Werbung: No sex please?

Österreichs Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek möchte gerne eine gesetzliche Handhabe gegen „sexistische Werbung“ schaffen. Zudem soll nach ihren Wünschen der österreichische Werberat durch einen „Sexismusbeirat“ ergänzt und ein „Preis für besonders herausragende Leistungen für geschlechter-gerechte Werbung“ ausgeschrieben werden. Die Reaktionen waren vorherzusehen:  Die Machos und jene, die gerne welche wären, platzten schier vor Hohn und Spott, während die Feministinnen und jene, die sich für solche halten, Beifall spendeten und meinten, das ginge noch lange nicht weit genug. Sachlich diskutiert wird der Vorschlag bislang kaum, denn sachlich das Für und Wider politischer Vorstöße zu bereden gilt als unmodern im Zeitalter der Schreihälse und Zuspitzer und Dauergrantler. Zynische Ablehnung und unkritische Zustimmung sind halt viel bequemer als sich mal anzusehen, was so eine Anti-Sexismus-Regelung für Werbung bringen könnte, ob sie sinnvoll wäre oder eher nicht.

Problematisch an der Sache ist zunächst einmal die Begriffsverwirrung. Was versteht die Frauenministerin unter „sexistischer Werbung“? Es liegt nahe anzunehmen, dass sie damit die erotisierende Darstellung von Frauen zu Werbezwecken meint. Und damit liegt sie schon mal falsch. Auch wenn die Menschen noch so sehr dazu tendieren, Begriffe für ihre ideologischen Absichten zu hijacken und diese Begriffe noch so oft falsch verwenden, macht das das Falsche nicht richtig. Ich unterstelle einfach mal, dass Heinisch-Hosek der Meinung ist, eine halb nackte Frau, mit der für Bier geworben wird, sei eine Manifestation des „Sexismus“. Das ist nur leider nicht wahr. So eine Bierwerbung mag geschmacklos sein, sie mag sexuell ausbeuterisch und vielleicht sogar misogyn sein, sexistisch ist sie nicht. Sexistisch sind viel mehr all die Putzmittelwerbungen, die das Bild der Frau als Hausmütterlein fortschreiben, denn dahinter steht ein Weltbild, das Menschen aufgrund ihres Geschlechts bestimmte Rollen in der Gesellschaft zuschreibt. Sexistisch ist, um mal klarzustellen, dass dies kein exklusives Frauenthema ist, auch nicht der muskulöse Mr. Perfect, der sich mit Badeschaum einreibt. Sehr wohl sexistisch sind Werbespots, die den Mann als kravattisertes Alphatier zeigen, der quasi „naturgemäß“ ein Anführer sein soll.

Aber selbst wenn, was ich vermute, die Frauenministerin mit „Sexismus“ die ausbeuterische Verwendung von Erotik in der Werbung gemeint hat, ist das immer noch diskussionswürdig und sollte nicht einfach als Nicht-Thema abgetan werden, denn das ist es nicht. Selbstverständlich ist das Bild von Sexualität und das Ideal von Schönheit, das die Werbung oft transportiert, zu hinterfragen, denn dass die ständige Bombardierung mit nicht erreichbaren Körpervorbildern zu psychischen Schäden vor allem bei Heranwachsenden beiderlei Geschlechts führen kann, ist längst kein Geheimnis mehr, wie ja auch junge Leute, die sich andauernd Pornographie angucken, recht abwegige und manchmal auch schädliche Vorstellungen von Sexualität und von Beziehungen entwickeln können. Die „Generation Porno“ ist nun mal nicht eine sexuell befreit herumfickende, sondern eine, die zum Schönheitschirurgen rennt und schon mit 20 Viagra schluckt, um nicht Liebe, sondern, wie man so bezeichnend sagt, Matratzensport zu betreiben. Und zwar leistungsorientiert.

Also: Die oft verzerrende Darstellung von Sexualität in der Werbung ist durchaus ein ebenso reales Problem wie echter Sexismus. Aber brauchen wir gesetzliche Regelungen, die die werbenden Unternehmen mit Strafzahlungen bedrohen, wie das Heinisch-Hosek vorschwebt? Ich meine, das brauchen wir in etwa so dringend wie der Lindwurm einen weiteren Tumor. Bestraft und überwacht und reglementiert wird hierzulande schon zur Genüge. Positive Anreize, wie zB der angedachte Preis für „geschlechter-gerechte Werbung“, könnten hingegen durchaus sinnvoll sein. Wobei sich in der Realität herausgestellt hat, dass die effektivste Waffe gegen sexistische, verletzende, pornographisierende oder rassistische Werbung immer noch die Empörung der Konsumenten ist. Gerade in Zeiten der internetbedingten Viralität kann eine provokant gemeinte Werbung rasch zum PR-Albtraum werden. Also, liebe Frau Frauenministerin: Ihr Vorstoß ist durchaus wert, besprochen zu werden, aber unterschätzen sie bitte nicht die Zielgruppen von Werbung. Klar, bei weitem nicht jede Konsumentin ist auch eine mündige, doch man muss den Nanny-Staat nicht in jede noch staatlich unkontrollierte Ecke der Gesellschaft ausdehnen.

Wo wir gerade über Werbung reden: Never say no to Panda! LOL

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7 Gedanken zu “Werbung: No sex please?

  1. well, let us just let the government tell us what to do, how to advertise, what to think. oh, ok- old idea. hitler is laughing in his grave. been there, done that.
    maybe that is the only way to rule stupid people. fuck.
    but, dear bernie, i am not telling you anything new. as they say in german: weiter so, mein freund!!

  2. der scheiss panda macht mich so wütend. wenn das arschloch lieber unschuldige menschen belästigen will, anstatt für nachwuchs zu sorgen, sollen diese viecher doch aussterben. pffrt. streichkäse, scheiß streichkäse. ekelhaftes zeug.

  3. @dicklick…das ist doch zu simpel. wenn man das bis zum ende durchdenkt ist sogar das amerikanische „freiheits“-verständnis noch diktatorisch, aber wenn jeder eine absolute freiheit hat, quasi alles zu tun, gibt es keine freiheit als solche mehr, sondern nur noch willkür des stärkeren 😉

  4. Was ich am meisten an der „Antisexismusawarenessindustrie“ bedenklich finde, ist das sie eine unheilige Allianz mit dem Puritanisten eingeht. Eine Frau, die einfach Vergnuegen am Sex mit Maennern hat, wird einfach nicht toleriert.
    Lustige und humorvolle spots werden von diesen beiden Kraeften zu Tode gejagt.
    Beiliegend zwei daenische Spots: Der erste ging viral, ist eine Produktion der daenischen Fremdenverkehrsbehoerde (man muss sich durchklicken, erstes Link auf Artikel), der zweite Werbung fuer die Ausbildung fuer Krankenschwestern.
    http://www.gawkk.com/danish-moth…er-seeking-father-in-one-night-stand-video-is-a-hoax-by-danish-government-s-tourism-agency-visitdenmark-com/discuss
    und
    http://adland.tv/commercials/dansk-sygeplejer-d-dsr-hvidzonedk-nurse-revives-man-her-breasts

    Der erste spot war sehr beliebt, aber dann wurde die Tourism Agency gezwungen, den spot ueberall von youtube zurueckzuziehen. Beim zweiten war es aehnlich: Sexismsawareness und puritanische Pruederie zusammen sind toedliche fuer eine freizuegige Behandlung sexueller Themen.

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