Castor und die Militanz

In den Medien ist derzeit fast nur mehr Castor. Da kann ich doch nicht abseits stehen, wenn alle auf den Castor sehen! Hitzig wird diskutiert, ob es „ziviler Ungehorsam“ oder doch nur kriminell sei, im Kampf gegen die Atomenergie mal eben ein paar Einsatzfahrzeuge abzufackeln und Schotter zu klauen. Die Medien freut das Spektakel, und Hinz und Kunz spielen sich als Experten für Energie- und Rechtsfragen auf. Dabei ist die Sache watscheneinfach: Gegen Atommülltransporte zu demonstrieren, ist voll okay, Gesetze zu brechen ist – in diesem Fall – nicht gerechtfertigt. Sind ja keine Gesetze von Hitler oder Stalin. Sind auch keine sonderlich menschenfeindlichen Gesetze. Die Kernkraftgegner tun ja so als stünden sie im Widerstand gegen den Faschismus, als würde eine finstere Diktatur das geknechtete Volk  mit Giftmüll bedrohen. So ist das aber nicht. Deutschland ist eine Demokratie. Es gibt Wahlen, Parteien, freie Medien, unabhängige Gerichte, Demonstrationsrecht und all das, was einen modernen Rechtsstaat ausmacht. Objektiv betrachtet ist also Selbstjustiz von Umweltschützern schlicht kriminell, denn ein verfassunsmäßiges Grundrecht auf Widerstand mit allen Mitteln gibt es nur, wenn die Demokratie in Gefahr ist. Und ein moralisches Recht auf Widerstand existiert meiner Meinung nach auch nur dann, wenn die Menschenrechte nicht geachtet werden. Beides ist hier nicht der Fall. Ich persönlich bin übrigens ein Gegner der Atomkraft, doch diese Leute, die da ein bisserl Bürgerkrieg spielen, sind mir unsympathisch. Genauso unsympathisch wie Genmaisversuchsfeldabbrenner, „Tierbefreier“, Palästinasolidarisierer, Vorstadtrandalierer und ähnliche Intelligenzbestien. Kurz: Mag ja sein, dass der große Gorlebenwirbel dazu beiträgt, die Kosten-Nutzen-Rechnung der Energiekonzernherren ein wenig zu verschlechtern, aber mir wäre eine Auseinandersetzung, die auf dem Boden der Legalität bleibt, doch lieber als diese unangenehme Militanz. Nicht dass ich grundsätzlich und in jedem Fall gegen Militanz wäre.  Sie sollte halt nur dann zum Einsatz kommen, wenn es um die Wurst geht. Aber das scheint mir ein sehr deutsches Phänomen zu sein: Man ist gerne miltant und sogar gewaltbereit, solange der Gegner einer ist, der sich brav zurückhält und die Spielregeln der Demokratie nicht nur einhält, sondern ernster nimmt, als er müsste, man also maximal ein paar blaue Flecken riskiert. Sobald aber zB eine NSDAP auftaucht, sind sie plötzlich vom Erdboden verschluckt, die tapferen „Widerstandskämpfer“.

Advertisements

2 Gedanken zu “Castor und die Militanz

  1. Schuld an dem Chaos, das Unsummen verschlang, waren weniger die Demonstranten, sondern die Organisatoren. Wie kann man so etwas Heikles an einem Wochenende durchführen?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s