Im blinden Nachrichteneck

Während die Welt entsetzt auf Japan blickt und hofft, dass sich nach der furchtbaren Erdbeben- und Tsunamikatastrophe der nukleare Ernstfall vielleicht noch irgendwie abwenden beziehungsweise eindämmen lässt, nutzen die arabischen Despoten die Gunst der Stunde und drehen im blinden Nachrichteneck so richtig auf. Saudi Arabien marschiert in Bahrain ein, um das dortige Herrscherhaus und die sunnitische Minderheit gegen das Aufbegehren der diskriminierten schiitischen Mehrheit zu unterstützen, und Gaddafis Truppen erobern völlig ungestört die vorübergehend befreiten Teile Libyens wieder zurück. Die EU, vor allem aber die USA legen diesbezüglich eine Performance hin, die man nur mehr als lächerlich und tragikomisch bezeichnen kann. Vor allem Barack Obama entpuppt sich als genau der Zauderer und außenpolitische Vollversager, als den ihn seine Kritiker schon immer in Verdacht hatten. Mal sagt die Außenministerin dies, dann der Präsident wieder jenes, mal Hü, mal Hott, und eine klare Linie ist nicht zu erkennen. Gaddafi und seinesgleichen beobachten das ganz genau und ziehen ihre Schlüsse, die da lauten: „Mit diesem Westen können wir nach Belieben schlittenfahren, dieser US-Präsident weiß nicht, was er will, diese EU wird einmal mehr keinen Finger rühren, selbst wenn wir unsere Bevölkerungen abschlachten“. Aber die Sache läuft ja auch umgekehrt. In vielen westlichen Staatskanzleien dürfte man froh sein, dass das Medieninteresse sich nun fast völlig auf Japan konzentriert, fällt so das eigene Versagen in Nordafrika und im Nahen Osten nicht weiter auf.

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2 Gedanken zu “Im blinden Nachrichteneck

  1. Ich finde das Verhalten des Westens in Sachen Libyen auch grauselig.

    Aber vielleicht solltest du, lieber Lindwurm,
    auch mal auf das jämmerliche lächerliche traurige Versagen der Arabischen Liga hinweisen?

    Die Arabische Liga hat sich zwar für eine Flugverbotszone in Libyen ausgesprochen, will sich aber beileibe nicht die Händchen schmutzig machen.
    Die No-fly-Zone soll daher bitteschön vom Westen gestartet und überwacht werden, damit die Weste der tapferen Arabischen Liga blütenweiß bleiben kann und um irgendwelche weiteren Katastrophen schön dem Westen in die Schuhe zu schieben.

    Aber die Staaten der Arabischen Liga haben anscheinend keinerlei Probleme damit, in Bahrain einzumarschieren.
    Da ist dann eine militärische Intervention zulässig und geboten?

  2. Sehr richtig, Naomi.
    Logischerweise soll man zuerst vor der eigenen Türe kehren, aber dabei vergessen wir, dass es auch noch ganz andere Machtfaktoren auf der Welt gibt.

    Wer verbietet eigentlich den Arabern, Russland oder anderen UN-Mitgliedern im Sinne der Humanität zu handeln?

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