Arbeit macht arm

Deutschland wird dank der unermüdlichen Bestrebungen von sympathischen Leistungsträgern wie dem Firmengeldveruntreuer und Gewerkschafterbestecher Peter Hartz, dessen nach ihm benannten Arbeitsmarktreformen auch nach seiner rechtskräftigen Verurteilung nicht umgetauft wurden, da man dem Pöbel je zeigen will, was man von ihm hält, endlich auch in Sachen Lohnverhältnisse mit dynamischen Arbeitnehmerparadiesen wie Moldawien oder Albanien konkurrenzfähig. 380 Euro für einen Monat Vollzeitarbeit verdient etwa, wer bei einem Personaldienstleister beschäftigt ist, der für die Lebensmittelkonzerne Rewe, Netto und Edeka tätig ist. Da bekommt der Schlachtruf der Maßanzugsträger, dass sich „Leistung wieder lohnen“ müsse, gleich einen ganz besonders sympathischen Klang…

Abgesehen von diesem skandalösen Extremfall gibt es in Westeuropa inzwischen ganze Massen von Menschen, die für eine 40-Stunden-Woche mit Beträgen zwischen 700 bis 1.000 Euro pro Monat abgespeist werden. Das erscheint vielen Arbeitgebern und ihren Propagandaorganen aber immer noch als viel zu großzügig. Fein wäre es, so finden diese Herrschaften, wenn man durch immer weitere Einschränkungen im Sozialsystem die Leute endlich dazu bewegen könnte, auch mit 600, 500 oder eben 380 Euro zufrieden zu sein. Wie die dann davon leben sollen? Wen interessiert das? Sollen sie halt in Trailerparks wohnen und jeden Tag Kartoffel fressen! Ein bisschen blöd ist bloß, dass diese neue Sklavenschicht dann als Nachfrager auf dem Binnenmarkt ausfällt, aber irgendwo werden sich schon ein paar Milliardäre finden lassen, die dringend einen Drittmaybach kaufen müssen…

Diejenigen, gegen die diese Politik gemacht wird, rennen unterdessen in die Buchhandlungen und machen Figuren wie Sarrazin reich. Und sie patschen begeistert in die Hände, wenn ihnen solche Figuren worwerfen, sie seien ein unproduktives arbeitssscheues und genetisch minderwertiges Gesindel, das man eigentlich verhungern lassen sollte. Und an den Stammtischen, wo die immer dünner werdende Lohntüte versoffen wird, wird zustimmend genickt, wenn Politiker Arbeitslose zum Hundescheißeeinsammeln schicken wollen, auf dass denjenigen, die das zuvor hauptberuflich taten, der Broterwerb streitig gemacht werde. Stimmen, die etwa einen menschenwürdigen Mindestlohn und eine bedingungslose Absicherung vor Armut fordern, werden kaum gehört. Klassenkampf ist nun wahrlich keine neue Sache. Neu ist allerdings, wie begeistert eine Klasse beim Kampf gegen sich selbst mitzumachen bereit ist.

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6 Gedanken zu “Arbeit macht arm

  1. Sensationell gut geschrieben und wahr. Der arme Mann sitzt zu Hause vorm Fernseher und drückt sich die Droge via Augen ins Gehirn,wird dadurch immer blöder und applaudiert dann eben Vollkoffern wie Sarrazin, Strache und Konsorten. Ein Bekannter von mir, selber seit Jahren Sozialhilfeempfänger ist z.B.ein großer Strache Fan und würde alle Sozialschmarotzer am liebsten auf den Mond schiessen (?!) Aber natürlich eher die Ausländer. Soviel Realitätssinn ist dann doch wieder vorhanden. Jeden Tag Sozialpornos im Fernsehen,die Wohnung wird zur Müllhalde aber im Kopfkino ist man gut befreundet mit Kapazundern wie Paris Hilton oder Robby Williams und drückt brav den Obolus für diverse Devotionalien an die Unterhaltungsindustrie ab.
    Das Opium Religion wurde durch die noch schlimmere Droge Fernsehen ersetzt.

  2. Vor 80 Jahren:
    „Fourastié sieht die Entwicklung überaus optimistisch und spricht in einem seiner Bücher („Die große Hoffnung des Zwanzigsten Jahrhunderts“) über den steigenden Wohlstand, soziale Sicherheit, Aufblühen von Bildung und Kultur, höherem Qualifikationsniveau, Humanisierung der Arbeit und der Vermeidung von Arbeitslosigkeit.“
    http://de.wikipedia.org/wiki/Drei-Sektoren-Hypothese

    Heute:
    „Von den einstigen Versprechungen einer progressiven Tertiarisierung als Bildungs-, Kultur-, Betreuungs- und Freizeitgesellschaft ist nichts übrig geblieben. Sogar der Tourismus wurde von der Krise erfaßt. Stattdessen wird nun die Elends-Tertiarisierung der Dritten Welt zum Modell auch für die Zentren des Weltmarkts. Unverfroren setzen inzwischen die westlichen politischen und ökonomisch-soziologischen Diskurse als letzte Option auf eine Massenexistenz von billigen persönlichen Domestiken wie im Frühkapitalismus.“
    http://www.exit-online.org/link.php?tabelle=schwerpunkte&posnr=22

    These: Das Gros des tertiären Sektors eignet sich sich aufgrund seiner „Unproduktivität“ nicht zur Vermittlung über die Marktkonkurrenz. Das notwengige Wissen lässt sich von vielen schnell aneignen und es sind (bspw. in der Gastronomie) kaum Produktionsmittel erforderlich. Vieles hält sich nur aus „Bequemlichkeit“ -> „Luxus“, nicht Krisensicher, leicht Rationalisierbar.

    Man stelle sich nur die Verschärfung der Prekarisierungswelle (oder gar -spirale) vor, wenn Supermarktpersonal bspw. durch automatische Zahlung via RFID und einfachere, automatisierte Logistik „freigesetzt“ werden würde. Ironischerweise würde ein „hoher“ Mindestlohn das forcieren, somit müsste der Staat gleichzeitig den Produktivkraftfortschritt hemmen und eine Erhöhung der Preise unterbinden. Ob das noch kapaitalistisch wäre und überhaupt angedacht würde? Das bezweifle ich, lieber wird das „Wirtschaftswunder XXL“ genährt durch Export nach China genährt duch Export in die USA genährt durch Schulden abgefeiert, währenddessen die Lohnarbeitslosen ja selbst schuld seien.

    Die Frage ist, ob das noch länger als 5-10 Jahre gut gehen kann..

  3. Man kann die Hartz Gesetze nicht umbenennen, weil es keine gibt.
    Die Gesetze nennen sich:
    „Erstes, zweites, drittes, viertes Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt“ und Peter Hartz hat diese auch nicht alleine gemacht.
    Das Ganze wurde von einer Kommision ausgebrütet, in der auch Vertreter der Gewerkschaften IG Metall und Verdi und jede Menge SPD Politiker gesessen haben.

    Peter Hartz ist übrigens Mitglied in der Gewerkschaft IG Metall und der SPD.
    Das Unternehmen für das er tätig gewesen ist – Volkswagen – ist zu mehr als 20 % ein volkseigener Betrieb.
    Mitglieder des Aufsichtsrats – die seine Untreue (finanzielle Zuwendungen an den Betriebsrat ) nicht bemerkt haben wollen – werden unter Anderem von den Gewerkschaften und dem Land Niedersachsen bestimmt.

    Also: Sozen und Gewerkschaftler sind anscheinend die Typen die unsere armen Volksgenossen ins Unglück stürzen wollen, damit sie sich einen dritten Maybach* leisten können…

    Früher, vor den Hartz-Gesetzen war natürlich alles besser.
    Wer da frisch von der Uni kam, einen guten Job hatte und nach 2 Jahren entlassen wurde konnte sich erst über 1 – 2 Jahre Arbeitslosengeld freuen und dann für den Rest seines Lebens 53 bis 57 % seines Nettogehaltes beziehen.
    Beim mir sind das damals 1300 Euro gewesen. Ich bin allerdings so dumm gewesen nach 9 Monaten einen Job anzunehmen der schlechter bezahlt gewesen ist als diese 1300 Euro.

    Wer dagegen keine Ausbildung hatte und dem entsprechend nur wenig verdient hat fiel häufig bei längerer Arbeitslosigkeit in die Sozialhilfe, da das Arbeitslosengeld & die Arbeitslosenhilfe (63 – 53% von zu wenig sind zu wenig) unter der Sozialhilfe lag.

    Sozialhilfe wurde von den Gemeinden bezahlt, um um die Gemeindekasse zu entlasten wurden solche Menschen häufig in ABM Maßnahmen gesteckt.
    Dort wurden sie dann zu geringen Löhnen Sozialversicherungspflichtig beschäftigt (z.B. im Stadtpark Laubfegen und Hundekot sammeln ) bis sie nach zwei Jahren wieder Anspruch auf Arbeitslosengeld hatten.
    Dann wurden sie entlassen, nur um nach auslaufen des Arbeitslosengelds wieder in der Sozialhilfe zu landen, wo sie wieder in ABM…

    Sozialhilfe war auch viel besser als das Arbeitslosengeld II.
    Sicher, es gab weniger Geld, aber wer sich nicht gescheut hat regelmäßig auf dem Sozialamt zu erscheinen und den zuständigen Beamten auf Knien um Beihilfen für den Erwerb von Kleidung, Schulzeug oder die finazierung eines Artzbesuches ect anzubetteln konnte damit leben.
    Wer dafür zu stolz gewesen ist hat halt Pech gehabt, oder wenn der Beamte seinen Gestaltungsspielraum ausgekostet hat…

    Mindestlöhne sind übrigens schön und toll.
    Ich finde auch, das Montagemitarbeiter, Produktionshelfer und Lagerarbeiter gerecht bezahlt werden sollten.
    Dumm nur das es kaum Arbeitsstellen für Montagemitarbeiter, Produktionshelfer und Lagerarbeiter mehr gibt.

    Einfache Arbeiten die von ungelernten Arbeitern ausgeübt werden können gibt es in der deutschen – und vermutlich auch in der östereichischen – Industrie kaum noch.
    Diese Industrie fertigt vor allen für den Export:
    Werkzeugmaschinen, Grund- und Spezialchemikalien, Hochleistungselektronik, Spezialstähle, Autos der Ober- und Mittelklasse ( wie der Maybach, der meist als Staatskarosse gekauft wird, oder der VW Passat das klassische Auto für den Aussendienst ).

    Mal eine Frage:
    Wie hoch muß der Mindestlohn sein, damit z.B. Wacker Chemie mehr hochreines Silizium in Deutschland absetzt ?
    Wie hoch muß der Mindestlohn sein, damit die Firma Trumpf in Deutschland mehr Maschinen zur Laserbearbeitung verkaufen kann ?
    Wie hoch muß der Mindestlohn sein, damit VW mehr Autos der Typen Passat und Phaeton in Deutschland verkauft ?

    Von einem Mindestlohn würden vor allem die Beschäftigten im Bereich Handel, Dienstleistungen und Gebäudereinigung profitieren, nicht die Beschäftigten in der Industrie.
    Und von der höheren Kaufkraft würde vor allem der Handel und die Konsumgüterindustrie profitieren.
    Dumm nur das die meisten Konsumgüter aus den osteuropäischen EU Ländern oder China kommen.

    Aber hey, mit ein bisschen Nationalismus kann man bestimmt dafür sorgen das die Leute beim Kaufen mehr „ans Vaterland denken“.

    Das Beste am Mindestlohn ist natürlich der soziale Friede den er bringt.
    Vorher noch unzufriedener Niedriglohnsklave der diesem Schicksal nur durch Bildung entkommen konnte…
    …danach zufriedener Mindestlohnsklave, der sich nicht mehr bilden muß da ja Vater Staat – wie in Schweden – dafür sorgt das er einen gerechten Lohn erhält.
    Wenn der Mindestlohnsklave trotzdem unzufrieden ist, bietet es sich dann ja an seinen Unmut umzulenken. Der Klassiker dazu sind die Juden… Irgendwie muß ich wieder an Schweden denken 😉 … oder die Polen, Rumänen und Chinesen die „uns mit ihren Billiglöhen die Arbeit wegnehmen“.

    *von circa 500 produzierten Maybachs wurden 41 in Deutschland zugelassen, soviel zum Thema dritter Maybach.
    Aber es ist immer toll auf Daimler zu schimpfen wenn es um Mindestlöhne geht, auch wenn Daimler seinen Montagearbeitern deutlich mehr als den (geforderten) Mindestlohn zahlt.
    Von dem was ein Facharbeiter, Meister, Techniker oder Ingenieur bei Daimler verdient reden wir mal lieber nicht.
    Diese Leute sind für große Teile der Linken inzwischen eh irrelevant.
    Es ist ja auch einfacher mit einem arbeitslosen Mitbürger ohne Bildungs und Berufsausbildung solidarisch zu sein, während man selber im Bereich Medien, staatlicher Verwaltung oder im Bildungswesen beschäftigt ist.
    Schließlich kennt man die Industrie nur als Umweltverschmutzer und als böse Kapitalisten, während man den Staat als Arbeit- & Auftraggeber kennt.

  4. „wenn Politiker Arbeitslose zum Hundescheißeeinsammeln schicken wollen,“
    Diese Forderung ist sehr sympathisch.

  5. @NigCake
    Noch sympathischer fände ich es, wenn Arbeitslose Politiker zum Hundescheisse einsammeln schicken würden, schliesslich sollen die sie einsammeln, die sie gebaut haben.

    @dani noir
    «Wie überhaupt dieser Blog einer der wenigen lesenswerten ist … »: treffend gesagt.

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