Mauthausen reloaded?

Der ehemalige FPK*-Gemeinderat des kärntner Örtchens Seeboden Florian Semmler hat auf Facebook im Zuge einer „Ausländerdiskussion“ gefordert: „Ein gewisses Institut in Oberösterreich gehört wieder geöffnet“. Dass er damit das ehemalige KZ Mauthausen meinte, dürfte mehr als wahrscheinlich sein, bezeichnete er doch, ebenfalls auf Facebook, eine Frau als „Eva Braun, meine Führerbraut“. Der FPK-Klubobmann im kärntner Landtag, Kurt Scheuch, ließ rasch verlauten, dass Semmler kein FPK-Mitglied sei. Mag stimmen, aber er saß für die Blauen im Gemeinderat und ist jetzt blauer Ersatzgemeinderat. Dennoch distanziert sich Scheuch „von der Privatmeinung Semmlers“. Wohlgemerkt: Er distanziert sich nur allgemein von der „Privatmeinung“, nicht explizit davon, ein „gewisses Institut“ wieder in Betrieb zu nehmen. Bemerkenswert ist folgender Scheuch-Zusatz, in dem er ankündigt, man werde die Facebookseiten politischer Gegner durchforsten: „Insbesondere Jungsozialisten und auch der eine oder andere ÖVPler werden in Zukunft auch mit öffentlichem Interesse unsererseits betrachtet werden und in Zukunft wohl viel Erklärungsbedarf haben.“ Unsererseits. Also ist Semmler doch irgendwie „einer von uns“ aus Scheuchs Sicht?

Ist es schockierend, wenn jemand aus dem Umfeld der FPÖ die Wiedereröffnung von Konzentrationslagern fordert? Natürlich. Ist es überraschend? Keineswegs. Solcherlei bekommt man von manchen FP-Sympathisanten oft genug zu hören, wenn sie sich unter Gesinnungskameraden wähnen und offen sprechen. Das ist nur folgerichtig, da es personelle Übescheidungen zwischen der blauen Funktionärs- und Sympathisantenszene mit dem neonazistischen Untergrund gibt. Und Neonazis, das sei nur mal wieder erwähnt, leugnen den Massenmord in den KZ aus rein taktischen Gründen. In Wahrheit finden sie den Holocaust natürlich klasse und würden ihn gerne wiederholen bzw. vollenden.

*FPK = kärntner Filiale der FPÖ

Advertisements

3 Gedanken zu “Mauthausen reloaded?

  1. Oberwasser

    Der Sog des Wahlerfolgs von H.C. Strache schwemmt sie, wie nicht anders zu erwarten, an die Oberfläche. Das was bislang an diversen Stammtischen bei Bierlaune verzapft wurde, das wird jetzt zuweilen wieder ausgesprochen, ganz ungeniert. Der braune Abschaum zeigt sich in diversen Wortmeldungen, die Dementis der blauen Mandatsträger sind schwammig und halbherzig und gehen am Kern der Aussagen vorbei. Es bleibt zu hoffen, das der Rechtsstaat funktioniert und gewisse Rechte Recken in die Schranken weist.
    Das auch kirchliche Würdenträger vor Fehleinschätzungen nicht gefeit sind beweist ausgerechnet der Dompfarrer von St. Stefan in Wien, Toni Faber, der sich Strache mehr oder weniger ernst in die Stadtregierung wünscht und damit dem Gedankengut der Rechtsextremen die kirchliche Absolution erteilt. Auch der Dompfarrer gehört in die Schranken gewiesen, ist es Dummheit oder Absicht, es zeugt jedenfalls von selektiver Wahrnehmung wenn ein hoher geistlicher Würdenträger die aus der Nazizeit entlehnte Strategie der Strache FPÖ nicht sieht bzw. diese verharmlost.

  2. aber aber, die tun doch keinen weh und sind eine glaubwürdige und verlässliche alternative für jeden protestwähler.
    /sarcasm

  3. Also es muß nicht das KZ Mauthausen sein, es könnte ja auch die Euthanasieanstalt Hartheim in Oberösterreich sein, die dieser Mensch gemeint hat.
    Da haben die Nazi „Arier“ vergast, die sie als überflüssig – weil behindert oder angeblich behindert – qualifizierten.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s