Skandal: Diplomat redet Tacheles

Kadri Ecved Tezcan, türkischer Botschafter in Österreich, hat wohl was richtig gemacht, wenn fast die gesamte politische Versagerklasse über ihn herfällt. Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) ist über Tezcans Interview mit der Tageszeitung „Die Presse“ empört und schimpft in Richtung des Türken: „unprofessionell und inakzeptabel“. Vizekanzler Erwin Pröll (ÖVP) will nicht nachstehen: „Es ist absolut unangemessen und inakzeptabel, dass sich ein Diplomat in dieser Form über die Innenpolitik seines Gastlandes äußert und ein Regierungsmitglied öffentlich derart abqualifiziert“. Auch das abqualifizierte Regierungsmitglied meckert zurück: Innenministerin Maria Fekter wies die Kritik via Aussendung zurück: Die Aussagen Tezcans seien „eine unglaubliche Entgleisung“. Es sei „eines Botschafters unwürdig, sein Gastland so zu attackieren“, so Fekter. Und die FPÖ fordert den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zur Türkei.

Und was hat  der Diplomat gesagt, das SPÖ, ÖVP und FPÖ vor Wut schäumen lässt? Hier ein paar Auszüge aus dem Eklat-Interview:

Integration ist ein Prozess. Ich war vor fast zwanzig Jahren Generalkonsul in Hamburg. Jedes Jahr lud ich die Mädchen und Buben, die aufs Gymnasium aufgenommen wurden, in meine Residenz ein und gratulierte ihnen mit Geschenken. Es gab damals so wenige türkische Gymnasiasten. Heute könnte ich das in Österreich nicht tun, denn es gibt hierzulande ungefähr 2000 türkischstämmige Studenten, die hier geboren wurden, plus 20.000 türkische Gymnasiasten. Das ist wunderbar.

Wir müssen noch einige Hausaufgaben erledigen. Aber auch die österreichische Seite muss etwas unternehmen. Es gibt Schulen, in denen türkische Kinder mit 60, 70 Prozent die Mehrheit stellen. Warum? Weil sie in Ghettos leben. Wenn Türken in Wien Wohnungen beantragen, werden sie immer in dieselbe Gegend geschickt, gleichzeitig wirft man ihnen vor, Ghettos zu formen. Und österreichische Familien schicken ihre Kinder nicht an Schulen, in denen ethnische Minderheiten die Mehrheit stellen. So werden Türken in die Ecke gedrängt.

-Außer im Urlaub interessieren sich die Österreicher nicht für andere Kulturen. Österreich war ein Imperium mit verschiedenen ethnischen Gruppen. Es sollte gewohnt sein, mit Ausländern zu leben. Was geht hier vor?

-Die Welt ändert sich. Es geht nicht mehr darum, wer dominiert und wer nicht. Es gibt keine Grenzen. Je mehr Kulturen es gibt, desto reicher werden wir.

-Integration ist ein kulturelles und soziales Problem. Aber in Österreich ist das Innenministerium für Integration verantwortlich. Das ist unglaublich. Das Innenministerium kann für Asyl oder Visa und viele Sicherheitsprobleme zuständig sein. Aber die Innenministerin sollte aufhören, in den Integrationsprozess zu intervenieren. Wenn man dem Innenministerium ein Problem gibt, wird dabei eine Polizeilösung rauskommen. (…) Ich habe mit der Innenministerin gesprochen. Sie möchte das alles nicht hören. Sie ist in der falschen Partei.

-Was sie (Fekter, Anm.) vertritt, entspricht nicht einer liberalen, offenen Geisteshaltung. Das Gleiche gilt übrigens auch für Angela Merkel. Ich war so überrascht, als sie vor zwei Wochen sagte, Multikulturalismus habe versagt und Deutschland sei eine christliche Gesellschaft. Was für eine Mentalität ist das? Ich kann nicht glauben, dass ich das im Jahr 2010 in Europa hören muss, das angeblich das Zentrum der Toleranz und Menschenrechte ist. Diese Werte haben andere von euch gelernt, und jetzt kehrt ihr diesen Werten den Rücken. Trotzdem will ich nicht sagen, dass die Migranten keine Fehler gemacht haben.

-Ich habe ihn (FPÖ-Chef Strache, Anm.) getroffen. Wir haben übereingestimmt, in nichts übereinzustimmen, was Integration anlangt. Strache hat keine Idee, wie sich die Welt entwickelt. Ich habe auch noch nie eine sozialdemokratische Partei wie in diesem Land gesehen. Normalerweise verteidigen Sozialdemokraten die Rechte von Menschen, wo immer sie auch herkommen. Wissen Sie, was mir Sozialdemokraten hier gesagt haben? „Wenn wir etwas dazu sagen, bekommt Strache mehr Stimmen.“ Das ist unglaublich.

-Wenn etwas nicht zu Ihrer Kultur gehört, haben Sie dann das Recht zu sagen, Sie wollen diese Menschen nicht? Das ist eine andere Kultur, ein anderes Parfum, eine andere Folklore. Ihr müsst damit leben. Warum habt ihr 110.000 Türken eingebürgert? Wie konntet ihr sie als Bürger akzeptieren, wenn es so ein großes Integrationsproblem mit ihnen gibt? Ihr müsst mit ihnen reden. Die Türken sind glücklich, sie wollen nichts von euch. Sie wollen nur nicht wie ein Virus behandelt werden. Die Gesellschaft sollte sie integrieren und von ihnen profitieren. Ihr müsst keine Migranten mehr holen. Ihr habt sie hier. Aber ihr müsst an sie glauben, und sie müssen an euch glauben.

-Wir wollen auch nicht, dass unsere Töchter zwangsverheiratet werden.

-Ich sage meinen Leuten immer: Lernt Deutsch und haltet euch an die Regeln dieses Landes!

-Die Leute wollen hier keine Frauen mit Kopftüchern sehen. Ist das denn gegen das Gesetz? Nein, ihr habt da nichts zu sagen. Es steht jedem frei, was er auf dem Kopf trägt. Wenn es hier die Freiheit gibt, nackt zu baden, sollte es auch die Freiheit geben, Kopftücher zu tragen. Wenn jemand die Leute zwingt, Kopftücher zu tragen, dann sollte der Rechtsstaat intervenieren. Dasselbe muss für jene gelten, die sich weigern, ihre Kinder in die Schule zu schicken. Wir haben ein Problem mit Mädchen, die mit 13 nicht mehr in die Schule gehen.

-Viele türkische Eltern glauben, dass ihre Kinder perfekt Deutsch und Türkisch sprechen. Ich erkläre ihnen dann, dass man mit 500 Wörtern noch keine Sprache beherrscht und ihre Kinder weder Deutsch noch Türkisch gut sprechen. Hier liegt das Problem: In den letzten 20 Jahren haben uns österreichische Regierungen nicht erlaubt, Lehrer aus der Türkei zu holen, um die Kinder in Türkisch zu unterrichten. Wenn Kinder ihre Muttersprache nicht korrekt lernen, werden sie auch eine andere Sprache nicht gut erfassen.

-Ob Eltern, Kinder oder Jugendliche, sie sollten alle Deutsch können. Jedes Kind sollte den Kindergarten besuchen. Ab drei oder vier, wie in den österreichischen Familien.

-In dieser Stadt (Wien, Anm.), die behauptet, ein kulturelles Zentrum Europas zu sein, stimmten fast 30 Prozent für eine extrem rechte Partei. Wenn ich der Generalsekretär der UNO, der OSZE oder der Opec wäre, würde ich nicht hier bleiben. Wenn ihr keine Ausländer hier wollt, dann jagt sie doch fort. Es gibt viele Länder auf der Welt, in denen Ausländer willkommen sind. Ihr müsst lernen, mit anderen Leuten zusammenzuleben. Was für ein Problem hat Österreich?

-In den ersten Monaten nach seiner Ankunft macht ein Botschafter Höflichkeitsbesuche. Als ich um ein Treffen mit dem Außenminister ansuchte, hieß es, der Außenminister empfängt keine Botschafter. Können Sie das glauben? Ich bin ein Botschafter von 250.000 Menschen, die in diesem Land leben. Über welchen Dialog reden wir hier?

Welch Skandal! Ein Diplomat redet Klartext statt um den heißen Brei herum. Lasst ihn uns teeren und federn! Grundgütiger, der türkische Botschafter hat völlig recht: Was zum Teufel ist los mit Österreich, dass die politische Kaste wegen eines Interviews, in dem mal einer sagt, was tatsächlich Sache ist in diesem Land, einen auf Volksgemeinschaft macht? Ist es etwa falsch, dass Türken Deutsch können sollten? Ist es falsch zu fordern, dass der Rechtsstaat dagegen einschreiten sollte, wenn Mädchen gezwungen werden, Kopftücher zu tragen? Ist es falsch, einer feigen Sozialdemokratie Feigheit vorzuwerfen? Ist es falsch, mit Strache übereinzustimmen, dass man mit ihm in nichts übereinstimmt? Ist es falsch zu fordern, dass Integrationsagenden nicht im Polizeiministerium liegen sollten? Ist es falsch, Merkels Anbiederei bei den Sarrazinisten anzuprangern?

Nein, das alles ist nicht falsch. Kadri Ecved Tezcan gefällt mir. Er ist vom Schlage eines Avigdor Liberman, denn wie der israelische Außenminister spricht er Tacheles statt weichgekochtes Diplomatengewäsch. Natürlich kann man ihm in manchen Punkten auch widersprechen und sollte zB erwähnen, dass gerade die Stadt Wien im Rahmen ihrer Möglichkeiten sehr viel für die Integration und gegen die Benachteiligung von türkischstämmigen Zuwanderern tut. Und objektiv schlecht geht es den „Türken“ weder in Österreich, noch in Deutschland. Aber dass auch einem Botschafter einmal der Kragen platzen kann angesichts des Rechtsdralls und des zunehmend  undifferenzierten Islamhasses, die EU-Europa erfasst haben, kann ich gut nachvollziehen.

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7 Gedanken zu “Skandal: Diplomat redet Tacheles

  1. „Die Leute wollen hier keine Frauen mit Kopftüchern sehen. Ist das denn gegen das Gesetz? Nein, ihr habt da nichts zu sagen.“

    ja, warum sollten auch die oesterreicher etwas in oesterreich zu sagen haben. was in oesterreich geht und was nicht sagt immer noch der tuerkische botschafter!

    „Ist es falsch, Merkels Anbiederei bei den Sarrazinisten anzuprangern?“

    nein nein alles in bester ordnung es gibt kein integrationsproblem, kein demografieproblem, alles ist super! die leute waehlen deswegen strache, weil alles in bester ordnung ist.

    grundsaetzlich gehoert viel mehr geld fuer die integration ausgegeben, man kann von leuten, die in ein land kommen, nicht verlangen, dass sie von sich aus die sprache lernen und sich anpassen, das waer ja fast schon genozid.

    und ueberhaupt, dieser boese sarrazin, der argumentiert immer nur mit zahlen und statistiken! er sollte mehr mit seinem herzen argumentieren. wusstet ihr, dass tuerkische frauen eine hoehere erwerbsquote in oesterreich haben als alle anderen? ihr koennts nachschlagen!

    jetzt koennt einer kommen und sagen, er hats nachgeschaut und das stimmt gar nicht, das gegenteil is der fall. nun, dann hat er den fehler gemacht und in einer offiziellen statistik nachgeschaut, er sollte besser sein herz befragen!

  2. ja stimmt, les ich von Aufregung die letzten Tag, dann les ich mir das Original des Interviews durch, denk mir, warum regen sich alle auf, man muss nicht mit Allem einverstanden sein, aber grundsätzlich sagt er nix ganz Falsches..

  3. komisch, dass kaum ein Türke trotz der beklagen Diskrimnierung Österreich verläßt.

    stattdessen führen die Türken über die Familienzusammenführung (Importbräute) die Zuwanderungsstatistiken deutlich an.

  4. glückwunsch lindwurm, schöner angriffiger artikel, der ganz eindeutig gegen den „mainstream“ gerichtet ist 😉

    @pol….sarazzin hat erklärt, dass es, wenn es zu einer „tatsache“ keine verlässlichen zahlen gibt, er einfach welche erfindet. wenn er dann nicht widerlegt werden kann, wird seine schätzung zur realität. fand ich dann doch etwas erschreckend 🙂

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