Sparpakete, Wut, Bomben

Wundert es denn wirklich jemanden, dass derzeit in den europäischen Staatskanzleien eine Bombenstimmung herrscht? Auf die enorme Frechheit der Finanzeliten, für die von ihnen verursachte Krise die Unter- und Mittelschichten blechen zu lassen, folgen halt Reaktionen. Die fallen je nach Tradition und Mentalität unterschiedlich aus. In Frankreich wird gestreikt und streetgefightet, in Griechenland bastelt man explosive Geschenkpakete, in Italien bleibt man kriminell und vertraut auf den Schutz von Heiligen und Mafiosi, in England trinkt man sich artig zu Tode und in Österreich, Ungarn und Deutschland gibt man die Schuld den Juden/Immigranten/Fahrradfahrern und wählt den nächstbesten  Rattenfänger und Söldner der Industriellenvereinigungen. Das ist natürlich alles recht doof und wenig zielführend, ja kontraproduktiv (mit Ausnahme der Streiks vielleicht), doch dass das Volk eine Wut im Bauch hat, kann man ihm nicht verdenken. Natürlich ziehen die Bevölkerungen, die, was Fakt ist, überall zu 80 Prozent aus Halbdebilen und Volltrotteln bestehen, falsche Schlüsse aus den finanzpolitischen Entscheidungen ihrer Regierungen. Aber dass sie beschissen werden, das merken sie, und wenn man ihnen dann noch mit Arroganz gegenübertritt und, wie es zB die österreichische Bundesregierung tat, von einem luxuriösen Wellnesshotel aus ein Sparpaket verkündet, dann sollte es niemanden überraschen, dass dies als die Verhöhung, die es ja ist, empfunden wird und dass der Österreicher dann halt den Strache wählt, denn zumindest eines haben die Ösis aus dem Geschichtsunterricht ja gelernt: Leute wie Strache mögen gefährlich sein, aber sie bauen ganz bestimmt keine „Sparautobahnen“

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12 Gedanken zu “Sparpakete, Wut, Bomben

  1. „von einem luxuriösen Wellnesshotel aus ein Sparpaket verkündet“

    diesen kritikpunkt hab ich noch nirgendwo anders bisher gelesen, obwohl ich das von anfang an als sehr stoerend empfunden hab. klare aussage: bei euch sparen wir, fuer uns gehts weiter mit luxus wie bisher.

  2. Geschätzter Herr Torsch,

    sind Sie nun Ideologiekritiker – als der Sie schon oft, was Ihre Haltung zu Isalm, Israel, Nahostkonflikt und völkische Bewegungen betrifft, aufgetreten zu sein scheinen – oder Anwalt des von den Eltiten beschissenen „kleinen Mannes“ oder gar „Volkes“, dessen „Wut im Bauch“ Sie verstehen können, den Sie in diesem Artikel – sehr glaubhaft – abgeben? Beides geht wohl eher nicht zusammen…

  3. Das mit den Finazeliten gab’s in Deutschland – um genau zu sein im Herzogtum Württemberg – schon mal.
    Damals habe auch die Finanzeliten den Staat in den Ruin getrieben. Die damaligen Politiker – also der Württembergische Herzog – konnte überhaupt nichts dafür.
    Die Finanzeliten haben ihm das Geld besorgt das er mit vollen Händen ausgegeben hat – aber daran sind doch nur die Finanzeliten schuld, oder ?

    Gut, wie dann der gerechte Volkszorn über die Finazeliten gekommen ist kann man hier nachlesen:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_S%C3%BC%C3%9F_Oppenheimer

  4. „Finanzeliten“? Am besten häng‘ noch ein jüdisch dran. Dann hat die Soße auch den richtigen Geschmack.

  5. @ „luxuriöses Wellnesshotel“

    Klar wäre der Turnsaal der Volksschule cooler, aber sich auf den Tagungsort zu kaprizieren ist eine unfassbare Peinlichkeit – zu vergleichen mit Diskussionen über Dienstwagen und andere Peanuts.

    Imho ist es eigentlich Sabotage an der ernsthaften, inhaltlichen Auseinandersetzung.

  6. Lindwurm,
    die „Finanzeliten“, die Du so bedeutungsschwer anfuehrst, sind die EU und ihre Mitgliedsstaaten. Von deren Geldtransfers und Schulden haben uebrigens auch die Unter- und Mittelschichten nicht schlecht profitiert, so dass sie nun ungehalten reagieren, wenn es nicht ewig so schoen auf Pump weitergehen soll.

  7. Ich wittere hier die Tendenz, beim Wort „Finanzeliten“ gleich mal ein antisemitisches Stereotyp zu unterstellen. Jeder, der sich ein wenig mit dem Finanzsektor auskennt, weiß, dass die antisemitische Unterstellung, dieser wäre „jüdisch dominiert“, Blödsinn ist. Ich habe also nicht die geringste Lust, wegen des Aberglaubens einiger Dummpfeifen jede Formulierung darauf abzuklopfen, ob sie auch ja nicht antisemitisch interpretiert werden könnte. Soweit kommt´s noch, dass ich mir meine Sprache von Nazis diktieren lasse!

  8. Antisemitismus ist keine Frage der Interpretation; er beginnt auch nicht erst dann, wenn man annimmt, dass der Finanzsektor (oder ein anderer gesellschaftlicher Bereich) jüdisch dominiert wäre oder, allgemeiner, wenn sich der Hass konkret gegen Juden richtet – daher geht Ihre (Nicht-)Verteidigung ins Leere -, sondern liegt in der Logik von Argumentationen und den Annahmen, die ihnen zugrunde liegen. Wenn Sie eine abgehobene Elite dem von ihr schlecht behandelten und für dumm verkauften Volk gegenüberstellen, dann bewegen Sie sich nun mal in strukturell antisemitischen Argumentationsmustern. Damit die Argumentation manifest antisemitisch wird, muss sie natürlich erst mit einschlägigem Inhalt gefüllt werden, was bei Ihnen (zum Glück) wohl eher nicht zu erwarten ist. Sie mögen eine – glaubhafte und verinnerlichte – Abscheu gegen die braune Soße haben, aber Sie kochen Ihr Gericht im gleichen Topf…

  9. @ Dave: Geh bitte! Nehmen wir mal die Hypo-Alpe-Adria. Da geht ein ehemaliges Vorstandsmitglied (mutmaßlich) mit Insiderwissen ausgestattet her und bietet einem exlusiven Club von Milliardären und Arisierungsgewinnlern (Flick & Co) an, Anteilsscheine an der Bank zu kaufen, von der er (mutmaßlich) WEISS, dass diese in wenigen Monaten zu einem überhöhten Preis von der Bayern LB gekauft werden wird und ermöglicht so diesem Milliardärsclub ein rasches Zubrot in Millionenhöhe, welches der bayrische und österreichische Steuerzahler berappen muss, und dann soll man diesen Milliardärsclub nicht „Finanzelite“ nennen dürfen und die beklauten Steuerzahler nicht als für von dieser Finanzelite als für dumm verkauft? Weil das struktureller Antisemitismus wäre? Geht´s noch ein bisserl verkrampfter?

  10. Für mich ist der Begriff Finanzelite mit dem Weltbild verknüpft das eine kleine Gruppe aus egoistischen Motiven eine große Gruppe anderer schädigt, und zwar dadurch das diese kleine Gruppe – unrechtmäßig – dazu die direkte oder indirekte Kontrolle übernommen hat.

    Wo ist da der Unterschied zu der behauptung das die Juden die Weltwirtschaft kontrollieren und aus reiner Profitgier Kriege anzetteln oder die Umwelt schädigen ?
    Wobei man Juden auch mit Amis, den Insidern oder REPTILOIDEN AUS DEM ALL !!! austauschen kann.

    Die größte Gefahr die von diesem Denkmuster ausgeht ist das konstruieren eines Kollektivs z.B. „Des Volks“ dessen Gewalt gegen einzelne legitimiert wird.

    Die weitere Gefahr ist ganz einfach das dieses Weltbild nur unzureichende Erklärungen und damit Problemlösungsstrategien bietet.

    Das Problem der Hypo-Real Estate sind keine Insidergeschäfte, sonder die Tatsache das die Organisationen welche eigentlich das Markttreiben der Banken überwachen und regeln sollen selber eine Bank betrieben haben.
    Bock und Gärtner…

    Hier liegt die Schuld weniger bei den Finanzeliten als viel mehr bei den Politikern in Österreich und Bayern.
    Und einigen anderen Deutschen Bundesländern, bei denen sich die staatlichen Landesbanken verspekuliert haben ( zu Teil mir rechtlich fragwürdigen Konstruktionen ) während der private Bankensektor ( dazu zählen auch die Genossenschaftsbanken ) solide gewirtschaftete haben.

    Auch die Ursache der Hypothekenblase in den USA welche zur Subprimekrise geführt hat ist nicht das Ergebnis des geheimen Wirkens irgendeiner Finanzelite.
    Es ist das Ergebnis einer Politik die Konsum und Wunschträume auf Pump finanziert hat.

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