Wikileaks-Appell der „taz“: Warum ich ihn nicht unterzeichnen werde

Die „tageszeitung“, der „Freitag“, die „Frankfurter Rundschau“, der „Tagesspiegel“, das „European Center for Constitutionel and Human Rights“, die „Berliner Zeitung“, „Perlentaucher.de“ und „netzpolitik.org“ haben einen gemeinsamen Appell gegen „Angriffe auf Wikileaks“ veröffentlicht. Darin heißt es unter anderem: „Die in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verbriefte Publikationsfreiheit ist eine Grundlage der demokratischen Gesellschaften. Sie gilt nicht nur für klassische Medien wie Zeitungen oder Fernsehanstalten. Das Internet ist eine neue Form der Informationsverbreitung. Es muss den gleichen Schutz genießen wie die klassischen Medien.“ Ja eh, das sehe ich auch so. Unterzeichnen werde ich den Appell trotzdem nicht, denn der ist mir nicht nur zu pathetisch formuliert, sondern auch zu ungenau. Wenn man schon, wie es dieser Appell tut, Internetpublikationen ganz generell mit Printmedien und Rundfunk gleichstellt, dann müsste man meiner Meinung nach auch fordern, dass sich Webmedien an dieselben Spielregeln halten sollten wie Zeitungen und TV-Stationen. Das bedeutet vor allem einmal, dass Betreiber von Websites mit Klarnamen und Impressum für ihre Ergüsse geradestehen. Wie könnte ich den „taz“-Appell unterschreiben, wenn derzeit das Netz von abertausenden anonym betriebenen Hassseiten verseucht ist? Gerade dieser Tage fährt zB eine der aggressivsten Neonazi-Websites im deutschen Sprachraum eine regelrechte Kampagne zur „Lösung der Judenfrage“. Wie kann ich angesichts der schwammigen Formulierungen im Appell sicher sein, dass, sollte ich unterzeichnen, meine Unterschrift nicht auch diesen Dreck unbeabsichtigt legitimiert? Publikationsfreiheit bedeutet nicht Narrenfreiheit, meine Herren und Damen von der „taz“.

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2 Gedanken zu “Wikileaks-Appell der „taz“: Warum ich ihn nicht unterzeichnen werde

  1. „Die in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verbriefte Publikationsfreiheit ist eine Grundlage der demokratischen Gesellschaften. Sie gilt nicht nur für klassische Medien wie Zeitungen oder Fernsehanstalten. Das Internet ist eine neue Form der Informationsverbreitung. Es muss den gleichen Schutz genießen wie die klassischen Medien.“
    Wehrhafte Demokratie, Vollidioten…

  2. Die FAZ und die Berliner Zeitung machen auch mit. Sogar der Spiegel stellt sich hinter Wikileaks: http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,734921,00.html

    „Die US-Luftwaffe sperrt WikiLeaks aus, Air-Force-Mitarbeiter dürfen manche Zeitungsseiten nicht mal mehr aufrufen. Solche Schritte kennt man sonst eher aus totalitären Staaten – ein Grund mehr, technische Zensurmechanismen fürs Netz strikt abzulehnen.“

    Alles Vollidioten, gell. Naja, halt die Meinung von Leuten die sich _nicht_ mit Netzpolitik beschäftigen, und stolz darauf sind @ Cajadehorros.

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