Kommunismus kann gar nix

Zur aktuellen Kommunismus-Debatte in Deutschland und Frankreich kann man sich kurz fassen: Alle Versuche, den Kommunismus einzuführen, endeten in Diktatur, Unterdrückung, Gulag, Elend und (Massen)Mord. Alle. Immer und überall. Case closed.

Ergänzung: Karl Marx kann man trotzdem gewinnbringend lesen. Man muss halt kapieren, dass Marxismus keine  Ideologie, kein fest zementiertes Staatsfundament, sondern immer nur Analysewerkzeug sein kann, und als solches taugt er ganz gut, wie man auch generell festhalten muss, dass die Welt ohne Karlchens Schriften eine dümmere wäre. Dumm sind freilich auch jene, die Marx als den Höhe- und Endpunkt der Philosophie verehren und meinen, sie hätten die ultimative Handlungsanleitung zur Herstellung einer besseren Welt in Händen. Eine Warnung hätte allen Marxisten sein müssen, dass bereits ihr großer Übervater an der Realität in dem Sinne kläglich gescheitert ist, dass er Ereignisse seiner Zeit grob falsch interpretierte. Als 1873 in London, New York, Wien und Berlin die Börsen crashten, schrieben Marx und Engels einander euphorische Briefe des Inhalts, das nun der Zusammenbruch der Marktwirtschaft unmittelbar bevorstünde und die Zeit für die Revolution gekommen sei. Die beiden Superhelden des Kommunismus lagen natürlich falsch. Es entbehrt nicht einer fetten Portion Ironie, dass diese allererste Generation von Marxisten ausgerechnet den frühen Christen glich. So wie die Jesus-Freaks der ersten Jahrhunderte davon überzeugt waren, dass die Wiederkehr des Messias und damit das Ende aller Tage demnächst stattfinden würde, glaubte auch Marx, den von ihm prophezeiten Zusammenbruch des Kapitalismus noch persönlich zu erleben. Es kam anders, und es sollte auch danach immer anders kommen, als von Marx´ Fanclub erwartet bzw. erhofft.

Jetzt ist wieder ein bisschen Krise, und wieder schreiben Marxisten bzw. Kommunisten, die wohl unbelehrbarsten unter den apokalyptischen Sektierern, den Untergang herbei. Und wieder wird er nicht verschwinden, der Kapitalismus, sondern sich anpassen und stärker als zuvor sein. Da helfen keine wütenden Anstiftungen zum „Aufstand“, da nützt kein Feuilletonrevoluzzergeschreibe – die Marktwirtschaft wird auch die aktuellen Turbulenzen gesund und munter überstehen. Weil diese Form der Wirtschaft der menschlichen Natur nun mal sehr gut entspricht. Aber Vorsicht: Deswegen ist Kapitalismus noch lange nicht „human“, weshalb es ja auch einer gestalterischen Politik und ethischer Normen bedarf, um die Menschen zu beschützen. Und hier sollten wir dem Sozialstaat europäischer Prägung Anerkennung zollen. Der lässt die Unternehmer unternehmerisch sein und sorgt trotzdem dafür, dass der Kapitalismus nicht in Barbarei ausartet. Der moderne Sozialstaat ist entgegen der Propaganda seiner Feinde von rechts und links eine einzigartige Erfolgsgeschichte. Kein anderes System gewährt so vielen Teilen der Bevölkerung so viel Teilhabe am Wohlstand, nirgendwo sonst ist das Verhältnis zwischen Freiheit und Gemeinnutz so ausgewogen und letztlich für alle Beteiligten ein Gewinngeschäft. Das ist eine enorme historische Leistung, vollbracht von Sozialdemokraten, Gewerkschaften und vernünftigen Konservativen und Liberalen. Und den Sozialstaat gilt es zu schützen, denn so lange der funktioniert, haben Kommunisten und Faschisten und Fanatiker jeder Sorte nur den Platz im Schmollwinkel, von dem aus sie beleidigt Kassandra spielen. So soll es sein, so ist es gut, aber auf die faule Haut legen spielt es trotzdem nicht. Demokratie und Wohlfahrtsstaat müssen andauernd neu bewertet, gestaltet, ausbalanciert und verteidigt werden. Sollten wir dazu zu faul sein, so stehen die unangenehmen Alternativen schon in den Startlöchern.

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11 Gedanken zu “Kommunismus kann gar nix

  1. „Alle Versuche, den Kommunismus einzuführen, endeten in Diktatur, Unterdrückung, Gulag, Elend und (Massen)Mord. Alle. Immer und überall. Case closed.“
    Offensichtlich ein bisschen zu viel CNN Propaganda gesehen oder?

  2. Wahre Weise Worte
    Ich kann Vergleiche zwischen Kommunisten und Nazis nebenbei nicht mehr ertragen, weil damit Philosophie und Durchführung als das gleiche betrachtet wird und weil die Nazis dabei oft viel zu gut davonkommen. Man muss diese Dodln getrennt analysieren sonst tut man ihnen unrecht.

  3. GS, das Sie keine Ahnung haben, woghin der Versuch des Kommunismus geführt hat, hätten Sie nicht auch noch so betonen müssen.

  4. yael1
    Da Sie das Freiluftkonzentrationslager Gaza als absolut notwendig bezeichnen sollten Sie nicht über Länder bzw Systeme sprechen von denen Sie keinerlei Ahnung haben.

  5. Der Beitrag von „@ GS“ erscheint nur aus dem Grund, weil er uns in aller Kürze die totale Dummheit und/oder Verkommenheit seines Verfassers vor Augen führt.

  6. Sie armes Würstchen GS, ich habe aus persönl. Erfahrung mehr Ahnung als Sie Judenhasser jemals haben werden. Aber Ihre Eigentore sind bekannt und ihre Nazivergleiche sprechen Bände.

  7. @ @GS:
    Gell, so richtig schlimm ist das, gar keine Lösung soll er sein, der Kommunismus. Weil du mir wirklich leid tust, kriegst du jetzt etwas zur Beruhigung. Oder auch nicht.

  8. Dem muss ich entscheiden widersprechen!

    1. Sind Menschen keine Maschinen und Geschichte ist weder vorherbestimmt, noch unterliegt sie irgendwelchen Gesetzen (außer jenen der Natur).

    2. Solange es Kapitalismus gibt, wird es Gegenentwürfe dazu geben.

    3. Weder Kapitalismus noch Kommunismus entsprechen der „menschlichen Natur“, über jene ist nämlich wenig bekannt. Geschichte und Gesellschaft wird gemacht!

    4. Ist nicht jeder Versuch, den Kommunismus zu verwirklichen an sich selbst gescheitert. Berühmtestes Beispiel: Spanische Revolution (http://www.anarchismus.at/txt3/spanien1.htm)! Jene ging nicht an sich selbst, sondern am übermächtigen Gegner zugrunde!

    5. Auch in Russland sah es am Anfang der Revolution anders aus. Und zwar bis zu dem Zeitpunkt, als Lenin und die Bolschewiki als „Inhaber der Wahrheit“ gegen die Revolution putschten, sie zur Parteisache erklärten und die Räte abschafften!

    6. Alle Regime, die sich danach auf Marx beriefen, meinten eigentlich Lenin. Und der Leninismus ist nichts anderes als konsequenter Sozialdemokratismus und naive, aber macht- und sendungsbewusster Anwendung des Histomat und Diamat.

    7. Eine andere Welt ist möglich! Allerdings gilt, was viele schon seit 150 jahren wissen: Der Sozialismus/Kommunismus wird frei sein, oder er wird gar nicht sein!

    8. Der Sozialstaat europäischer Prägung war eine historische Erscheinung, die so nur unter bestimmten Verhältnissen funktionierte. Erfunden wurde das ganze aber in den USA (New Deal, Fordismus) und zugeschnitten war er auf den Familienvater als Mittelpunkt der „Keimzelle des Staates“. In der Form, in der er in Erscheinung trat, war er nix anderes als eine Nachkriegsordnung (wobei anzumerken ist, dass der Krieg der größte Keynesianer ist!) und durchgesetzt wurde er nicht nur mit dem Zuckerbrot, sondern oft auch mit der Peitsche!

    9. Wir sind zu faul, um neu zu bewerten, zu gestalten, aus zu balancieren und zu verteidigen! Und diese Passivität ist eine direkte Folge des Sozialstaates!!!

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