Kärntner Regionalmedienhölle

Heute habe ich endlich mal die Muse gefunden, am WC die neueste Ausgabe des Gratisklopapiersmagazins „Klagenfurter“ zu studieren. Welch aufschlussreiche Lektüre, und so elegant formuliert! „Bei seinem Besuch bei der Nordsee in Klagenfurt verteilte Landeshauptmann Dörfler Sicherheitsjacken und machte damit den Mitarbeitern ein großes Geschenk“. Herrlich. Da meint man fast, die Parteizeitung von Nordkorea in Händen zu halten: „Bei seinem Besuch der 5. Artilleriekompanie verteilte der Geliebte Führer Wintersocken und machte damit den Genossen der Volksverteidigungsarmee ein großes Geschenk“. Mal blättern, mal schauen, was es da sonst noch so gibt an peinlicher Hofberichterstattung in diesem großartigen Druckwerk. „Das Nikolausspringen der Freiheitlichen in Klagenfurt besuchte auch Landesrat Harald Dobering. An die zahlreichen Besucher und Kinder wurden Adventkalender und Nikolaussackerln verteilt. Erfreut ist Dobernig darüber, dass in Kärnten Brauchtum und Tradition soviel Bedeutung haben“. So würden sich wohl alle Zeitungen lesen, wenn die Nazis den Krieg gewonnen hätten. „Besucher und Kinder“ – Grundgütiger!

Sehr hübsch ist auch die Einladung an die Leserschaft, interaktiv zu werden: „Senden Sie uns Ihre persönliche Story. Vielleicht über ihren Nachbarn, der Außergewöhnliches geschaffen hat, über Schicksale, über Glück und Spannung. Es kann ein Bildbericht über einen schönen Ausflug, ein Naturerlebnis, eine aufregende Bekanntschaft oder Begegnung sein (…). Was wir ablehnen und in den Papierkorb werfen: Anschuldigungen, Beschimpfungen, Politik und Bösartigkeiten. Auch für Romane haben wir keinen Platz, aber für nette Gedichte oder Zeichnungen findet sich immer ein Plätzchen“. Immerhin macht der „Klagenfurter“ im Gegensatz zu vielen anderen Zeitschriften kein Geheimnis daraus, dass er seine Leser für ein bisserl deppert hält. Eine Einschätzung, die so falsch nicht sein dürfte.

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3 Gedanken zu “Kärntner Regionalmedienhölle

  1. auch das bisschen Text zwischen den Werbeeinschaltungen und offenen oder schlecht getarnten PR-Texten in der „Woche“ bzw. ihrem Mutterblatt, der „Kleinen“, liest sich um nichts besser…

  2. Ein bisserl deppert? Du bist aber sehr generös, heute, Bernhard. One and only Ausgabezweck des „Klagenfurter“: Dem Leser die Scheuchklappen seines eigenen Seins zu festigen. Und die Brut vom Arnulfplatz finanziert diese Scheuklappen – sie sind auch die Nutznießer der folgereich-verräterischen Käuflichkeit von Gratismedien. Aber das „übersetzen“ wir jetzt einmal: Politiker stellen sich mit unserem Geld ins Rampenlicht und verdunkeln dabei unsere Helligkeit, vulgo wir verblöden uns selbst, betreiben eine Eigendynamik des Dümmerwerdens. Ein bisserl deppert?

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