Wenn Strache Yad Vashem besucht…

Wie spuckt man auf die Gräber von sechs Millionen ermordeten Juden? Wie verhöhnt man das Andenken an die Toten? Wie beleidigt man die Überlebenden und die Angehörigen der Opfer? Wie zaubert man Antisemiten ein höhnisches Grinsen ins Gesicht? Wie macht man das alles, ohne strafrechtlich belangt werden zu können? Ganz einfach: Man besucht Yad Vashem und trägt dabei die Mütze einer deutschnationalen Burschenschaft.

FPÖ-Chef Strache trägt die „Biertonne“ der Burschanschaft „Vandalia“, deren Mitglieder sich auch heute noch so eindeutige Verbindungsnamen wie „Wotan“, „Wolf“ oder „Odin“ geben. Wie es um die „Vandalia“ bestellt ist, zeigt auch ein kurzer Blick auf die Geschichte des österreichischen Neonazismus: Die Renaissance der Burschenschaften war begleitet von Gewalt: So kam es 1961 in Innsbruck zu Übergriffen auf US-amerikanische Studenten, die dabei als „Juden“ beschimpft wurden. 1965 stürmten rechtsextreme Schläger unter „Hoch Auschwitz!“-Rufen eine Demonstration gegen einen antisemitischen Professor. Dabei erschlug ein Olympe den ehemaligen KZ-Häftling Ernst Kirchweger. Zu Beginn der 60er Jahre stiegen Burschenschafter in den Südtirolterror ein und ließen diesen eskalieren. Richtete sich dieser ursprünglich gegen Sachen, so nahmen die „Volkstumskämpfer“ rund um Norbert Burger (aB! Olympia) den Tod auch von ZivilistInnen bewusst in Kauf. Diese mörderische Terrorkampagne wird nach wie vor als „Einsatz für das bedrohte Grenzlanddeutschtum“ verharmlost. Und FPÖ-Nationalrat Graf meint noch heute über den 1991 verstorbenen Neonazi: „Ich habe Norbert Burger immer geschätzt und tue das auch über den Tod hinaus.“ Dieser Verbundenheit unter dem Dach einer Burschenschaft kann offenbar auch nicht die Tatsache Abbruch tun, dass Burger in Italien wegen mehrfachen Mordes in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt worden war. Als eine der spärlichen Reaktionen wurde die Olympia, die das organisatorische Zentrum des Neonazi-Terrors darstellte, 1961 behördlich aufgelöst. Bis zur Wiederzulassung 1974 fanden die Olympen Unterschlupf bei der verübergehend reaktivierten Vandalia.

Bei solchen „Freunden“ braucht Israel keine Feinde mehr…

Veröffentlicht von

lindwurm

Der Lindwurm aus Klagenfurt

4 Gedanken zu „Wenn Strache Yad Vashem besucht…“

  1. So schauts aus, während sich viele Linke unglaublich anstrengen Israel jedwede Legitimation abzusprechen und sich mit allem und jedem auf ein Packel hauen (Hamas), verhöhnen die Rechten die Opfer der Shoah im Zentrum der Erinnerung.
    Offensichtlich geht der Strache den Israelis ziemlich am Oarsch vorbei, was wahrscheinlich mit seiner Wichtigkeit zu tun hat, er ist halt trotzdem nur ein Paintballspieler und die Idee mit dem Tönnchen stammt vom Mölzer, aber nicht einmal der wird in Israel ernstgenommen oder als Bedrohung empfunden. Mich wunderts nicht.

  2. Schlimm. Einen weiteren Grund für solche Auftritte führt der Standard nicht an: So zu provozieren, dass selbst hier darüber geschrieben wird. Eigentlich müsste man es ignorieren … nur das geht auch nicht.

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