Warum man für Israel sein muss

Ein fast siebenstündiges Gespräch zwischen Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und US-Außeninisterin Hillary Clinton hat, wenig überraschend, nicht viel Neues gebracht. Immerhin konnte Netanyahu vor den Weltmedien deponieren, dass es Israel ernst sei mit der Absicht, eine Friedenslösung mit den Palästinensern und den arabischen Staaten zu erreichen. Auch so ein kleines Statement ist wichtig in einer Welt, in der viele davon überzeugt sind, die Israelis seien Aggressoren und die palästinensischen Araber unschuldige Opfer. In einer solchen Welt hat man es oft auch nicht leicht, wenn man sich offen auf die Seite Israels stellt. Oft genug fragen mich Leute vor allem aus dem linken Spektrum, wie ich denn als „Linker“ und Religionskritiker einen Nationalstaat verteidigen könne, noch dazu einen, der explizit ein jüdischer sein will. Auf solche immer wieder gestellten Fragen zu antworten, ermüdet mit der Zeit, doch ich versuche, diesen scheinbaren Widerspruch dennoch immer zu erklären. Die meisten Juden, so sage ich es solchen Fragenden, haben schlicht und einfach aus der Geschichte gelernt und die richtigen Schlussfolgerungen gezogen. Kein Staat konnte oder wollte sie wirklich schützen, wenn die Antisemiten zur Jagd bliesen. Hunderttausende Juden haben im Ersten Weltkrieg für ihre Länder gekämpft, unzählige Juden und Jüdinnen haben zum wirtschaftlichen, technischen und kulturellen Fortschritt der Länder, in denen sie lebten, überdurschnittlich viel beigetragen. Wie wurde ihnen gedankt? Mit Ausgrenzung und Pogromen und schließlich millionenfachem Mord. Die Lehre daraus ist ebenso einfach, wie sie Hohlgehirnen schwer zu vermitteln ist: Nämlich nicht nur ein treuherzig aufgesagtes Nie Wieder, sondern die praktische Verunmöglichung einer Wiederholung der Shoah, und dies bedeutet, einen jüdischen Nationalstaat zu schaffen, mit einer schwer bewaffneten jüdischen Armee, mit effizienten jüdischen Gehheimdiensten und diplomatischen Vertretungen in aller Welt. Anders ist den Judenmördern das Judenmorden nicht auszutreiben. Und wer es ernst meint mit seiner Gegnerschaft zum Antisemitismus, der kann nicht gleichzeitig gegen die Existenz Israels als jüdischer Staat sein. Das bedeutet nicht, dass man alles klasse finden muss an der israelischen Politik und Gesellschaft, dass man Israel nicht kritisieren dürfe. Aber Fakt ist: Wer Israel als jüdischen Staat abschaffen möchte, sei es durch konsequente Delegitimation, durch Paktieren mit Vernichtungsantisemiten oder auch nur durch einen naiven Glauben an eine Welt ohne  Nationalstaaten, der möchte Juden wieder zu leichten Opfern machen. Ja, ich weiß, das klingt alles ein wenig vereinfachend, aber ich möchte ja, dass das auch simplere Gemüter begreifen 😉

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5 Gedanken zu “Warum man für Israel sein muss

  1. Vereinfachend? mag sein. Jedenfalls ist es (gerade in seiner Einfachheit?) so schön und wahr formuliert, dass ich es mir kopiert und an die Wand gehängt habe.
    Es sind ja die „Antizionisten“, die rhetorische Verrenkungen vollbringen müssen, denn nur die Wahrheit kann man so schön und einfach sagen.

  2. Schön ausgedrückt, ohne einseitige Schuldzuschreibungen und politisches Kleingeld – auf den Punkt gebracht. Bei der Definition kann ich voll und ganz mitgehen, auch wenn Israel natürlich auch der Staat der Israelis sein muss, die keine, konfessionellen, Juden mehr sein wollen. Alle Staaten dieser Welt sind das Ergebnis mehr oder weniger erfolgreicher Kriegsführung und so ist es auch hier, nur das bei neuen Staaten natürlich auch die Konflikte noch neuer sind, aber ich glaube fest daran, dass sich auch das lösen wird.

  3. Kaum ein anderes, halbwegs ernstzunehmendes Medium bietet „linken“ Israelkritikern ein breiteres Forum als derStandard.

    Kritik an Antisemiten wird mit System wegzensiert.

    Sehr schräg gerade bei diesem Beitrag dorthin zu verlinken.

  4. Ich bin entsetzt über diese gewaltverherrlichenden, politisch zu kurz gesprungenen, platten und verallgemeinernden Kommentare. Mit dieser Geisteshaltung wird das Morden in und um Israel noch lange anhalten.
    Ein alter Freund und Jude Erich Fried hat dazu schon vor mehr als 30 Jahren Stellung genommen:
    ZITAT

    Worauf es ankommt

    Es kommt im Augenblick
    nicht darauf an
    wann es war
    daß die Unterdrückerregierung
    in Israel
    sich verwandelt hat
    in eine Verbrecherregierung

    Aber es kommt darauf an
    zu erkennen
    daß sie jetzt eine
    Verbrecherregierung ist

    Es kommt auch nicht mehr
    darauf an
    darüber zu streiten
    nach welchem Vorbild
    sie ihre Verbrechen begeht
    Diese verbrechen selbst
    tragen sichtbar die Spur ihres Vorbilds

    Aber es kommt darauf an
    nicht nur klagend oder erstaunt
    den Kopf zu schütteln
    über diese Verbrechen
    sondern endlich
    etwas dagegen zu tun

    Es kommt nicht darauf an
    was man ist
    Moslem, Christ, Jude, Freigeist:
    Ein Mensch
    der ein Mensch ist
    kann nicht schweigen
    zu dem was geschieht

    Erich Fried

    * 6.5.1921 – + 22.11.1988

  5. Heise

    und ich bin entsetzt über die Klischees, die Sie hier mit diesem „Gedicht“ verbreiten.
    Wissen Sie wie Antisemiten ihren Antisemitismus beginnen: Mit dem Satz ein guter Freund von mir, Jude, hat gesagt. Q.E.D.

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