Im Fadenkreuz

Noch wissen wir nicht, was das Motiv jenes 21-jährigen Mannes war, der heute in Tucson der demokratischen Kongressabgeordneten Gabrielle Giffords in den Kopf geschossen, sechs weitere Menschen getötet und 18 Personen verletzt hat. Vielleicht waren die Politikerin und die anderen Opfer nur zur falschen Zeit am falschen Ort, vielleicht wurde der Täter von seiner Freundin verlassen, vielleicht hat er seinen Job verloren? Möglich ist aber auch, dass er den zunehmend hetzerischen und verrohten Ton der politischen Auseinandersetzung in den USA als Lizenz zum Töten missverstanden hat. Die hysterisierenden Kampagnemethoden der Tea Party und das hasserfüllte Gekeife verschiedener rechter Wortführer gegen Demokraten ist unverantwortlich. Und es ist schon verdammt unheimlich, wenn auf eine Politikerin, die zuvor auf einer „Abschussliste“ samt Fadenkreuzen aufgeschienen ist, eine Attentat verübt wird.

Die Tragödie von Tucson ist hoffentlich ein Weckruf, der von allen, denen an einem zivilisierten Zusammenleben und einer lebendigen, aber nicht primitiven Diskussionskultur gelegen ist, gehört wird. Und bevor hier ein falscher Eindruck entsteht: Hetze ist kein auf rechtsgerichtete Bewegungen beschränktes Phänomen. Man erinnere sich bloß daran, wie oft gegen George W. Bush auf eine Weise agitiert wurde, die mit sachlicher Kritik nichts mehr zu tun hatte und nur so durchtränkt war von Hass und Gewaltfantasien.

Wir dürfen auch nicht vergessen, dass weltweit Menschen zum „Abschuss“ freigegeben werden – von Islamisten, Nazis, Linksextremisten und anderen Fanatikern. Auch wir hier im vordergründig so friedlichen Österreich haben gemeingefährliche Idioten, die im Internet zur Jagd auf  Politiker, Journalistinnen, Richter, Staatsanwältinnen und generell gesetzestreue und anständige Bürger blasen. Man sollte das ernst nehmen, denn irgendein Wahnsinniger, der dann zur Untat schreitet, findet sich leider fast immer.

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17 Gedanken zu “Im Fadenkreuz

  1. http://www.huffingtonpost.com/2011/01/08/jared-lee-loughner-gabrielle-giffords-shooter_n_806243.html

    die videos, die der schütze auf youtube gestellt hat wirken nicht unbedingt nach dem typischen tea party zeugs. bislang sieht es eher so aus, als wäre das simpel und einfach ein verrückter, oder wie von den ersten zeugen gesagt wurde, „a fringe character“

    nichtsdestotrotz hast du natürlich recht, wenngleich es bislang nicht so aussieht, als könnte man das an jared loughner aufhängen.

  2. >>Die hysterisierenden Kampagnemethoden der Tea Party und das hasserfüllte Gekeife verschiedener rechter Wortführer gegen Demokraten ist unverantwortlich.<<
    Der Lindwurm fällt der Obamanisten-Propaganda der Mainstream-Medien zum Opfer, wie es scheint, denn auch der Lindwurm spekuliert ohne jegliche Belege über TeaParty-Ursachen, von der TeaParty aufgeheizte Stimmung usw. Schon mal was von den "hit lists" der Obamanisten gehört? Schon mal was vom linken Hass und linker Hetze mitbekommen, die da im Gang ist? Die TeaParty ist da ziemlich harmlos. Obama-Anhänger geben die Provokateure (und wurden bald als solche ausgemacht und geoutet).
    Es gibt zwei Stereotype, die nach jeder Tat sofort und ohne jede Belege in die Welt gesetzt werden: "angry white male" und natürlich konservativ-rechts. Anders geht es nicht, auch wenn sich so gut wie jedes Mal rausstellt, dass es ein Linker war! (Der Attentäter von gestern war wohl weder rechts noch links, sondern nur durchgeknallt.)
    Herzlichen Glückwunsch!
    Ich empfehle hier nachzusehen, das ist die Entwicklung in den ersten Stunden ständig aktualisiert worden:
    http://michellemalkin.com/2011/01/08/horror-arizona-rep-gabrielle-giffords-6-others-murdered-at-tuscon-event/

  3. Für Sarah Palin und die Tea-Party-Bewegung hat die McCarthy-Ära noch nicht geendet und gilt immer zunächst die Schuldvermutung. (sogar hier beim Lindwurm)

    http://aron2201sperber.wordpress.com/2010/05/02/hexenjagden/

    Wenn Einzeltäter aus politischen Gründen Verbrechen verüben, geht es in Wahrheit meistens um die eigene Psyche.

    Attentate unbedeutender Menschen auf bedeutende Menschen des öffentlichen Lebens hat es immer schon gegeben und wird es auch weiterhin geben. Oft sind die Opfer Politiker (z.B. John F. Kennedy, Ronald Reagan, Richard Nixon) – entscheidend ist dabei jedoch mehr die Bedeutsamkeit des Opfers (z.B. John Lennon) – je bedeutender das Opfer, desto bedeutsamer die Tat.

    Die Tat ergibt sich meistens aus dem Zusammenteffen eines psychischen Krankheitsschubs und einer günstigen Gelegenheit. Auch Lee Harvey Oswald hatte das Gewehr ursprünglich für einen anderen Politiker gekauft.

  4. Habe ich. Mit noch weniger Schaum, als den, den ich ohnehin schon nicht hatte.
    Hat sich nichts geändert. Wer von hysterisch gegen Demokratein geifernden TeaParty-Leuten schreibt, hat keine Ahnung, was da drüben wirklich los ist.
    Schau selbst mal nach, was die Demokraten und ihre Leute so treiben. Ich habe nicht umsonst zeitweise von „Obamas roter SA“ geschrieben. Und ich bin es leid, dass in Europa immer die linke Schiene vermittelt und geglaubt wird. Selbst bei Leuten, die ich eigentlich schätze.

  5. Keine Frage, so komische Plakate wie das auf der sarapac web-site haben in einer modernen Demokratie nichts verloren, aber schon gar nichts..

    Allerdings warne ich davor hier einen Konnex zu der furchtbaren Tat „konstruieren“ zu wollen..

    Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, und daran wird sich nix ändern, weiss man bereits, dass diese Tat von einem verrückten Einzelgänger begangen wurde, also die Ursache liegt eindeutig im Geisteskrankheitsbereich..wieweit und vor Allem was für kurzfristige Anlässe es braucht, damit so ein Mensch zur Tat schreitet, können Psychiater sicher besser beurteilen..ein einziges Plakat ist es aber sicher nicht..

    Der Tat liegt eine schwere, offenbar unbehandelte Geisteskrankheit zugrunde, der Täter war schon einige Zeit sehr auffällig, seine Eltern wussten keinen Rat, und bei aller Tragik, sowas wird sich leider auch in Zukunft nie ganz verhindern lassen..

    http://www.nytimes.com/2011/01/09/us/politics/09shooter.html?_r=1&ref=global-home

  6. @hans molitor
    Na ja, genau das sind die Sachen, die uns jetzt unterschlagen werden.
    Übrigens, was die Fadenkreuze angeht, was ist mit diesem hier (http://gatewaypundit.rightnetwork.com/wp-content/uploads/2011/01/sarah-target1-260×300.jpg – hat Gateway Pundit von einer linken Truppe)?
    Und was die Erkenntnisse angeht: Der Mörder war schon hinter Giffords her, bevor er etwas von Palin wusste: http://online.wsj.com/article/SB10001424052748703667904576071191163461466.html?
    Weil sie ihre „Die TeaParty“ und die Republikaner sind schuld-These damit nicht mehr aufrecht erhalten können, sagen sie jetzt, der Typ sei sauer gewesen, weil die Republikaner gegen Obamacare vorgehen (http://gatewaypundit.rightnetwork.com/2011/01/disgusting-former-senator-kerrey-tucson-shooter-was-angry-because-gop-is-going-to-repeal-obamacare-video/) – aber wieso will er dann eine Frau umbringen, die dafür gestimmt hat? Ausgerechnet einer, der ein Obama-Fan ist (http://www.freerepublic.com/focus/f-news/2654299/posts)?

    Das alles müsste unsere Qualitätsjournaille jetzt bringen, wenn sie an der Wahrheit interessiert wäre. Noch besser, hätten sie das Nachplappern der Lügen und dreisten Anschuldigungen sein lassen können. Vielleicht wäre dann auch der Lindwurm nicht hinterhergehechelt.

  7. Und bevor hier ein falscher Eindruck entsteht: Hetze ist kein auf rechtsgerichtete Bewegungen beschränktes Phänomen.

    Und genau hier liegst du falsch. Es gibt in den US-amerikanischen Medien einen starken qualitativen Unterschied zwischen linken und rechten Kommentatoren, wenn es um Aggressivität und Gewaltmetaphern geht. Paul Krugman hat das in der NYT gut umrissen:

    Where’s that toxic rhetoric coming from? Let’s not make a false pretense of balance: it’s coming, overwhelmingly, from the right. It’s hard to imagine a Democratic member of Congress urging constituents to be “armed and dangerous” without being ostracized; but Representative Michele Bachmann, who did just that, is a rising star in the G.O.P.

    And there’s a huge contrast in the media. Listen to Rachel Maddow or Keith Olbermann, and you’ll hear a lot of caustic remarks and mockery aimed at Republicans. But you won’t hear jokes about shooting government officials or beheading a journalist at The Washington Post. Listen to Glenn Beck or Bill O’Reilly, and you will.

    (Quelle: http://www.nytimes.com/2011/01/10/opinion/10krugman.html?_r=2&ref=opinion)

  8. “It will be important to avoid drawing prejudicial conclusions from the fact that Major Hasan is an American Muslim whose parents came from the Middle East.”

    NY Times Editorial zum Foot Hood Massaker, Nov. 2009

    “It is legitimate to hold Republicans and particularly their most virulent supporters in the media responsible for the gale of anger.”

    NY Times Editorial zum Tucson Massaker, Jan. 2011

  9. @NYtimes-Watch: süß. Aber ohne Quellenangaben, insbesondere ohne Angaben der Autoren, wertlos, und noch dazu eine vollkommene Themenverfehlung.

  10. @ foo: krugman ist genauso objektiv wie glenn beck, seine bewertung ist genauso zu vernachlässigen wie das zeug, das du auf FOX siehst. es täte dir nicht schlecht, dich in zukunft umfassend und objektiv zu informieren und nicht nur das zu lesen, was du lesen willst.

    man merkt bei dir einfach, was für ein leichtes spiel propaganda jeder art bei unkritischen menschen hat.

    der beitrag von NY times watch zeigt ja schon sehr schön die absurdität der „biased mainstream media“ auf. kein wunder, dass immer weniger leute den MSM vertrauen bei dem offensichtlichen schwachsinn, der dort laufend geschrieben wird…

  11. @pol: danke, ich kenne die Sendungen von Beck, O’Reilly, Olbermann, Rachel Maddow. Wer wie du die Verschwörungstheorien und Vernichtungsrhetorik, die ein Beck oder ein O’Reilly so bringt, dann auch noch verharmlost, der hat echt nicht mehr alle Tassen im Schrank. Ja, Vernichtungsrhetorik. Schau dir einfach nur die Menge an Sendungen an, in denen Beck, O’Reilly oder einer der zugeschalteten Gäste die Verhaftung oder gar die extralegale Tötung von missliebigen Personen gefordert hat. Genau das sind die Dinge, die eine Rachel Maddow oder ein Keith Olbermann niemals auch nur denken würden. Verhaftung politischer Gegner? Tötung von vorher verleumdeten Personen? Only on FOX News. Dass sich der Lindwurm nicht dazu äußert, finde ich auch bedenklich, zumal er ja in der Vergangenheit selber mit persönlichen Drohungen aus einem politisch radikalen Spektrum zu tun hatte.

  12. @ foo: *facepalm*

    jetzt wisch dir den schaum vorm mund weg und versuche wenigstens zu verstehen, was ich geschrieben hab, anstatt hirnlos draufloszugeifern.

    memo an mich selbst: in zukunft einfachere sätze verwenden, damit auch blödis meine beiträge verstehen.

    hab ich eigentlich irgendwo geschrieben, dass ich glenn beck oder fox news toll finde? natürlich nicht. warum foo das aus meinem beitrag rausliest? keine ahnung, der hats wohl nicht so mit lesen.

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