Stuxnet: Welcome to the future

Stuxnet, der derzeit wohl berühmteste Computervirus der Welt, schein allem Anschein nach genau so zu funktionieren, wie es seine Schreiber beabsichtigt haben. Es gibt deutliche Hinweise darauf, dass der virtuelle Elitekämpfer die Nuklearambitionen des Iran empfindlich zurechtgestutzt und das Atomwaffenprogramm des Teheraner Regimes um Jahre zurückgeworfen haben dürfte. Wir sind aller Wahrscheinlichkeit nach Zeugen der ersten massiven Schlacht im Cyberkrieg, und wie in konventionellen Kriegen hat auch hier der technisch irgendwo in den 80er Jahren stehende Iran dem hochtechnisierten Angreifer wenig bis nichts entgegenzusetzen. Hilflos müssen die Mullahs zusehen, wie Stuxnet ihre Uranzentrifugen zerstört und vermutlich die große Turbine im Atomreaktor Bushehr unbrauchbar gemacht hat (bzw. kurz davor steht, gernau dies zu tun). Das Elegante daran: Kein Mensch kommt zu Schaden, kein israelischer oder amerikanischer Pilot braucht sein Leben bei der Bombardierung dieser Anlagen zu riskieren, keine iranischen Arbeiter und Wissenschaftler, die für das Regime in diesen Einrichtungen arbeiten müssen, sterben für den Wahn ihrer Herrscher. Stuxnet scheint eine ebenso mächtige wie humane Waffe zu sein. Das dürfte auch Großkotz Ahmadinedjad begriffen haben, denn dieser Schreihals ist in jüngster Zeit ziemlich kleinlaut geworden.

Soweit die positiven Aspekte. Weniger schön ist der Gedanke, dass auch Staaten oder Organisationen, die weniger noble Ziele verfolgen als die Sabotage der nuklearen Bewaffnung eines Verbrecherregimes, in Hinkunft möglicherweise ihre eigenen Varianten von militärischer Malware entwickeln könnten und damit die westlichen Demokratien angreifen. Wobei Panik natürlich nicht angebracht ist, denn das Schreiben einer dermaßen komplexen und effektiven Cyberwaffe wie Stuxnet erfordert nicht nur geniale Köpfe, sondern auch hohen zeitlichen und materiellen Aufwand sowie eine entsprechende technische Infrastruktur. All das lässt sich nicht von irgendwelchen pakistanischen oder afghanischen Höhlen aus bewerkstelligen, und auch Nordkorea und Iran dürften dafür einfach nicht die notwendigen Ressourcen haben. China wäre dazu wohl in der Lage, und vermutlich auch Russland, doch diese zwei Staaten sind derzeit nicht wirklich daran interessiert, ihren wichtigsten Handelspartnern und Absatzmärkten militärisch zu schaden. Dennoch: Der Cyberkrieg ist nun aus der SciFi-Literatur endgültig in die Welt getreten, und die Militärs aller Länder haben spätestens mit Stuxnet erkannt, dass sie für diesen Krieg gerüstet sein müssen.

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2 Gedanken zu “Stuxnet: Welcome to the future

  1. „China wäre dazu wohl in der Lage, und vermutlich auch Russland, doch diese zwei Staaten sind derzeit nicht wirklich daran interessiert, ihren wichtigsten Handelspartnern und Absatzmärkten militärisch zu schaden“
    Russland ist schon länger wieder ein guter Partner Israels, natürlich nur inoffiziell.

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