  6. Ich staune schon sehr über die hohe Zahl ermordeter Personen, glaube dieser Statistik aber. Was mich dann noch mehr beunruhigt, ist die politische „Legitimation“ der rechten Recken (nicht: Mörder) in Form der FPK/FPÖ. Folgendes Szenario: Wehrsport-Fanatiker Strache gewinnt in Wien rasant dazu (, was ich nicht hoffen will). Verbündet sich dann noch stärker mit dem sich tagtäglich bekennenden braunen Kärnten. Bundeshauptstadt im Machtbereich dieser braunen Brut, und Kärnten als 2. Bundesland auf der Reise in eine Zeit, die niemand erleben will. Zusammenschluss mit der extremen Rechten in Ungarn, Zusammenschluss mit Wilders in den Niederlanden. Die Paneuropa-Nazis wären geboren. Die Zeit spricht leider für diese politische Veränderung: Armut nimmt zu, immer mehr Vermögen in den Händen immer weniger Leute, Politiker werden mit dem Integrationsproblem nicht fertig. Und eine extreme Rechte, die dann an allen Ecken die externen Feinde ausmacht.

  7. @franz miklautz-wahrlich ein grausliges szenario welches sie hier beschreiben.
    wie sieht es eigentlich in anderen europäischen staaten mit dem verbot der wiederbetätigung aus? ich denke da ist einiges an nachholbedarf. wie sonst war es möglich, das z.b. der holocoustleugner paul maria hafner seit den 1950er jahren bis zu seinem tod 2010, ungestraft in spanien leben und seine unsäglich menschenverachtende meinung kund tun konnte. (zu sehen in günther schwaiger`s dokumentarfilm: „hafners paradies“-aber vorsicht, es kommt einem das kotzen:

    möge ihre „vision“ niemals realität werden!

    „die nachwelt wird es nicht fassen können, dass wir abermals in solchen dichten finsternissen leben mußten, nachdem es schon einmal licht geworden war.“
    (sebastian castellio,1562)
    scheinbar sind menschen nur bedingt lernfähig-die bestie schläft nie
    ihr blogg gefällt mir übrigens sehr gut, ich kannte ihn noch nicht!

  8. Lieber Lindwurm,

    möglicherweise haben wir verschiedene Wahrnehmungen was die Situation in Deutschland angeht.

    Von den Leitmedien und der Politik verharmlost in Deutschland niemand die Gefahr für Leib und Leben die von Nazis ausgeht.

    Nur ist das nicht die einzige Gefahr für Leib und Leben.
    Geh mal als Schwuler mit deinem Partner händchenhaltend durch die Straße, in manchen Vierteln bekommt man da sehr schnell was aufs Maul, und zwar nicht von Nazis.

    Wie geht man in Deutschland mit Organisationen um die sowas thematisieren ?
    Richtig, man diffamiert sie als Rassisten.
    http://www.taz.de/1/leben/alltag/artikel/1/die-vorwuerfe-sind-einfach-grotesk/

    Auch wenn Du in der U-Bahn was aufs Maul bekommst, sind das recht selten Nazis.
    Aber hey, dann bist du vermutlich selber Schuld:

    Leider ist es nicht nur so das nur Nazis von diesen Leute was aufs Maul bekommen. Du kannst auch ein paar aufs Maul bekommen wenn du selber Migrant und Krüppel bist.
    Nicht das du deswegen Solidarität verdient hättest:
    http://de.indymedia.org/2008/01/206358.shtml?c=on#c479238

    Wir haben in Deutschland ganz allgemein ein Problem mit Gewalt.
    Ein Problem das darin besteht das Gewalt durch jugendliche und junge Erwachsene kaum bestraft wird solange es keine Toten gibt.
    Und das betrifft Täter mit rechtsradikalen Hintergrund genauso wie Täter ohne diesen Hintergrund.

    Nazis sind also eine Gefahr für Leib und Leben, andere auch.
    Keiner davon ist eine Gefahr für den deutschen Staat, so wie auch die RAF keine Gefahr für den Staat gewesen ist – damals sind das nur ein paar Bonzenkinder gewesen die Revolution gespielt, Banken ausgeraubt und Menschen ermordet haben.

    Denoch stimme ich dir zu das es mit dem Antinationalsozialismus in Deutschland vorbei ist.
    Im Gegenteil, ein neuer nationaler Sozialismus würden viele wohl begrüßen.
    Rassistische Vorurteile – etwa gegen blutrünstige Israelis und kulturell Unterlegene Amis – sind weit verbreitet.
    Auch und gerade beim Bildungsbürgertum.

  9. Und, was?

    Ist es nicht so, dass Antizionisten(Türken, Albaner, und so) auch gerne mal Morde begehen?

  10. „den Antifaschismus (genauer: den Antinationalsozialismus) als hohles Ritual zu verunglimpfen“

    Dazu würde ich gerne erstmal wissen, was „der Antifaschismus“ (oder „genauer: der Antinationalsoziialismus“) ist?

  11. Das Bekenntnis eines Menschen gegen eine, wie auch immer,geartete, Herrschaft oder auch nur einem Machtanspruch, auf den Grundlagen der faschistischen/bzw nationalsozialistischen ( sind ja 2 verschiedene Dinge) Ideologie und aller dazugehörigen Ideale.

    Kann man, je nach Belieben, auch auf Stalinismus/Kommunismus ausweiten (das ist ja normalerweise, interessanterweise, der erste „Gegenkommentar“ der vielen darauf einfällt), aber ich denke, in der Sache, sollten sich in dem Punkt alle einig sein. Über gewisse Dinge muss man gar nicht erst neu diskutieren, das sind Mindeststandards hinter die wir genauso wenig zurückfallen, wie hinter unsere Bekenntnisse zu Menschenrecht und der geistigen Ablöse von altem zu neuem Testament.

  12. Antijudaistisch?
    Achso, das mit dem Testament.
    Pardon, das war keine Absicht und ich will hier auch niemanden zu nahe treten – ich wollte nur die, ganz stereotype, Ablösung von einem harten Gott und harten Strafen gegenüber einer vergebenden Gesellschaft und einem, auch heute, eher positiv besetzten Gottesbild festlegen. Ich will hier nicht die jüdischen Überlieferungen auf „Auge um Auge“ runterbrechen, ich wollte nur anmerken, dass es „Fakten“ gibt, die heute auch, aus imho guten Grund, nicht mehr hinterfragt werden.

    Das ist aber noch so n Aspekt der „political correctness“-Diskussion unserer Zeit. Man interpretiert in alles viel zu viel herein.

  13. @ Wiltrud: das Hafner-Video hab ich mir angesehen. Armer Mensch, der sich mit seinen vorgestrigen Gedanken seit 65 Jahren solidarisieren muss, um die Verdrängung zu bewältigen, dass Hitler ein Monster war. Eigentlich hätte er (für ihn) besser vor 65 Jahren sterben sollen…
    Falls Sie mit dem Blog meinen erwähnt haben, danke ! 😉

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