Feiertagsterror

Es ist soweit, das Fest der Liebe ist da, und das bedeutet, dass ab morgen in vielen Häusern und Wohnungen der totale Familienterror ausbrechen wird. Folgende Zutaten sind für eine zünftige Weihnachtskatastrophe hilfreich: 1. Ein Dezember voller Konsumstress, Kontoüberziehung und Kreditkartenplünderung. 2. Die Illusion, die in Geschichten, Filmen und falschen Erinnerungen transportierte Mär vom weihnachtlichen Idyll habe etwas mit der Realität zu tun. 3. Das Aufeinandertreffen von Familienmitgliedern oder „Freunden“, die einander ansonsten mit gutem Grund aus dem Weg gehen. 4. Eine Prise Alkohol (je mehr davon, desto intensiver das Desaster). 5. Geschenke, die eine subtile Verhöhnung oder Verachtung der Beschenkten ausdrücken (Klassiker: Kochbücher „für Anfänger“). 6. All die Monate vor Weihnachten sorgsam seine Gefühle unterdrücken und ja keine Probleme offen bereden. Hält man sich an diese Punktation, sind aufregende Festtage so gut wie garantiert und  Weihnachten wird zum kathartischen Horrortrip. Das ganze Jahr über versteckte negative Gefühle drängen mit Macht an die Oberfläche, zuerst fliegen die Beschimpfungen tief, dann die Keksschalen, und wenn man es nur intensiv genug angeht, packt irgendjemand schließlich die Pumpgun aus und kommt in die Zeitung.

Die Juden waren heuer mal wieder schlauer und haben Chanukka schon Anfang Dezember hinter sich gebracht. Und am jüdischen Friedhof in Prag lachen sich die Weisen von Zion einen Ast ab weil sie wissen, dass es der Jude Jesus war, der der Welt Weihnachten eingebrockt hat. Gut, man muss sich eingestehen, dass wir auch ohne Christentum blöde Feiertage im Dezember hätten. Wäre Jesus bei seinen Zimmermannsleisten geblieben  statt zu predigen, würden wir wohl, wie es manche seltsame Gestalten immer noch tun, über diverse Wintersonnwendfeuer hüpfen und uns mit Met besaufen. Oder wir würden Stechapfelsud trinken, uns Tierschädel auf die Rüben schnallen und auf Trommeln einprügeln, um die bösen Wintergeister zu vertreiben. Ganz egal, was die kulturellen Wurzeln sind, es gilt der Imperativ: Ende Dezember muss was gefeiert werden! Manche Leute erfinden sogar lustige neue Feste, sozusagen als Konkurrenz zum Holliday-Mainstream. Kwanzaa kommt einem da in den Sinn, diese schlechte Kopie von Chanukka. Aber egal, ob Chanukka, Weihnachten, Kwanzaa oder Mitwinternasenbohren: Das sind lauter hübsche Gelegenheiten, mal so richtig durchzudrehen und mindestens unkittbare Brüche im Verhältnis zu seinen Verwandten herbeizuführen.

Und? Fühlt ihr schon die Liebe? Falls ja: Rennt um euer Leben!

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3 Gedanken zu “Feiertagsterror

  1. Kleine Korrektur: es war wohl eher ein römisches Komitee, das der Welt Weihnachten eingebrockt hat (4, Jhd). Ich meine, der kann ja nix dafür, dass sie den am falschen Tag feiern. 🙂

    Der Feiertagsterror dagegen ist wohl eine Erfindung vom ollen Luther (passt ja ooch wieder).

  2. @@ GS: Dein Kommentar erscheint nur aus dem Grund, dass auch andere Leser sehen können, welch armseliges Würstchen du bist. Der nächste Volltrottelkommentar von dir wird ohne Warnung gelöscht.

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