Kirche: Aus und vorbei?

Rund 80.000 Menschen haben im Jahr 2010 in Österreich der Katholischen Kirche den Rücken gekehrt und sind aus dem Verein ausgetreten. Sagt die Kirche selber und spricht von der „größten Austrittswelle seit der Nazizeit“. Sicher tragen die aufgedeckten Missbrauchsfälle stark dazu bei, dass es einen neuen Austrittsrekord gibt, aber als alleinige Erklärung reicht das nicht, denn Kinder wurden und werden auch außerhalb katholischer Strukturen missbraucht, die Kirche hat da gar keinen Exlusivstatus. Und schon bevor die Schweinereien diverser Prister und Kirchenangestellten ein großes Thema wurden, dünnte die Herde unter dem Hirntenstab kontinuierlich aus, wenigstens in Europa. In Wirklichkeit hat die Kirche den überhöhten Status als moralische Instanz, der ihr von den Medien und der Politik immer noch zugestanden wird, längst verloren und verspielt, und mit jedem Kirchenaustritt wackelt dieser Status stärker. Mächtig sind sie immer noch, die Herren mit den lustigen Gewändern und Hüten, mächtig und reich, aber ihr Vertretungsanspruch schwindet in dem Ausmaß dahin, wie das Kirchenvolk schrumpft. Dabei ist es gar nicht so, dass die Menschen nichts mehr von Religion wissen wollten, nein, Religionsersatz und exotische Alternativen zum Christentum boomen, denn der arme menschliche Geist will getröstet sein. Aber genau das scheint die Katholische Kirche nicht mehr zu können, ihr ging die Fähigkeit verloren, jenseits von Ritualen und hohlem Brauchtum sinnstiftend zu sein. Zumindest ist das in den Augen einer immer größer werdenen Zahl von Leuten so. In Rom scheint man den Ernst der Lage noch nicht wirklich erkannt zu haben, guckt auf die sich brav vermehrenden Schäfchen in Lateinamerika und Afrika und denkt sich: „Alles bestens, wir bleiben die Nummer 1“. Dabei zittern schon längst die Fundamente des Petersdoms unter dem Lärm von Veränderungen in der Welt, die womöglich verheerendere Auswirkungen auf die Katholische Welt haben werden als einst diverse Schismen und die Reformation.

Den Soundtrack dazu hat Franz Josef Degenhardt geschrieben:

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5 Gedanken zu “Kirche: Aus und vorbei?

  1. Schön auch, was in der Verlautbarung des Herrn Erzbischof suggestiv mitschwimmt, wenn er von der „größten Austrittswelle seit der Nazizeit“ spricht: Die Welt ist nun moralisch wieder so verkommen wie dunnemals, und jeder, der jetzt aus der Kirche austritt, so schlimm wie Adolf. Na danke.

  2. Und? Inwiefern täuscht man sich da im Vatikan?

    Ich denke, es sind viel eher die Säkularisten, die den Ernst der Lage noch nicht erkannt haben. Die Kirche braucht sich keine Sorgen um ihre Zukunft zu machen. Ihre Mitgliederzahl wächst kontinuierlich. Sie würde auch die vollständige Säkularisierung Europas problemlos überleben. Umgekehrt taumelt das säkularisierte Europa infolge seiner Gebärverweigerung gerade dem sicheren Niedergang entgegen.

    Was für eine Verkennung der Lage, wenn Atheisten und Agnostiker nun glauben, dass ausgerechnet die 2000 Jahre alten Fundamente der katholischen Kirche beben würden!

    Kleine (und bezeichnende) Ironie am Rande:

    Es war im Jahr 1988, als der Kommunist Degenhardt „aus und vorbei“ sang. Kurze Zeit später war’s dann mit der Sowjetunion und der von ihm so geschätzten DDR „aus und vorbei“.

  3. „Do not give what is holy to dogs, and do not throw pearls before swine, lest they trample them under their feet, and turn and tear you to pieces.“ (Matthew 7:6).

    take the crosses down from the public schools; it is not theirs, it is ours. strange, i feel that even more should leave the church. perhaps then we can pray in peace without fear of persecution. we are not of this world so let it hate us; it did, it does and it will. so what.

    christ himself told us that His words are not meant for everyone. when asked why He speaks in parables, Jesus replied :

    „Because it is given unto you to know the mysteries of the kingdom of heaven, but to them it is not given.“

    and a last word of advice:

    And whosoever shall not receive you, nor hear your words, when ye depart out of that house or city, shake off the dust of your feet.

  4. Soviel ich weiss haben die Nazis die Kirchensteuer eingeführt, um der Kirche zu schaden. Mittlerweile exekutiert die Kirche säumige Steuerzahler schon ca 70 Jahre lang. Ist doch irgendwie bezeichnend oder?

  5. Das Problem ist nicht, dass es in der Kirche Kinderschänder gibt.

    Das Problem ist, dass sie systematisch in Schutz genommen und die Affären unter den Tisch gekehrt wurden.

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