Deutschland sucht den Superführer

Mehr als jeder zehnte Deutsche wünscht sich einen „starken Führer“, der „mit harter Hand“ regieren solle. Etwa jeder Fünfte hätte gerne eine „starke Einheitspartei, die die Volksgemeinschaft insgesamt verkörpert“. 17,2 Prozent der Deutschen meinen, dass „die Juden auch heute noch einen zu großen Einfluss“ hätten. Fast 60 Prozent möchten „das Recht auf Religionsausübung für Muslime erheblich einschränken“. Dass „die Juden etwas Besonders und Eigentümliches haben, dass nicht so recht zu uns passt“, glauben 15 Prozent der Bundesbürger. Knapp elf Prozent sind davon überzeugt, dass es „wertvolles und unwertes Leben“ gäbe und 15,2 Prozent fordern: „Wie in der Natur sollte sich in der Gesellschaft immer der Stärkere durchsetzen“.

Quelle: Die Mitte in der Krise, eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung.

 

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16 Gedanken zu “Deutschland sucht den Superführer

  1. Aber in der Natur setzt sich nicht immer der Stärkere durch 😦

    Wenn das so wäre, dann würden überall haushohe Muskelberge herumwabern.

    Und ich hasse den naturalistischen Fehlschluss.

  2. wenn in Deutschland (wie in Wien) 27 % den originalen Rechtsextremen ihre Stimme geben, werden die Warner gegen die rechte Mitte (z.B. den Sozialdemokraten Sarrazin oder den Liberalen Wilders) zufrieden sein – Hauptsache es gibt eine saubere Trennung zwischen Gut und Böse

  3. Immerhin ist Deutschland das einzige Land in Europa ohne rechtsradikale Partei im Bundesparlament. Selbst in Schweden haben seit den letzten Wahlen Rechtsextreme Sitz und Stimme. Es ist anzunehmen, dass das Dritte Reich dafür ein Grund ist, ebenso wie in Österreich, wo sich große Teile der Bevölkerung das Land immer noch als das erste Opfer der Nazis sehen.

  4. Übrigens, zum Thema „In der Natur setzt sich immer der Stärkere durch“:

    Es gibt in der Natur mindestens gleich viele Beispiele, wo das Prinzip der Koexistenz funktioniert, wo Verbündete voneinander profitieren oder Symbiosen bilden.

    Warum ist uns dies viel weniger bewusst, als das darwinistische Prinzip der Auslese?

  5. Wilders ist doch nicht liberal – dafür ist er viel zu „sozialdemokratisch“ bzgl seiner Sozialpolitik, was wohl vor allem für Rutte das größte Koalitionsprob war. Er mag moderner sein als viele Konservative, zumindest was die „klassischen“ Problemgruppen dieser Leute, wie Frauen und Schwule, betrifft aber im Kern verbindet er, wie viele, viele Rechtspopulisten unserer Zeit, einfach soziale Versprechungen mit Nationalstaat und Abschieben von Problemen auf eine Minderheit. Er ist aber eben kein Faschist mehr – das ist der größte Unterschied zu Österreich und nicht eine wie immer geartete „Liberalität“.

  6. @Pierre…alle Bestrebungen die versuchen, die Ideale der französischen Revolution zu negieren beziehungsweise die Welt hinter diese Linie zurück zu führen. Schließlich hat sogar Goebbels damals gejubelt, dass das „Jahr 1789 nun aus der Geschichte gelöscht wäre“.

  7. und einige deutsche Politiker haben im Zug der Sarazindebatte erklärt das es keine jüdische Gene gibt.
    Somit stellen sie die Existenz eines Jüdischen Volks – und damit auch das Existenzrecht Israels – in Frage 😉

    Weitaus beunruhigender sind vorkommnisse wie die Proteste gegen den Umbau des Stuttgarter Bahnhofs.
    Nach den Argumenten der Gegner sind alle Politiker die dieses Projekt innerhalb der letzten 15 Jahre beschloßen haben entweder korrupt, unfähig oder blöd.
    Die Experten welche die Planung durchgeführt haben sind dagegen gewissenlose, profitgierige Technokraten die für Geld eine Katastrophe wie in Köln oder ein versiegen der Stuttgarter Heilquellen riskieren.

    Einzig und allein die 60 000 – 150 000 Protestierer unter der 11 Millionen Einwohnern von BaWü haben der echten Durchblick und haben damit das Recht den Bau des Bahnhofs zu verhindern, der nach den Üblichen Regeln der parlementarischen Demokratie und des Rechtsstaats legitimiert ist.

    Was macht das schon, sie sind durch das gesunde Volksempfinden legimentiert und haben damit als Minderheit die moralische Mehrheit andere zu behindern und zu gängeln.

  8. @Vetinari

    hast du eine Quelle zum Göbbels-Spruch?

    dass sich Göbbels als Links-Nationaler sah, kann man sogar auf wikipedia nachlesen:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Goebbels

    Goebbels glaubte und propagierte den linken Kurs der Gebrüder Strasser, die Sozialismus und Nationalismus wollten. Deutschland sollte ein Bündnis mit der Sowjetunion gegen den verhassten Westen eingehen. Goebbels feierte Lenin als „nationalen Befreier“ Russlands. Goebbels nannte sich selbst einen „deutschen Kommunisten“. Den Kommunismus der KPD lehnte er scharf ab, da dieser nur im Auftrag Russlands tätig sei.„Lenin opferte Marx und gab dafür Rußland die Freiheit. Sie wollen die deutsche Freiheit nun Marx opfern“.[12]

  9. @Aron..natürlich

    http://books.google.at/books?id=WNk_8-TDaV4C&pg=PA83&lpg=PA83&dq=goebbels+1789+aus+geschichte&source=bl&ots=lHHt-C5MsV&sig=7olNTfIlBUev-n3psaG59gT51QI&hl=de&ei=90m3TLqrOYfIswbx0sWlCQ&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=5&ved=0CCgQ6AEwBA#v=onepage&q=goebbels%201789%20aus%20geschichte&f=false

    gibt aber noch Dutzend Andere, also darfst du mir in dem Punkt auch wirklich glauben.
    ich finde es übrigens einerseits zu simpel, seit 1945 alles was rechts der Mitte ist als böse zu betrachten, andererseits aber ebenfalls zu billig, in konservativer Konterreaktion, einfach alle bösen Nazis als „Kulturlinke“ zu klassifizieren.

    die sowjetunion hat imho genauso wenig mit klassischen linken idealen zu tun, wie der bürgerlich-rechte individualismus etwas mit der ns-zeit zu tun haben sollte. kommunismus und faschismus sind beides perversionen der ursprünglichen gedanken. dass der kommunismus die freiheit des einzelnen subjekts, die eigentlich eine grundlinke tugend sein sollte, ablehnt, und der faschismus, im gegensatz zum libertär-freidenkenden wettbewerbsgeist, plötzlich starken staat und soziale hilfe verspricht, ist eigentlich beweis genug.

    mir ist bewusst, dass kommunismus und faschismus sich, bei bestimmten punkten und gewissen persönlichkeiten, ziemlich nahe standen (zumindest bis 1941, obgleich die verbrechen der nsdap an den deutschen kommunisten hier nicht verharmlost werden sollten. eine gewisse zeit lang waren das schließlich die einzigen gegner hitlers), aber goebbels ist damit imho völlig kongruent, wenn der stalinistischen kommunismus das wort redet, gleichzeitig aber die französische revolution verdammt. denn mit den linken idealen des 18. jahrhunderts, hatte die su wirklich kaum etwas zu tun. 😉

    ps: wenn man von der logik ausgeht, dass das eigene volk materiell unterstützt werden sollte und die „unteren schichten“ die eigene macht sicherten, dann war die gesamte nsdap eine vereinigung von „linksnationalen“. nur muss man den kontext bei so aussagen dazupacken, sonst versteht sie wiederum niemand.

  10. @Alreech…da machst du es dir aber auch zu einfach.
    der „genetische code“ der meisten juden ist sicher „ähnlicher“, als bei massenreligionen, aber höchstwahrscheinlich gibt es dennoch massenhaft juden, die auch „anders veranlagt“ sind. das existenzrecht israels leitet sich nicht aus einem gen ab, sondern aus der möglichkeit dieses recht, gegen all seine feinde zu verteidigen. alle staaten auf diesem planeten sind über kurz oder lang durch kriege entstanden, ergo sehe ich daran nichts verwerfliches.

    abgesehen davon, ist es die cdu, die am ehesten gegen eine volksabstimmung bezüglich s21 plädiert, obwohl sie doch am meisten daraus gewinnen könne, wenn denn eine mehrheit dafür wäre. der vorschlag merkels, die landtagswahl nächstes jahr als abstimmung zu sehen, wurde sogar als drohung wahrgenommen.

    und ich halte es für eine milchmädchenrechnung, alle die nicht auf der straße sind, als befürworter wahrzunehmen – so einfach läuft das einfach nicht und demonstrieren muss man sich auch erstmal leisten. faktum ist, dass die grünen im bürgerlichen bawü niemals so einen höhenflug hätte, wenn da ne handvoll „gekaufter opportunisten und linksradikaler“ auf der strasse herumhüpfen würde. das ist n protest aus der mitte des volkes, wie 1999 in wien und wenn man den bürgerlichen abspricht, sich für dinge, die ihnen am herzen liegen, auf die strasse zu gehen, dann frage ich mich, wer hier wen moralisch beurteilt.

  11. @W.Schaffenrath:

    Das „Darwinistische Prinzip der Auslese“ (was auch immer das sein soll, ein solches ist mir nicht bekannt) ist ganz bestimmt nicht „der Stärkere setzt sich durch“.

    Darwin spricht vom „Survival of the fittest“: http://de.wikipedia.org/wiki/Survival_of_the_Fittest und „Fittest“ bedeutet ganz sicher nicht „Stärkster“.

    Der Fitteste zu sein bedeutet manchmal einfach, am sozialsten zu handeln (und die meisten Synergieeffekte auf sich zu vereinen).

  12. @ Vetinari
    „Wer leugnet das die Juden ein eigenes Volk sind leugnet das Existenzrecht Israels und ist damit ein Nazi. Und mit Nazis diskutier ich nicht“
    Natürlich mache ich es mir einfach. Das Argument dient nur dazu eine Debatte abzuwürgen.
    Deswegen auch der Smilie 😉

    Zu S21.
    Es gab mehr als eine Volksabstimmung zum Thema Stuttgart 21. Oder sind Gemeinderats und Bürgermeisterwahlen keine Volksabstimmung ?

    Die Gemeinderatswahlen und Bürgermeisterwahlen in Stuttgart standen zwischen 1995 – 2009 auch immer im Zeichen von S21, vor allem Grüne, Linke und SÖS sind dagegen gewesen.
    Trotzdem konnten sie nie bei einer Oberbürgermeisterwahl gewinnen, und selbst bei der Gemeinderatswahl 2009 stellen die Gegner von Stuttgart 21 nur 22 Sitze im Gemeinderat, die Beführworter 38.

    Laut den S21 Gegner sind diese Beführworter (CDU, SPD; FDP, Freie Wähler ) natürlich alle korrupt und sind nur aus Eigennutz (oder dem ihrer Günstlinge) für das Projekt.
    Oder sie sind dumm und naiv und auf die Lügen skrupelloser Kapitalisten reingefallen, die für Profit sogar die Heilquellen in Bad Cannstatt riskieren.

    Deswegen reklamieren die S21 Gegner die MORALISCHE MEHRHEIT für sich. Sie mögen zwar bei den Volksabstimmungen zum Gemeinderat und bei den Oberbürgermeisterwahlen niemals die Mehrheit erreicht haben, aber als Kämpfer gegen die Profitinteressen des Kapitals haben sie natürlich die überlegene Ehtik, oder ?
    Sie sprechen für DAS VOLK, mit der Stimme des GESUNDEN VOLKSEMPFINDES während die etablierten Parteien natürlich nur die Interessen DER BONZEN vertreten.

    Wird S21 verhindert und bleibt der Kopfbahnhof wird verhindert das auf dem alten Gleisgelände ein neues Stadtviertel entsteht.
    Es wird verhindert das die Stadt – welche dieses Gelände von der Bahn gekauft hat – ein neues Stadtviertel plant und es an Investoren verkauft und damit Profit macht.
    Es wird verhindert das die Investoren auf diesem Gelände Häuser, Läden und Büros errichten.
    Es wird verhindert das skrupellose Menschen diese Gebäude nutzen um darin zu Wohnen, zu Leben und zu Arbeiten – sprich Profit daraus zu ziehen.
    Rechtfertigt das nicht jeden Widerstand gegen S21 ?

    Ich frag mich allerdings wie die S21 Gegner verhindern wollen das die lokalen Bauunternehmer aus der von ihne favorisierten K21 Variante Profit ziehen.
    Lassen sie Arbeitsbrigaden aus Nordkorea oder Cuba einfliegen, um das zu verhindern ?

    In der Landesverfassung von Baden Württemberg gibt es eine Möglichkeit zum Volksentscheid:
    Wird ein Gesetz vom Landtag abgelehnt kann es in einer Volksabstimmung trotzdem noch erlassen werden.

    Auf Telepolis dazu:
    Die baden-württembergische Landesverfassung ist für ein Plebiszit über Stuttgart 21 denkbar ungeeignet. Sie sieht einen Volksentscheid für zwei Fälle vor: Den Fall, dass eine Regierung sich ein besonders wichtiges Gesetz, für das sie im Landtag auch eine Mehrheit hat, vom Volk bestätigen lassen will, und den Fall, dass eine Regierung im Landtag keine Mehrheit hat, aber dennoch ein wichtiges Gesetz mithilfe der Bevölkerung gegen den Landtag durchbringen will. Der Fall, dass sowohl Regierung als auch Landtag keine wirkliche Meinung haben und stattdessen das Volk entscheiden lassen wollen, kam den Verfassungsvätern offensichtlich nicht in den Sinn. Schon gar nicht der drollige Plan der SPD, die allen Ernstes von der schwarz-gelben Landesregierung verlangt, einen Baustopp zur Abstimmung zu stellen, die dann die Mehrheit des Landtags ablehnt, um so den Weg für eine Volksabstimmung freizumachen. Aber was soll man von einer Partei halten, die sogar gegen ihren eigenen Bundeskanzler ein konstruiertes Misstrauensvotum ausspricht, um den Weg für Neuwahlen freizumachen?

    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/33/33490/1.html

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