„Keine Islamischen Rufe!“

Mubaraks Behauptung, die einzige Alternative sei ein islamistischer Staat, ist eine faule Ausrede. Ich befand mich mitten in der Demonstration, als ein Anhänger der Muslim-Bruderschaft religiöse Parolen zu rufen begann. Die Umstehenden haben ihn zum Schweigen gebracht und zu ihm gesagt: Keine islamischen Rufe! Hier demonstriert das ägyptische Volk und nicht eine islamische Sekte.

Empfehlenswerte Lektüre für jene tatsächlichen und taktischen Pessimisten, die jetzt allerorten Postings und Kommentare veröffentlichen, in denen sie eine neue Front von islamistischen Gottesstaaten an die Wand malen. Der politische Islam wird sicher eine Rolle spielen bei der Neuordnung der arabischen Welt, aber er wird nicht die Zukunft sein, denn die gehört der twitternden und facebookenden Jugend, und die will ganz sicher nicht Musikverbot, Bekleidungsvorschriften und erzkonservative alte Männer an der Macht.

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13 Gedanken zu “„Keine Islamischen Rufe!“

  1. Dein Wort in Gottes Ohr. Aber sind die Demonstranten im Iran 1979 denn ihrerseits fuer stikte Kleidungsregeln, Steinigung von Ehebrecherinnen und das Haengen von Homosexuellen gegangen? Bekommen haben sie das alles trotzdem.

    Eine straffe Organisation wie die Muslimbruderschaft hat einige Vorteile ueber eine unorganisierte Masse.

    Im Uebrigen verdraengst Du, dass dasselbe aegyptische Volk im letzten PEW Report deutlich zu erkennen gab, dass es fuer Islamismus ein Herz hat.

  2. Dass selbst die MB nicht für einen islamistischen Gottesstaat sind, zeigt sich einerseits dadurch, dass sie schon vergangenen Freitag auf Al Jazeera gesagt haben, sie werden bei einer künftigen freien Wahl keine eigenen Kandidaten stellen, andererseits dadurch, dass sie den sekulär-progressiven El Baradei unterstützen.

  3. @ krummer nagel: Und sie rebelliert. Das ist ja der Vorteil des ansonsten so oft beklagten „Youth Buldge“ – auf Dauer werden es sich die Jungen nicht gefallen lassen, dass man ihnen Fortschritt und Wohlstand und Freiheit vorenthält.

  4. foo,
    das ist naiv.
    Die Muslimbruderschaft betreibt Propaganda keine aufrichtige Selbstauskunft. Natuerlich rechnet sie sich bessere Chancen aus, vom Westen in der Regierung geduldet zu werden mit einer international bekannten Galionsfigur. Baradei verfuegt ueber keine Hausmacht, waere also weitgehend von der Muslimbruderschaft abhaengig.

    Im Libanon funktioniert es ja auch so: Der Kandidat der Hisbollah ist nicht Nasrallah, sondern jemand, der dem Westen als „unabhaengig“ verkauft werden kann. Dass er in allen zentralen Punkten die Hisbollahpositionen vertritt und nur in weniger wichtigen Fragen seine „Unabhaengigkeit“ zeigen darf, ist reiner Zufall.

  5. Lindwurm,
    wenn der Iran die Atombombe bekommt, bevor das Regime abgeloest werden kann, dann hilft alles Rebellieren der Jugend nicht.

    Verstehe ich Dich Recht, dass Du auch in Aegypten nur „auf die Dauer“ optimistisch bist? Da ist der Abstand zu meinem Pessimismus „Ich fuerchte, Demokratie wird erst nach Aegypten kommen, wenn die Menschen am Nil wie die Iraner und die Bevoelkerung des Gazastreifens auf die harte Art lernen, wie sich ein islamistisches Regime anfuehlt.“ nicht mehr gross.

  6. @ beer7: Ja, du verstehst mich richtig. Ich bin keienswegs blind euphorisch über die Entwicklungen, denn ich weiß sehr wohl, dass ein islamistischer Gottesstaat in Ägypten eine reale Möglichkeit ist, was ein Albtraum für die ganze Welt, vor allem aber für Israel wäre (mehr dazu auf diesem Blog in Kürze). Ich bin aber trotzdem vorsichtig optimistisch, da ich nicht davon ausgehe, dass die arabische Jugend mehrheitlich von religiösen Freiheitsbeschränkungen und vom „Dschihad“ begeistert ist. Und ich meine, dass selbst die Islamisten in Ägypten nicht mehr so radikal und irrational sind wie noch vor 30 Jahren und daher eher nicht gleich mal einen Krieg riskieren würden, der das hohe Risiko für sie mitbrächte, politisch und auch physische vernichtet zu werden.

  7. @beer7: ja, dass eine Zionistin das bestehende, wie Israel US-finanzierte Regime lieber hat als eine ungewisse Zukunft, bei der auch nicht uneingeschränkt US-freundliche Parteien, die auch nicht gegenüber Israel buckeln (etwa in Palästinenserfragen), an die Macht kommen könnten, das war ziemlich klar. 😉 Ich betone es noch einmal: die MB unterstützt den sekulären (!!!) El Baradei und hält sich selbst im Hintergrund, das ist mittlerweile ziemlich offenkundigt. Zu betrachten ist da auch, dass die MB als politische Bewegung jahrzehntelang unterdrückt wurde, hier mehr politische Grundrechte für alle einzufordern, ist das einzige, was die MB machen kann, um glaubwürdig zu sein.

    Naivität meinerseits? Keinesfalls.

  8. „sie werden bei einer künftigen freien Wahl keine eigenen Kandidaten stellen, andererseits dadurch, dass sie den sekulär-progressiven El Baradei unterstützen.“ Sicherlich, der sekundär-sekuläre(boah, wie HASSE ich dieses Wort) El Barbaradei, der schon in der Iranfrage immer wieder gezeigt hat, welchen Geistes Schlag er ist, wird Ägypten ganz sicher in Wohlstand, Demokratie und Freiheit treiben….

    Und nicht zu vergessen, seine Kritik am Irakfeldzug der Staaten…
    „@Foo: ja, dass eine Zionistin das bestehende, wie Israel US-finanzierte Regime lieber hat als eine ungewisse Zukunft, bei der auch nicht uneingeschränkt US-freundliche Parteien, die auch nicht gegenüber Israel buckeln (etwa in Palästinenserfragen), an die Macht kommen könnten, das war ziemlich klar. “ Aufjeden, würde die MB aus der Palifrage ganz innovativ die Judenfrage machen…

  9. @foo – und die Nazis unterstützten andere, die sie die Macht ausüben ließen, bis sie selbst stark genug waren.
    Ich finde es immer wieder „lustig“, wie betriebsblind Leute sein können.

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