Laura und die boys

Ein Artikel im „Standard“ über SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas und deren Seilschaft aus ehrgeizigen Jungpolitikern hat hunderte, fast durchwegs höhnische Leserreaktionen provoziert. Dazu dürfte nicht unwesentlich die Bebilderung des Berichts beigetragen haben, denn diese Michgesichter mit Föhnfrisuren und Designerklamotten wecken wohl bei vielen Leuten Assoziationen zur berüchtigten Buberlpartie Jörg Haiders, deren Markenzeichen neben dem Fehlen jeglicher Moral ja auch ein persönliches Erscheinungsbild war, das einer Yuppie-Satire aus den 80er Jahren entsprungen sein hätte können. Aber ist dieser Shitstorm aus Spott und Verachtung, der Laura und ihren boys seitens der „Standard“-Leserschaft entgegenschlägt, objektiv gerechtfertigt? Aus den meisten Postings spricht eine unangenehme Mischung aus verkapptem Neid, Generalverdacht gegen die Jugend und Arroganz der Boheme. Inhaltlich wird auf die politische Arbeit der Portraitierten kaum eingegangen. Doch nur darum kann es gehen, wenn ich politisch aktive Menschen bewerten möchte – um deren Leistungen und nicht deren Alter, Frisuren oder Verwandtschaftsverhätnisse.

Nun weiß ich zuwenig über Nedeljko Bilalic, Marcin Kotlowski, Niko Pelinka und Raphael Sternfeld um wirklich beurteilen zu können, was die persönlich können, wie sie ihre Jobs machen, ob sie tatsächlich als Zukunftshoffnung der Sozialdemokratie durchgehen. Engagiert und politisch dürften sie aber sehr wohl sein, denn wenn es denen nur um die schnelle Karriere und das große Geld ginge, gäbe es angenehmere und weniger aufreibene Betätigungsfelder als die Politik. Und es gäbe Parteien, in denen der Marsch zum Futtertrog mit weniger Stress verbunden ist als in der SPÖ mit ihren oft nur schwer durchschaubaren Machtzirkeln und unzähligen aufgestellten Schnappfallen, die auf Politneulinge lauern. Freilich ist es grundsätzlich betrachtet unsympathisch und nicht demokratisch ideal, wenn das Seilschaften-Prinzip greift und Leute, die in Machtpositonen gelangen, dann ihre Jugendfreunde nachziehen, doch kenne ich keine Partei, keine Organisation, keine Staatsform, wo das nicht so laufen würde. Am Ende des Tages zählt, was die handelnden Personen zustande bringen, und was die Partie um Laura Rudas betrifft, sehe ich deren Leistungen nicht ganz so negativ, wie viele andere Sympathisanten der SPÖ. Rudas hat sicherlich einige Schwächen. So geraten etwa öffentliche Auftritte der SP-Geschäftsführerin nicht selten zu kleinen PR-Desastern, da sie nur allzu oft ins Phrasendreschen verfällt, wenn sie von vorbereiteten Texten abweichen muss. Die 29-Jährige muss diesbezüglich noch einiges lernen. Die Partei jedoch, und daran wird Rudas ja wohl maßgeblich beteiligt sein, hat sich in den vergangenen Monaten den Platz als Themenführerin in Österreich erfolgreich zurückgeholt. Ob Bildung, Bundesheerdiskussion, Netzpolitik, Soziales – die SPÖ gibt derzeit die Schlagzahl vor und die Konkurrenz kann bloß hinterherhecheln. Das bedeutet nicht, dass es nicht etliche Defizite gäbe, viele Kritikpunkte und Schwachstellen, aber die Sozialdemokraten machen sich erfolgreich in vielen politischen Sachbereichen breit, spielen sehr geschickt auf der Medienklaviatur und, was am wichtigsten ist: Die SPÖ wirkt derzeit wieder zukunftsorientiert und nicht bloß wie ein Verein von Verwaltern des Status Quo.

Freilich redet Frau Rudas auch viel dummes Zeug. Um die Leistungsbereitschaft ihrer Truppe zu betonen, kommt von ihr oft der hirnrissige Satz: „Jeder von uns ist der Erste und der Letzte im Büro.“ Liebe Laura, das ist überflüssige Angeberei, mit der man vielleicht bei Tischgesprächen in der Kantine eines Konzerns punkten kann, wenn gerade der Chef am Tisch sitzt, aber den Wählerinnen und Wählern ist es sowas von egal, wie lange du am Schreibtisch hockst. Politik ist ohnehin ein 24-Stunden-Job, und es gibt eh viel zu viele Menschen in der Politik, wie auch in der Privatwirtschaft, die sich wegen eines falschen Begriffs von Leistung ins Burnout rackern. Das muss man nicht auch noch als besonders klasse und vorbildlich darstellen. Gerade als Sozialdemokratin nicht. Aber noch einmal zurück zum Grundsätzlichen und zum „Standard“-Artikel samt den giftigen Leserkommentaren: Ich bin der Meinung, dass es nicht falsch sein kann, wenn in einer Partei junge Leute zum Zug kommen. Gerade angesichts der erschreckend hohen Sympathiewerte, die die FPÖ bei der Jugend genießt, sind junge Gesichter für die SPÖ wichtig, auch als Signal dafür, dass die Sozialdemokratie kein reiner Seniorenverein, keine bloße Besitzstandswahrerin der Etablierten sein darf. Ob diese jungen Gesichter nun diejenigen sind, die die Partei voranbringen, wird sich noch zeigen. Und es wird auch demnächst mal eine Parteireform brauchen, ein Aufreißen der Fenster, damit das Seilschaftsprinzip zugunsten einer Offenheit für alle politisch arbeiten wollenden zurückgedrängt wird.

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7 Gedanken zu “Laura und die boys

  1. Sieh dir doch mal die Interviews der Laura an. Jeder Sozialist, jeder Sozialdemokrat sollte in Tränen ausbrechen.

  2. Wenn die Grünen Menschen wie Nedeljko Bilalic oder Marcin Kotlowski nach oben „lassen“, dann überschlägt sich der Standard vor „Gutmenschlichkeit“.

    Wenn sich diese Selbstverständlichkeit in der SPÖ abspielt, wirft man ihnen vor, dass sie keine Einzelkämpfer seien.

    Zur Zeit veröffentlicht die lachsrosa Redaktion Postings mit sehr direkten Aussagen über mögliche sexuelle Kontakte zw Rudas und den anderen.
    Reaktionen auf diesen Dreck -ich habe es mehrmals probiert- erscheinen auf wundersame Weise nicht.

    Die Kronenzeitung könnte es nicht schlechter …

  3. „hat hunderte, fast durchwegs höhnische Leserreaktionen provoziert.“

    und noch keiner hat pelinka mit macaulay culkin verglichen? ich bin enttäuscht…

  4. für mich ist dieser beitrag eine klare themenverfehlung, denn:

    dem grossteil der besagten „standard-user“ geht es um die tatsache, dass im volksmund so genannte „polit-günstlinge“ zum zug kamen! machen sie sich über die namen der besagten neopolitiker schlau!
    nur wenige haben ein problem mit „den jungen“ und viele fordern neuen wind innerhalb der verstaubten parteistrukturen, aber das wurde in ihrem kommentar nicht erwähnt!

    weiters sehe ich ihre neid-argumentation als an den haaren herbeigezogen an! neid auf einen 24-jährigen „polt-günstling“, welcher angeblich gut honoriert wird (6.000 EUR brutto p.m.) und dafür (vermutlich) keine qualifikationen vorweisen musste…….überlegen sie kurz……da kann ein teil der bevölkerung schon in den neid verfallen! durchschnittliches haushaltseinkommen eines österreichischen haushaltes ist wie hoch?

    Sie haben außerdem vergessen, dass die neuen repräsentanten der – momentan noch – arbeiterpartei, nicht zum gelebten bild passen! ein klassischer hackler mit 1.600 brutto fühlt sich unter garantie nicht angezogen!

    einfach mal das zwischenmenschliche beachten und nicht einer partei gefallen wollen!

    mfg,

    ein 27-jähriger österreichischer akademiker, welcher mit der spö momentan nichts anfangen kann (aber auch nicht mit övp/bzö/fpö/grünen).

  5. Sehr geehrter Herr Torsch!
    Ich entschuldige mich hiermit ausdrücklich für meine Wortwahl!!!
    Diese war sehr emotional, und auch absolut unkorrekt und unangebracht!
    Auch wenn ich Ihren „Anti-Palästina (Hamas)“ Artikeln nicht zustimme, so tut es mir leid ausfallend geworden zu sein.
    Desweiteren tut es mir sehr leid Ihre, hoffentlich überwundene, Krankheit angesprochen zu haben!
    Auch wenn ich Ihren Kommentaren oft nicht folgen kann,
    bitte machen Sie weiter damit, denn Leute wie Sie tragen zu einer kritischen, divergenten Öffentlichkeit bei.
    Mit freundlichen Grüßen,
    @GS

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