Kulturkrieg kommt in Fahrt

Ein liebliches gesellschaftliches Klima haben Thilo Sarrazin, BILD und die rechte Blogosphäre da geschaffen: Nach Recherchen von „Report Mainz“ bekommen Wissenschafter, die sich kritisch zu den Thesen Sarrazins äußern, Morddrohungen und hunderte Hass- beziehungsweise Droh-E-Mails. Die Kulturkrieger haben es also geschafft, so etwas wie ein Gleichgewicht der Verrohung zu kreieren. Jetzt bekommen nicht mehr bloß jene Menschen Morddrohungen, die etwas sagen, zeichnen oder schreiben, was die Islamisten in ihrem religiösen Machtwahn für todeswürdig erachten, nein, auch wer gegen pauschalisierende „Islamkritiker“ auftritt, muss nun um sein Leben fürchten. Die BILD-Parole „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“ wird ernst genommen, und gerade bei den Deutschen muss man, das hat dieses Volk bewiesen, damit rechnen, dass sie das, was sie sagen, auch so meinen und  dass den Worten Taten folgen.

„Report Mainz“ berichtet auch darüber, dass nach der Sarrazin-Debatte nun mehr als die Hälfte der Deutschen „islamfeindlichen Aussagen“ zustimme. Da wäre es freilich wichtig zu wissen, was unter „Islamfeindlichkeit“ zu verstehen ist. Streng religiöse Muslime betrachten ja so gut wie alles, was nicht in ihr korankleines Bild der Welt passt, als „islamfeindlich“. Wer gegen Frauenbenachteiligung, klerikale Allmachtsansprüche und Beschneidung der Meinungsfreiheit auftritt, also gegen die Positionen des politischen Islam, ist in meinen Augen noch lange nicht „islamfeindlich“, einmal ganz abgesehen davon, dass man in einer säkularen Gesellschaft natürlich auch „islamfeindlich“ sein dürfen muss, also den Islam als Religion ebenso in toto ablehnen können muss wie alle anderen Religionen. Da ich meine Pappenheimer aber kenne weiß ich sehr wohl, dass „Islamkritik“ bzw. „Islamfeindlichkeit“ nur allzu oft der respektabel erscheinende Vorwand ist, um muslimische Menschen hassen zu können. Wenn der typische BILD-Leser von Islamkritik redet, dann meint er: „Moslems raus“.

Nun mache ich mit keine übertrieben große Sorgen um die Muslime in Deutschland, die zum größten Teil türkischstämmig sind. Die wissen sich im Fall der Fälle zu wehren, und mit deren Schutzmacht Türkei ist weder diplomatisch, noch wirtschaftlich und schon gar nicht militärisch zu spaßen. Sorgen bereitet mit viel mehr die Gefahr, dass das zunehmend hysterische Gekreische der Radikalen auf beiden Seiten dazu beiträgt, dass politischer Abschaum in Machtpositionen gespült wird dieser und dann all das, was unsere Gesellschaften lebenswert macht, zerstört. Ich für meinen Teil möchte in einem freien Land leben, in dem die Toleranz ein ebenso wichtiger Grundsatz ist wie die Intoleranz gegenüber den Intoleranten. Wer an Allah, Gott, HaSchem oder das Fliegende Spaghettimonster glauben will, sollte das tun dürfen, aber er soll gefälligst die Finger von der Politik lassen und keine Morddrohungen ausstoßen!

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3 Gedanken zu “Kulturkrieg kommt in Fahrt

  1. Uiii, und wieder ist Sarrazin die Wurzel des Bösen!

    Was bitte ist schlecht daran, wenn Leute das was sie bisher gedacht (und gewählt) haben auch offen aussprechen dürfen?

    Abgesehen davon, daß Sarrazin nichts von dem vorgeworfenen auch wirklich geschrieben hat, ist er plötzlich auch für Morddrohungen zuständig?

    Ich bin beeindruckt – und wäre ganz begeistert, wenn der Lindwurm sich mal das Buch in einem Buchladen (oder darf er da wegen Brandgefahr nicht rein?) durchblättern würde. Das Einzige, das wirklich dem vorgeworfenen entsprechen könnte ist das letzte Kapitel, das aber im Buch selbst als Satire bezeichnet wird.

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