Empört euch – gegen die Dummheit!

Es könnte so schön sein: Ein 93-jähriger Holocaust-Überlebender und Resistance-Veteran schreibt noch einmal eine Kampfschrift, in der er die Jugend auf kurzen und knackigen 32 Seiten dazu auffordert, sich zu empören, und die Jugend vertieft sich brav in die Kampfschrift und empört sich gegen das Unzumutbare. Aufstand! Widerstand! Party! Faschisten an die Laternen! Leider ist es so, dass Stéphane Hessel, der das Pamphlet „Inidgnez Vouz“ sozusagen als Vermächtnis vor dem Ritt in die Grube geschrieben hat, kein des analytischen Denkens fähiger Mann ist. Wie sonst könnte er sagen, am meisten empöre ihn „die Blockade des Gazastreifens“? Müsste ihn nicht viel mehr der Grund für die Blockade empören, wenn er sich schon ausgerechnet Gaza als Empörungsthema Nummer 1 herauspicken muss in einer Welt, in der es echte Völkermorde gibt, in der Milliarden in Diktaturen leben, in der Menschen verhungern und an heilbaren Krankheiten verrecken, in der Millionen von klerikalfaschistischen Regimen geknechtet werden, in der die Nazis wieder marschieren? Nein, davon kein Wort. Den alten Mann empört nicht, dass Fanatiker den Abzug Israels aus Gaza zu einem fürchterlichen Terrorkrieg nutzten und immer noch nutzen, ihn empört, dass Israel dagegen Schutzmaßnahmen ergriffen hat, dass sich Israelis nicht ohne Gegenwehr abschlachten lassen. Und das, Monsigneur Hessel, bedeutet Disqualifikation. Aufrichtig wäre es, sich gegen die Hamas zu empören statt gegen Israel. Ehrlich und redlich wäre es, sich mit jenen Menschen im Gazastreifen zu solidarisieren, die unter der Situation leiden, denen die Jugend gestohlen und die Zukunft verbaut wird von Terroristen, denen das Leid der Bevölkerung nicht nur egal ist, sondern die dieses Leid der Propagandawirkung wegen nach Möglichkeit zu vergrößern trachten. Schade, dass keiner dem Hessel erzählt hat, dass die Jugend in Gaza sehr empört ist – aber nicht bloß wegen der Blockade, sondern vor allem auch wegen der dafür Verantwortlichen, der Hamas nämlich. Und wenn der Tag kommt, an dem sich diese empörte Jugend der Hamas und anderer Verbrecher entledigen wird, dann wird auch die Blockade fallen. Diese Blockade ist nicht schön, und sie bedeutet Frustration und Leid für die Bewohner von Gaza, aber wenn die Alternative dazu bedeutet, dass man Vernichtungsantisemiten ungestört ihr blutiges Werk verrichten lässt, dann ist sie ein notwendiges Übel und moralisch sowie rechtlich völlig in Ordnung.

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13 Gedanken zu “Empört euch – gegen die Dummheit!

  1. @ GS :

    Geht es auch mal mit etwas substantiellem? Oder immer nur deine dümmlichste Stammtischpolemik hier?

  2. Ziemlich langweilig, das Ganze. Seltsam hingegen der von dir aufgegriffene Einwurf, sowie das Rumgeeiere von wegen „ich versteh das schon, warum sie das machen, aber..“. Ce n’est past chouette, ce vieux.

  3. Monsieur Hessels simpler Appell wird prompt mißbraucht, um antiisraelische Ressentiments zu veredeln – als wäre diese kollektive Form von Empörung nicht sowieos schon jenseits aller Vernunft & ins Unermeßliche ausgeufert.
    Was ist mit der Empörung der Islamisten? Pflegen nicht gerade sie ihr ganz spezfisches Empören am hemmungslosesten?
    Und was bittschön ist mit uns Querköpfen, die landauf landab als Wutbürger geschmäht werden, dieweil sie sich hier gegen $21 oder dort gegen die Lagerung von Atommüll unter freiem Himmel zur Wehr setzen? Wessen Empörung soll nun die maßgebliche sein – die von Mappus, Merkel und Grube – oder die des ‚grauen Blocks‘ (neuer Terminus für Berufs-demonstranten)?
    Irgendwie scheint mir das Bejubeln von Empörung wenig tauglich . Dann
    doch lieber die Fischgräte im Jackett – > http://sueddeutsche.de/kultur/sarrazin-und-die-gene-das-geheimnis-der-juedischen-intelligenz-1.997567

  4. Anscheinend hast du das Buch nicht aufmerksam gelesen oder nicht verstanden. Dein reißerischer Artikel strotzt nur so vor schlechter Polemik. Die Dummheit sollte man eher dir zuschreiben. Schon allein, daß du dich nur über die letzten 4 Seiten auslässt, und das so hinstellst als wäre es der alleinige Kontext dieses Buches, zeugt nicht gerade von Intelligenz.

  5. @Zimble Februar 27, 2011 um 1:48 vormittags – diesen Kommentar würde ich gern noch übertreffen, nur geht das leider nicht, da der Kommentator bereits exakten Klartext gesprochen hat.
    Nur hat der Blogger sein Gesülze nötig, wenn er nichts davon versteht und nur die übliche Auftragsempörerei hier versudelt?
    Das sind doch Zusammenhänge, die man nur mit Kopf ver- und bewerten kann, da sie sich dem Speichel nicht erschließen.
    Möchte wetten du hättest hier in diesem Holocaust-Überlebenden (wenn es nicht so schnöde wäre) gern einen Pacht-„Antisemiten“ gesehen, jedenfalls schreibst du so…, nur warum??

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