Masters of War

Dass der kosovarische Premier Hashim Thaci ein Schwerstverbrecher ist, ein Drogenhändler und Mafiaboss, der nicht einmal davor zurückschreckt, mit den Organen entführter Menschen zu handeln, ist seit Ende der 90er Jahre bekannt. Es war jedoch kein Thema für die Medien, die 1999 voll und ganz damit beschäftigt waren, den NATO-Bombenhagel auf Serbien und Montenegro zu einer humanitären Großtat umzuschreiben. Beschützt von der Kriegsmaschinerie des westlichen „Verteidigungsbündnisses“ und mit Rat und Tat unterstützt von westlichen Geheimdiensten durfte die „Befreiungsarmee“ UCK ihre ganze kriminelle Energie freisetzen und stieg so binnen kurzer Zeit zu einer der mächtigsten Mafiagruppen nicht nur des Balkan, sondern ganz Europa auf. Dass man Thaci und andere Gangster gewähren ließ und nicht mal mit der Wimper zuckte, als diese ehrenwerten Herrschaften sich nicht nur in allen Bereichen der Kriminalität betätigten, sondern Kosovo auch von Juden, Serben, Zigeunern und anderen Minderheiten „säuberten“, hatte einen einfachen Grund: Die UCK sollte die Neuordnung des ehemaligen Jugoslawien vollenden, eine Neuordnung, die Ende der 80er Jahre federführend von deutschen und österreichischen Politikern ausbaldowert worden war.

Man muss daran erinnern, denn die Leute neigen zum raschen Vergessen und verdrängen: Das große Schlachten in den jugoslawischen Sezessonskriegen, bei dem keine Seite ohne Schuld blieb, ging los, nachdem Österreich und Deutschland vorgeprescht waren und die einseitigen Unabhängigkeitserklärungen von Slowenien und Kroatien anerkannt hatten. Andere europäische Staaten sowie die USA waren zunächst vorsichtiger gewesen, schlossen sich dann aber auf Druck Deutschlands und natürlich auch aus Sorge darüber, Berlin könne den zu erwartenden Reibach in den durch Krieg neu entstehenden Märkten alleine machen, dieser Politik an. Sobald Österreich und Deutschland Slowenien und Kroatien anerkannt hatten und die Separatisten begannen, mit dem Segen des Westens eigene Armeen aufzustellen, war die letzte Chance für die Diplomatie und eine friedliche Lösung dahin. Hunderttausende Menschen mussten sterben und weitere Hunderttausende wurden vertrieben, enteignet, gefoltert und vergewaltigt. Für diese gelebte Philantropie im Weltmaßstab behängen sich Alois Mock und Hans-Dietrich Genscher bis heute gegenseitig mit Orden, während österreichische und deutsche Banken und Konzerne sich in den neuen Kleinstaaten breit machten. Sozialdemokraten und Grüne sahen dem wilden Treiben weitgehend meinungslos und schweigend zu, während Neonazis als Freiwillige auf Seiten der Kroaten und Bosnier kämpften. Letzteres sollte jedem denkfähigen Menschen zur Beurteilung der damaligen Situation ausreichen. Nicht, dass es in den Jugoslawienkriegen „Gut“ oder „Böse“ gegeben hätte, nein, und das serbisch dominierte Restjugoslawien war auch ganz sicher kein Sympathiebolzen, doch das große Sterben, Morden, Foltern und Vertreiben wäre ausgeblieben, hätte man die Separatisten nicht aufgestachelt, angestiftet und aufgerüstet.

Die Lust auf neue Grenzziehungen war in westlichen Staatskanzleien  jedoch auch nach der Zerschlagung Jugoslawiens ungebrochen, denn da war immer noch dieses Kosovo, eine weitere potentielle Filiale für Raiffeisen und Deutsche Bank und NATO. Also schürte man hübsch das nationalistische Feuer, erlaubte der UCK die Aufrüstung mittels Gewinnen aus dem organisierten Verbrechen, riet den „Freiheitskämpfern“ zu Übergriffen auf serbische Sicherheitskräfte und Zivilisten und ließ dann den ehemaligen Marxisten und nunmehrigen NATO-Generalsekretär Javier Solana den Schießbefehl erteilen, nachdem man zuvor den Serben den berüchtigten Vertrag von Rambouillet vorgelegt hatte, den kein souveräner Staat dieser Welt unterzeichnen hätte können, da dieser Vertrag ganz Restjugoslawien unter NATO-Kuratel gestellt hätte. Das Ende der Geschichte ist bekannt: Slobodan Milosevic starb in einer Zelle in Den Haag, Hashim Thaci machte politische Karriere, ohne deswegen gleich so weit zu gehen, seine Verbrecherlaufbahn aufzugeben, und es entstand ein neuer Staat, in dem kaum ein Mensch überleben kann, ohne in illegale Aktivitäten verstrickt zu sein. Eine wahre Meisterleistung der westlichen Politik und Kriegsführung.

Es sollte einem Angst machen, und zwar verdammt große Angst, dass derzeit zum Teil dieselben Gestalten, die seinerzeit an den Tragödien am Balkan als Anstifter und Brandschürer Mitschuld trugen, wieder ganz vorne mit dabei sind, die einseitige Anerkennung eines „Staat Palästina“ voranzutreiben. Diese Herrschaften meinen wohl, Israel zu einem zweiten Jugoslawien oder Serbien machen zu können. Das Muster ist ähnlich: Andauernde einseitige Dämonisierung und Delegitimation von Israel, gleichzeitig massive „humanitäre“ Hilfe für die Araber, die damit vornehmlich Waffen kaufen, und das völlige Ausblenden der Schuld der arabischen Seite und deren Versagens in den vergangenen Jahrzehnten, Israel als Realität zu akzeptieren und statt Frieden immer nur neuen Terror gewählt zu haben. Aber wenn diese vornehmlich europäischen „Masters of War“ meinen, Jerusalem würde sich einen Staat vor die Nase knallen lassen, ohne dabei mitreden zu dürfen, haben sie sich geschnitten. Eine solche „Friedenslösung“, als die man sie uns wohl verkaufen wird, wird nur eines bringen: Einen großen Krieg im Nahen Osten.

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6 Gedanken zu “Masters of War

  1. so ähnlich sah ich die Dinge damals auch – aber es hat sich doch ein wenig geändert

    die Verteufelung der Serben war unnötig – darin eine deutsche Weltverschwörung zu sehen, war jedoch auch überzogen.

    Bei Elsässer hat man gesehen, wie schnell aus dem Glauben an eine deutsche Weltverschwörung, eine amerikanische und dann eine zionistische werden kann:

    http://aron2201sperber.wordpress.com/2010/07/23/der-ur-antideutsche-und-seine-antideutschen-keule/

    auch die Kosovoren-Armee pauschal als Mafia anzusehen, ist jetzt nicht mehr meine Sicht – dass sie wie fast alle Untergrund-Armeen auch von der Mafia finanziert war, macht sie noch nicht automatisch selbst zur Mafia.

  2. „darin eine deutsche Weltverschwörung zu sehen, war jedoch auch überzogen.“Nein, denn Deutschland muss sterbien!

  3. @ Lindwurm

    Dieser Eintrag ist so überzogen und mithin absurd, dass er ohne den letzten Absatz auch locker in der jungen Welt stehen könnte.

    Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang an einen alten Artikel in der Bahamas. Der Autor gab relativ offen zu verstehen, dass er hinter deutschen (Ex-)Jugoslawien-Politik keine ökonomische Motivation erkennen kann und deshalb ein wenig ratlos sei.

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